Tief im Herzen Perus thront sie über den Wolken, auf einem Bergsattel in über 2.400 Meter Höhe: Machu Picchu, einst Perle der Inka-Architektur, heute Wahrzeichen Perus und Anziehungspunkt für Hunderttausende Touristen jährlich. Im Jahr 2011 werden es wohl noch mehr sein: Machu Picchu feiert im Juli den hundertsten Jahrestag seiner Entdeckung.

Bis heute ist unklar, warum die Inkas 1450 die riesige Steinstadt erbauten. Manche munkeln, Machu Picchu, auf Deutsch etwa Alter Gipfel , habe dem Inkaherrscher Pachacútec als Winterresidenz gedient. Andere sagen, die Stadt sei Zentrum für Astronomie und Sterndeutung gewesen. Wie die Arbeiter vor der Erfindung des Rads derart große Steine bewegen konnten, darüber rätseln Forscher ebenfalls. Auch haben die Inkas ein imposantes Bewässerungssystem ausgetüftelt, um selbst in der Höhe Mais und Kartoffeln anbauen zu können: So konnten sie Quellwasser zu den an Berghänge gebauten Terrassenfeldern bringen. Noch immer sind diese Anlagen theoretisch nutzbar.

Um mehr Fotos von Machu Picchu zu sehen, klicken Sie bitte auf dieses Bild. © Andina Agency/Reuters

Nach ihrer Erbauung nutzten die Inkas die Stadt jedoch nur rund hundert Jahre lang, bevor sie sie aus ebenfalls ungeklärten Gründen für immer verließen. Jahrhundertelang lag sie danach in den Wäldern Perus versteckt, vermutlich nur den Ureinwohnern bekannt, die das Geheimnis selbst vor den spanischen Eroberern hüteten.

Einzelne Forscher stießen Überlieferungen zufolge schon vor 1911 auf die Ruinen. Der US-amerikanische Forscher und Abenteurer Hiram Bingham war jedoch der Erste, der die Inkastadt nach über 300 Jahren am 24. Juli 1911 wieder für die Welt erschloss. Mit einem Forschungsteam war der Abenteurer und Professor der Yale-Universität nach Südamerika gereist, um verschollene Inka-Festungen zu suchen. Im Gegensatz zu anderen Abenteurern brachte er auch das nötige Geld mit, um die Ruinen wieder freizulegen und wissenschaftlich zu erschließen. Die Ausgrabungsarbeiten bezahlten die Yale-Universität und die National-Geographic-Gesellschaft, außerdem war Bingham mit einer reichen Erbin des Modehauses Tiffany verheiratet. Im Rahmen der Arbeiten schaffte Bingham jedoch Inka-Schmuck, Mumien und Keramikarbeiten in die USA,woraufhin ein jahrzehntelanger Streit zwischen den Vereinigten Staaten und Peru ausbrach. Erst im vergangenen Jahr gab die Yale-Universität die ersten Artefakte zurück.

Machu Picchu zählt mittlerweile zu den beliebtesten Reisezielen weltweit, etwa 600.000 Besucher kommen jedes Jahr zu der alten Steinstadt, die im Herzen Perus liegt, rund 112 Kilometer nordwestlich der früheren Inka-Hauptstadt Cuzco. Eine eigens gebaute Zugstrecke bringt die Touristenströme täglich in einer vierstündigen Fahrt von Cusco nach Aguas Calientes, von wo aus es nur noch einige Hundert Meter bis zu der Ruinenstadt sind. Wer es ursprünglicher will, kann vier Tage auf dem Inka-Pfad dorthin wandern. Umgeben von Abgründen, am Ufer des Fluss Urubamba, sticht die Anlage dann auf einem Gipfel aus dem dichten Wald heraus.

Knapp 33 Euro Eintritt zahlt jeder, der sich einen Tag lang in den Ruinen der Inka-Stadt aufhalten möchte – exklusive Anreise. Machu Picchu ist längst nicht mehr nur Wahrzeichen, sondern vor allem Wirtschaftsfaktor für Peru geworden. Ganze 90 Prozent ihrer Einnahmen schöpft die peruanische Tourismusindustrie aus der Inka-Stadt, allein die Eintrittsgelder bescheren dem südamerikanischen Entwicklungsland jährlich etwa 20 Millionen Euro.

Als größte jemals entdeckte Inka-Stadt zählt Machu Picchu seit 2007 zu den sieben modernen Weltwundern . Bereits 1983 wurde die Steinstadt von der Unesco zum Weltkulturerbe erkoren. Seit einigen Jahren kritisiert die Unesco jedoch, dass die fast 2.000 Besucher, die täglich durch die Ruinen streunen, die Anlage nach und nach zerstören; sie fordert, dass maximal 800 Touristen täglich Eintritt gewährt wird. Im Jahr 2008 fiel bei Dreharbeiten für eine Bierwerbung ein Kamerakran auf die Sonnenuhr, die in der Inka-Stadt das Zentrum religiöser Zeremonien bildete. Ein Stück Granit brach dabei aus der Uhr heraus.

Forscher schätzen, dass bislang erst 20 Prozent der alten Inka-Stadt überhaupt freiliegen. Im Jahr 2010 gruben Archäologen in der Zone weiter, die Hiram Bingham den "Friedhof" nannte. Entgegen aller Annahmen fanden sich doch jedoch keine Knochen, sondern Schmucksteine. Dieser Teil der Geschichte Machu Picchus muss neu geschrieben werden – statt als Friedhof diente der Ort wohl als Festplatz.