Smartphone-Nutzer sollen nach dem Willen der EU-Kommission künftig weniger zahlen, wenn sie mit ihrem Handy im europäischen Ausland E-Mails lesen oder Webseiten aufrufen. Erstmals legt die Brüsseler Behörde einen Vorschlag vor, der Preisobergrenzen für das mobile Surfen im Internet oder den E-Mail-Verkehr festlegt.

Bisher ist das Surfen im Ausland schnell teuer, weil die Gebühren für das Daten-Roaming, also das Nutzen des ausländischen Mobilnetzes, ein Vielfaches der Inlandskosten erzeugte. Ein Plan von EU-Kommissarin Neelie Kroes sieht nun vor, dass Reisende, die im EU-Ausland mobile Datendienste nutzen, pro Megabyte maximal 90 Cent zuzüglich der Mehrwertsteuer zahlen. Bis 2014 soll der Höchstpreis auf 50 Cent pro Megabyte fallen. Heute zahlt man dafür im Schnitt 2,60 Euro.

Die EU-Kommission will die Datenroaming-Preise schon länger reduzieren. Mehrfach drohte sie Mobilfunk-Betreibern mit Gesetzen, wenn diese nicht freiwillig die Tarife mäßigten. Die Großhandelspreise, die sich Betreiber gegenseitig in Rechnung stellen, hat die Kommission längst gesenkt. Sie sind zum 1. Juli zuletzt auf 50 Cent pro Megabyte gefallen. Doch das wirkte sich bislang nicht auf die Verbraucherpreise aus.

Auch Handy-Gespräche und SMS sollen preisgünstiger werden. Kommissarin Kroes will erreichen, dass bis 2015 die Telefonie im EU-Ausland nicht mehr teurer als im Inland ist. Ihr Gesetzesvorschlag sieht vor, dass sich Verbraucher ab dem 1. Juli 2014 den für sie günstigsten Anbieter auswählen können.

Seit 2007 sind Mobilfunkanbieter verpflichtet, Roaming-Gebühren Jahr für Jahr zu senken. Die Reglung läuft 2012 aus, soll aber nun bis 2016 verlängert werden. Zuletzt hatte Brüssel zum 1. Juli die Kosten gesenkt: Wer mit seinem deutschen Handy in einem anderen EU-Land telefoniert, zahlt für abgehende Anrufe nur 35 Cent pro Minute, für eingehende 11 Cent zuzüglich Mehrwertsteuer. Der neue Vorschlag drückt die Kosten für abgehende Anrufe ab 2014 auf 24 Cent.

Die Kommission hatte vergeblich gehofft, dass die bereits verordneten Preisgrenzen den Wettbewerb auf den Roaming-Märkten langfristig fördern. Doch das blieb aus. Die Anbieter erzielten nach EU-Angaben 2009 durch Roaming-Gebühren in der EU Erlöse von knapp fünf Milliarden Euro.

Verwirklichen lässt sich der Plan der Kommission nur, wenn die Mitgliedsstaaten ihm zustimmen.