Am Times Square schieben sich zu jeder Uhrzeit Menschenmassen an blinkenden Billboards und hupenden Taxen vorbei. Doch an diesem Tag stecken auffallend viele der Leute in Sportbekleidung. Sie versammeln sich in einem abgesperrten Bereich mitten auf der Straße, rollen ihre Yoga-Matten aus und lassen sich entspannt darauf nieder.

Es ist Sommerbeginn, der 21. Juni. Der Tag des Mind over Madness Yoga . Seit 2003 gibt es das Event. Mittlerweile treffen sich jährlich mehrere Tausend Praktizierende zum Yoga zwischen Hochhäusern, um den längsten Tag des Jahres zu feiern. Drei Mal am Tag halten bekannte New Yorker Yoga-Lehrer ihre eineinhalbstündigen Klassen kostenlos unter freiem Himmel ab. Teilnehmen kann jeder, der sich angemeldet hat  – oder unbemerkt den Weg durch die Absperrungen findet. In diesem Jahr haben sich fast 6.000 Yoga-Fans aus New York und der ganzen Welt angemeldet. Das sind 2.000 mehr als im vergangenen Jahr.

Veranstaltet wird das Event von der Times Square Alliance, die auch die Silvesterparty dort organisiert. "Es ist schön, zweimal im Jahr ein Event zu haben, das so viele Menschen begeistert", sagt Präsident und Erfinder Tim Tompkins.

Vor acht Jahren hatte der selbst Yoga praktizierende Tompkins zusammen mit seinem Freund, dem Yogalehrer Douglas Stewart, die Idee zu der Massenklasse: "Wir dachten es wäre nett, alle New Yorker und Besucher zu einem gemeinsamen 'Om' einzuladen, um Ruhe am frenetischsten Ort der Welt zu finden." Zur ersten Yoga-Madness vor acht Jahren kam lediglich ein weiterer Teilnehmer, um mit Tompkins und Stewart mit nach unten gerichteten Hunden und Krieger-Posen den Sommer am Times Square zu begrüßen. Seitdem werden es von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmer. "Am wichtigsten ist die Mundpropaganda", sagt Tompkins.

Mit steigender Teilnehmerzahl änderte sich auch der Rahmen: Musik kam hinzu und ein Yoga-Dorf mit kleinen Ständen und Sponsoren. Dieses Jahr spendierte ein Sponsor den ersten tausend Teilnehmern Yogamatten, ein anderer Handtücher. Und noch etwas war neu in diesem Jahr: Es gab zum ersten Mal einen Livestream im Internet. "Wir wollen, dass die Menschen überall auf der Welt teilhaben können", sagt Tompkins, "und hoffen, dass in Zukunft noch mehr Menschen kommen und sich auch Nachahmer in anderen Städten finden."

Akua Hill praktiziert seit zehn Jahren © Katharina Finke

Akua Hill (24), Studentin aus New York: "Eigentlich mag ich solche Massenveranstaltungen gar nicht. Aber ich bin hier hergekommen, um mit meiner Freundin und vielen anderen Menschen den Sommer zu begrüßen und den längsten Tag des Jahres zu feiern. Es ist toll, den ganzen Stress und das Chaos, was sonst hier überall herrscht, hinter sich zu lassen.

Ich praktiziere Yoga regelmäßig: dreimal in der Woche. Mal allein, mal in der Gruppe – ich finde beides schön. Denn es hilft meiner Ausgeglichenheit sehr und die braucht man als New Yorkerin. Meine Lieblingsstellungen sind der Bogen ( Bow Pose/Dhanurasana ) und der Krieger III ( Warrior/Virabhadrasana III )."