Usedom : Deutsch-polnischer Strandspaziergang

Auf Usedom wird Europas längste Strandpromenade eröffnet. Das letzte Teilstück führt über die deutsch-polnische Grenze. Ganz geeint ist die Grenzregion jedoch noch nicht.
Gemeinsam durch das deutsch-polnische Tor schlendern: Computersimulation der grenzüberschreitenden Europapromenade auf Usedom.

Helle Gehwegplatten, frisch verlegt, ein geräumiger Geh- und Radweg. Rechnet man die Baukosten um, sind hier entlang der Ostseedünen auf jedem Meter etwa 1.000 Euro verbaut. Aber wenn Usedom am 19. August das neue Stück seiner Strandpromenade einweiht, geht es um mehr als ein Stück Auslauffläche für Touristen. Das letzte Teilstück hat vor allem symbolischen Wert.

An diesem Tag schließt die Insel die Lücke zu Europas längster Strandpromenade. Auf rund 12 Kilometern führt der Weg dann am Strand entlang. Vorbei an den renovierten  Kaiserbädern, durch Kiefernwälder und Dünen, nahezu auto- und demnächst auch CO2-frei. Turmhohe Solarsegel sollen für Beleuchtung und Strom sorgen.

Einzigartig wird die Usedomer Promenade vor allem dadurch, dass sie Deutschland und Polen verbindet. Als gemeinsame Bauherren haben die Usedomer Kaiserbäder und die polnische Hafenstadt Świnoujście das Projekt geplant und umgesetzt. Über 3,6 Kilometer werden die bisher getrennten Promenaden diesseits und jenseits der Grenze miteinander verbunden. Rund 3,6 Millionen Euro hat das gekostet. Mit fast 90 Prozent steuert die EU den größten Anteil bei. Auf der Europapromenade können Usedom-Bewohner und Urlauber nun künftig von Bansin bis ins frühere Swinemünde laufen oder radfahren – und von dort aus weiter auf die Nachbarhalbinsel Wollin.

Angesichts der deutsch-polnischen Geschichte ist das nicht selbstverständlich. Denn die Promenade verbindet, was Usedom lange trennte. Als Folge des Zweiten Weltkriegs wurde 1945 die strategisch wichtige Hafenstadt Swinemünde von der Insel abgeschnitten und Polen zugesprochen. Die deutschen Einwohner Swinemündes wurden vertrieben. In der kriegszerstörten Stadt siedelten Polen an, die ebenfalls aus ihrer Heimat vertrieben worden waren. Die Stadt bekam den Namen Świnoujście.

Der Strand bei Świnoujście

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs fand eine Annäherung der Alt-Usedomer und ihrer polnischen Nachbarn statt. Mit Polens EU-Beitritt wurden die Begegnungen einfacher – zumindest auf der Straße. Am Strand warnten weiter ins Wasser ragende Schilder: "Halt hier Grenze". Wer nicht rechtzeitig beidrehte, wurde von deutschen oder polnischen Grenzposten mit Megaphon abgemahnt.

Erst Ende 2007, mit Polens Aufnahme in den Schengen-Raum, wurde auch am Strand der Zaun entfernt. Seitdem nutzen Spaziergänger und Radler die Wege am Wasser, doch erst jetzt wird das grenzüberschreitende letzte Teilstück offiziell eingeweiht. Richtung Westen führt die Promenade zu den alten Kaiserbäder-Villen von Ahlbeck und Heringsdorf . Richtung Osten zur Świnoujścier Promenade.

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Kommentare

67 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Verstehe ich nicht ...

Ihren Kommentar verstehe ich nicht? Ostdeutschland ist doch heute immer noch Ostdeutschland (wenn denn ein solcher Unterschied zu Westdeutschland überhaupt gemacht werden muss. In diesem östlichen Teil Deutschlands tragen die Ortschaften doch auch deutsche Namen.
Wenn Sie allerdings den Teil Polens meinen, der aufgrund mehrere Angriffskriege Deutschlands zu Polen wurde, dann finde ich Ihren Einwand nicht berechtigt. Das ist nämlich nicht Ostdeutschland, sondern Polen und folgerichtig haben die Ortschaften polnische Namen.
Ist doch ganz einfach.

Das historische Europa

Hier, werte/r August 4711 geht es nicht um die Namen des Nachkriegsdeutschlands, die sind natürlich unverändert. Es geht vielmehr um die Namen jahrhundertealter deutscher Provinzen, Städte und Dörfer. Polen hat aufgrund der ihnen zugesprochenen deutschen Ländereien (sie haben sich allerdings doppelt soviel genommen als die Siegermächte gewillt waren ihnen zuzusprechen) natürlich das Recht, sie auf polnisch umzubenennen. Deutschland hat aber nicht weniger Recht, die ursprünglich deutschen Namen zu verwenden. Das sollte man besonders im Zuge der der Europäisierung pflegen, damit die wahre Geschichte dieser Teile Europas nicht in Vergessenheit gerät.

@8 Komisch August4711 hat gar nichts über die

Namen gesagt. Sie machen da ein Fass auf, von dem keiner geredet hat.

Wenn Polen sich mit mir auf Deutsch unterhalten (da ich kaum Polnisch kann) nutzen sie die uns geläufigen Namen, wie z.B. "Posen" oder "Breslau". Letztens unterhielt ich mich mit Amerikanern, diese nutzten die heutigen, polnischsprachigen Namen.
Wenn man miteiander reden will versteht man sich auch.

Aber wollen Sie das ?

Bedeutung eines Wortes

" Als Folge des Zweiten Weltkriegs wurde 1945 die strategisch wichtige Hafenstadt Swinemünde von der Insel abgeschnitten und Polen zugesprochen. Die deutschen Einwohner Swinemündes wurden vertrieben. In der kriegszerstörten Stadt siedelten Polen an, die ebenfalls aus ihrer Heimat vertrieben worden waren. Die Stadt bekam den Namen Świnoujście."

heisst es in dem Artikel. Das könnte für Leser, welche die europäische Vertreibungsgeschichte nicht kennen, irreführend sein. Zunächst handelt es sich bei den Polen um 3 Millionen Menschen, bei den Deutschen um 15 Millionen, die ihre Heimat verlassen mussten. Die Deutschen mussten unter Schikanen und innerhalb von Stunden mit nur Handgepäck aus ihren Häusern raus und ihr gesamtes Hab und Gut den Polen hinterlassen. Sie mussten sich von Grund auf eine neue Heimat aufbauen. Das nennt man Vertreibungen und trifft meines Erachtens auf die polnischen Umsiedler nicht zu.

What's in a word?

Werte/r August 4711
Es geht hier nicht um Selbstmitleid sondern um die Auslegung der Bezeichnung "Vertreibung". Wäre Ihnen dankbar, wenn Sie die genauen Umstände, unter denen Ihre polnischen Mitbürger ihre Heimat verlassen mussten, beschreiben würden und wie sich diese von den deutschen unterscheiden. Zwischen Vertreibung und Umsiedlung besteht ein gewaltiger Unterschied.

Ich habe Verständnis dafür, dass Menschen auch nach 60 Jahren

noch ihrer Heimat nachtrauern und ich bin mir sicher, dass das nicht nur deutsche sondern auch polnische Menschen sind.

Ein bisschen Mitgefühl mit diesen Menschen ist doch nicht zuviel verlangt. Schließlich wollen sie nicht mit Gewalt ihre alte Heimat zurückerobern.

Die reflexhafte Agression gegen diese Leute, sagt etwas aus über die verdrängten Schuldgefühle ihrer Kritiker.

@13 rumbalotte - Mitgefühl:

natürlich habe ich Mitgefühl mit allen die vertrieben wurden - es ist schlimm die Heimat zu verlieren, wenn man denn eine hat!

Allerdings muss man sich - vor allem nach dem totalen Krieg - damit abfinden.
Jede Verschiebung der Schuld auf andere oder jeder revisionistische Gedanke hilft wenig, ist höchstens Therapie bedüftig (so etwas gab es damals allerdings noch nicht).

Die Opfer sollten sich auch klar machen, dass sie nicht Opfer der Polen wurden, sondern Opfer des Hitlerregimes, Opfer ihrer Mitmenschen, die dieses System unterstützt haben und mithin auch Opfer ihrer selbst.

P.S. Ich kenne alle Witze: rumbalotte.

Revisionismus?

Ich habe schon einige Kommentare von Frau Behm gelesen und habe bisher nicht gelesen, dass sie zur Wiedereroberung der ehemaligen deutschen Ostgebiete aufruft. Scheinbar haben wir unterschiedliche Auffassungen darüber was der Begriff Revisionismus bedeutet.

Wahrscheinlich würden mir Russen Revisionismus vorwerfen, wenn ich daran erinnere, dass mit dem Einmarsch der Roten Armee in Deutschland ca. 2 Millionen Mädchen und Frauen von russischen Soldaten vergewaltigt wurden und dennoch stimmt es. Das es in russischen Schulbüchern nicht vorkommt heißt nicht, dass es nicht stattgefunden hat.

Vergessen Sie nicht: Schon Galilei war ein Revisionist. Er behauptete, die Erde sei eine Kugel obwohl doch damals jedermann wusste, dass sie eine Scheibe war.

Viele unserer heutigen Gewissheiten beruhen auf Geschichtsfälschungen.

Fälschungen und Wahrheit

Meine Auffassung sieht so aus:

Der Begriff Revisionismus (lat. revidiere „wieder hinsehen“) bezeichnet Versuche, eine als allgemein anerkannt geltende historische, politische oder wissenschaftliche Erkenntnis und Position nochmals zu überprüfen, in Frage zu stellen, neu zu bewerten oder umzudeuten.
http://de.wikipedia.org/w...

Ich bedauere die Vergewaltigungen unschuldiger deutscher Mädchen und Frauen.
Kennen Sie ebenfalls die Zahl der slawischer Mädchen und Frauen, die von den deutschen Soldaten vergewaltigt und/oder ermordet wurden?

Wir sind uns einig,

was den Begriff Revisionismus angeht, der meiner Ansicht unberechtigt negativ interpretiert wird. Der Begriff wurde im Kalten Krieg seitens der Kommunisten (auch der polnischen) benutzt wurde, um Menschen zu unterstellen, dass sie die Grenzen nach dem 2. Weltkrieg mit Gewalt ändern wollten.

Ich danke Ihnen ausdrücklich dafür, dass Sie Ihr Bedauern über die Vergewaltigungen von deutschen Mädchen und Frauen äußern.

Ihr Hinweis auf die von deutschen Soldaten begangenen Vergewaltigungen, welcher Mädchen und Frauen auch immer, ist genau so berechtigt und ich bedauere es natürlich auch, das derartige Verbrechen von Deutschen begangen wurden. Sollten Sie die ungefähre Zahl der vergewaltigten polnischen, russischen, ukrainischen und belarussischen Mädchen und Frauen kennen, so lassen Sie mich bitte die Zahl wissen. Das ich sie nicht weiß, zeigt natürlich, dass jede Nation immer nur ihre Opfer und nicht ihre Missetaten sieht. Aber das ist ja leider auch im Kleinen in der Familie schon so.

Was Frau Behm betrifft und ihre Sehnsucht nach ihrer alten Heimat angeht, so kann sie ja ihren Wohnsitz in den ehemaligen deutschen Ostgebieten in Polen nehmen.

Stimmt!

Ich habe bewusst auf die banale Lösung des Problems von Frau Behm hingewiesen. Sie kann nun mit sich selbst ausmachen, ob ihr ihre alte Heimat soviel wert ist, dass sie bereit ist in einer ihr heute fremden Umgebung zu leben. Gewissermaßen der Lackmustest.

Nach den Regelungen für die Freizügigkeit innerhalb der EU, wäre die Massenbewegung des Umzugs von Vertriebenen in die ehemaligen deutschen Ostgebiete wiederum der Lackmustest für die Polen.

Ich fürchte, da werden beide Seiten ihre Defizite offenbaren.

Meine Meinung

Werte Pani Kowalska,

Es tut mir leid, dass Ihre Vorfahren mit nur Handgepäck ihre Heimat verlassen mussten.

Ich möchte jedoch hiermit noch einmal kurz meine Meinung dazu äussern, warum man die von der sowjetisch-polnischen Grenzverschiebung betroffenen Polen als "umgesiedelt" und nicht als "vertrieben" bezeichnen sollte. Es gab 1944 zwei polnische Volksvertretungen, auf der einen Seite die Londoner Exilregierung unter Präsident S. Mikolajczyk und auf der anderen das mit den Sowjets kooperierende Komitee der Nationalen Befreiung, die so genannte Lubliner Regierung. Zwar hatte Präsident Mikolajczyk heftig und unermüdlich gegen die territorialen Veränderungen angekämpft, musste aber letzten Endes klein beigeben, so dass schliesslich die führenden Männer Polens und Russlands den veränderten Grenzen und Umsiedlungen zustimmten. Wilde Vertreibungen, Schändungen, Tötung und gewaltsamen Raub haben, soweit mir bekannt ist, nicht stattgefunden.

Persönlich zweifele ich nicht daran, dass Polen die nach dem 1. Weltkrieg gezogenen Grenzregelungen vorgezogen hätte.

Grüsse Sie, G.B.

Jede..

.. Sprache hat ihre eigene Städtenamen, egal ob GB, D, F, PL oder RU usw. Hauptsache die Grammatik stimmt und man weiß was gemeint ist. Alles andere hat mit Stolz und Ehrgefühl und anderem überflüssigen und anerzogenem Klassendenken zu tun. Besten Gruß aus einem ehemals kurzzeitigen Teil Westdeutschlands.