Urlaub in GriechenlandAuf Kosten der anderen?

Urlaub in Griechenland ist günstig geworden. Die Krise des Landes wirkt sich auch auf den Tourismusbetrieb aus. Darf man das ausnutzen? von Caroline Wenzel

Avgónyma auf Chios

Avgónyma auf Chios   |  © Veyis Polat/flickr.com

"Wir sprechen Türkisch", steht am Souvenir-Shop am Hafen von Chios. Die ostägäische Insel stellt sich auf neue Kundschaft ein: Türkische Beamte, die neuerdings ohne Visum auf die nahe gelegene Insel reisen können. "Wohlhabende Türken geben an einem Wochenende viel mehr Geld aus, als ein deutscher oder holländischer Pauschaltourist in einer Woche", sagt der Manager des Chandris-Hotels am Hafen von Chios.

Die Insel ist vom Massentourismus weitgehend verschont geblieben, setzt eher auf Individualtouristen. Auch jetzt, mitten in der Krise, soll das so bleiben. Doch das dürfte schwierig werden. Noch weiß niemand genau, wie viele Gäste im Sommer kommen werden.

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Die großen Reiseveranstalter hingegen freuen sich schon jetzt. "Griechenland liegt bei den Buchungszahlen zweistellig über der Entwicklung des Vorsommers", sagte Volker Böttcher, Chef des Marktführers TUI Deutschland, der Wirtschaftswoche. Ganze 13,2 Prozent mehr Griechenland-Buchungen für den Sommer als 2010 seien es bei der TUI. Auch Dertour verzeichnet in diesem Jahr ein "hohes zweistelliges Umsatzplus", bei Thomas Cook sei es "gut einstellig". Ein Grund für diese Steigerungen sind sicherlich Billigangebote, mit denen die Veranstalter locken: Hotels sind bei Thomas Cook beispielsweise deutlich günstiger als im Vorjahr, L´Tur verkauft Pauschalreisen rund 15 Prozent billiger. Verzichten müssen die Urlauber trotz niedrigerer Preise auf nichts. Für deutsche Pauschalurlauber gebe es in Griechenland "keine relevanten Leistungseinschränkungen", sagte TUI- Sprecher Mario Köpers. Dass Griechenland wirtschaftlich schwer gebeutelt sei, spiele für Urlauber "keine wirkliche Rolle".

Für die Apartmentvermieter und Tavernenbesitzer allerdings schon. Viele der für Griechenland typischen kleinen Familienbetriebe bangen um ihr Überleben. Im Gegensatz zu den großen Veranstaltern können sie sich massive Preisnachlässe mittelfristig nicht leisten, denn der Alltag ist teuer geworden. Um bis zu 15 Prozent sind die Preise in den letzten Monaten gestiegen. Benzin kostet bis zu 1,80 Euro pro Liter. Und die Mehrwertsteuer steigt immer weiter.

"Bisher waren es 9 Prozent auf Speisen und 16 Prozent auf Alkohol", sagt der Wirt der Taverne "Zum Anker" in Megas Limionas auf Chios." Ab 1. September sind es 23 Prozent auf alles. Eigentlich müsste ich dann bei den Preisen 10 Prozent aufschlagen. Aber die Gäste, vor allem die griechischen Touristen, die im Sommer kommen, haben selbst kein Geld mehr in der Tasche. Sie gehen ohnehin schon seltener essen als früher. Was soll ich also tun?" So schlecht sei es bei ihm in den letzten 15 Jahren nicht gelaufen. "Rhodos, Kreta, Kos – die typischen Pauschalreiseziele melden Zuwächse von 30 bis 40 Prozent. Hier merkt man davon nichts", sagt er und zuckt resigniert mit den Schultern.

Mit zeitlich befristeten Sonderangeboten versuchen viele Hotels auf Chios, Gäste anzulocken. Selbst im Argentikon, einem der teuersten Hotels der Ägäis, gibt es Preisnachlässe: Statt ab 500 Euro ist eine Suite in einem Palast aus dem 16. Jahrhundert schon ab 380 Euro pro Nacht zu haben. Günstiger ist es bei Kiki Psomadakis, die im Norden der Insel kleine Steinhäuser vermietet. Im Juni kostete ein Haus für zwei Personen 55 statt 85 Euro pro Nacht. Die Preise sind im Moment, wie fast überall, Verhandlungssache. "Normalerweise sind um diese Zeit Deutsche, Holländer und Franzosen da", sagt Psomadakis. "Dieses Jahr nicht." Die Angst vor Streiks halte sie ab, vermutet sie. Oder gar vor Ausschreitungen. Dabei ist auf den Inseln davon nichts zu spüren. Es sei denn, das Fährpersonal oder die Fluglotsen beteiligen sich am Generalstreik, so wie im vergangenen Juni. Dann müssen die Gäste schon mit Verspätungen oder Ausfällen rechnen.

Leserkommentare
    • hareck
    • 08. Juli 2011 14:58 Uhr

    das nicht dürfen?

    Im Gegenteil: Dies ist doch eine Art, Geld nach Griechenland zu transferieren, mit der man noch ein schönes Urlaubserlebnis hat.

  1. ist Urlaub in Griechenland eine gute Sache. Ich habe im Juni zwei Wochen Individualurlaub auf Kreta verbracht. An der legendären Gastfreundschaft der Griechen hat sich nichts geändert, und Ausbrüche von Hass gegen "die Deutschen" waren auch nicht zu verzeichnen. Feststellbar war aber schon, wie die Griechen selbst unter der Krise leiden, besonders die jungen Leute.

  2. man soll sogar angesichts der günstigen Preise nach Griechenland fahren. Ob die Preise gesenkt oder eine Währung abgewertet wird, es kommt aufs selbe hinaus und steigert die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Da Griechenland nicht abwerten kann, macht es mit günstigeren Angeboten im Tourismus genau das, was es machen muss um wieder auf die Beine zu kommen. Das geht allerdings nur dann, wenn die Touristen davon auch Gebrauch machen. Also kein Grund ein schlechtes Gewissen zu haben, im Gegenteil: wer davon Gebrauch macht, tut Griechenland einen Gefallen.

  3. Das Leben artet zu einem Selbtvergewaltigungstrip des moralisch und poltisch korrektem Denkens aus, wenn ich jede Handlung darauf abklopfe.

    Die Scheinheiligkeit dessen ist auch nicht zu überbieten. Wer sein Lebensweg der Wahrheit, Klarheit und Integrität verschreibt, der muß seine beschränkte Lebenszeit nicht damit verbringen, sich an jedem Schnulli aufzuhängen.

    So können die einen auch billig nach Griechenland fahren, während die anderen sich besser schämend in die Ecke stellen.

    Jedem das Sein!

  4. Wer glaubt, die Griechen wuerden ausgenutzt, kann jederzeit
    einen privaten Transfer an das dortige Finanzministerium
    machen.

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    davon haben nur der hiesige Finanzminister und seine Speichellecker etwas. Besser gut in einer schoenen Taverne essen, ein paar nette Souvenirs kaufen und der Bettlerin am Syntagma ein paar Cent geben.

    • Ascag
    • 08. Juli 2011 15:35 Uhr

    Ich meine hier nicht rücksichtloses Zocken (wie das die Banken in ihrer Schamlosigkeit und völligen Realitätsferne getan haben), sondern das schon fast in Vergessenheit geratene Spekulieren des ehrenwerten Kaufmannes.

    Ein Spekulant der ehrenwerten Sorte (ja, die gibt es) kauft sich in Dinge ein, die alle anderen schon aufgegeben haben, und gibt damit neue Hoffnung und neue Zukunft. Nichts anderes ist es, wenn man jetzt Urlaub in Griechenland macht. Oberflächlich betrachtet "nutzt" man die niedrigen Preise aus. Aber vom Effekt her kann das das Saatkorn für einen Neubeginn sein: Wir haben euch Griechen nicht abgeschrieben. Besonders nicht eure kleinen Familienbetriebe. Eure Eliten könnt ihr zum Teufel jagen (sie haben es verdient), aber zu den kleinen Leuten stehen wir.

    Für Griechenland wird es wirklich fatal, falls jetzt auch noch die Touristen fernbleiben. Dann macht irgendwann dort wirklich der letzte das Licht aus.

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    Die kleinen Leute in Griechenland haben sich korrumpieren lassen und diese Politiker ja wohl freiwillig gewählt. Oder etwa nicht ?

    • Naxi
    • 09. Juli 2011 14:46 Uhr

    wie damals in Deutschland

    • PW
    • 08. Juli 2011 15:56 Uhr

    Machen Sie Urlaub in Griechenland. Ihr Geld ist schon hier.

  5. Die kleinen Leute in Griechenland haben sich korrumpieren lassen und diese Politiker ja wohl freiwillig gewählt. Oder etwa nicht ?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    kein Beamter in keinem Land lehnt eine angediente Gehalts-
    erhoehung ab, kein Rentner verweigert eine Besserung seiner
    Bezuege. Regierende, die Berichte und Haushaltsplaene faelschen, muessen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen
    werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Griechenland | Thomas Cook | Urlaub | TUI | Geert Wilders | Hotel
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