For ever, for everyone. Für immer, für alle – das Versprechen des National Trust, dem das winzige Häuschen gehört, kann an diesem Abend im Ship Inn, dem Pub von Low Newton by the Sea, nicht eingelöst werden. Rappelvoll ist der Gastraum, und die Wirtin informiert, dass erst in vier Tagen wieder ein Tisch zu haben ist. Bis dahin seien die fünf verfügbaren Tische fully booked .

Alternativen gibt es keine in dem 100-Seelen-Dorf an der Küste Northumberlands im Nordosten Englands. Und so bleibt nur, sich mit einem gezapften Bier aus der nebenan gelegenen Mikrobrauerei auf eine der Holzbänke draußen auf dem village green , der Dorfwiese zu setzen. U-förmig um den Platz angelegt stehen 14 Cottages, weiß angestrichen, Stockrosen, Lavendel und Wicken im Vorgarten. Für den kühlen Wind, der von der Nordsee her weht, entschädigt der Blick: Nur der breite Sandstrand trennt den Fishermen’s Square vom Meer, links reichen Weiden bis ans Ufer, rechts Dünen.

Der Platz gilt heute als das am besten erhaltene Beispiel für einen historischen Fishermen’s Square in Northumberland. Der Gutsherr hatte ihn einst extra bauen lassen, um den Fischfang zu fördern, nah am Wasser und weit entfernt von den landwirtschaftlich geprägten Dörfern im Landesinnern.

Die Mehrzahl der Häuschen ringsherum gehören inzwischen dem National Trust, der sie nach und nach aufgekauft hat. Die gemeinnützige Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, das ökologische und kulturelle Erbe des Vereinigten Königreichs zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wälder, Küsten und Moore, Gärten, Schlösser und Gutshäuser gehören ebenso dazu wie Leuchttürme, Gemälde und die Nationale Rasenmäher-Sammlung. Und Cottages aus dem 18. Jahrhundert.

For ever, for everyone , lautet der Slogan der ur-englischen Institution, die sich seit 1895 um den Schutz und Erhalt besonderen Kultur- und Naturguts in England, Nordirland und Wales kümmert. Philanthropen wie Octavia Hill waren zu Zeiten Queen Victorias besorgt über die Entwicklungen der Industrialisierung in Großbritannien und deren Folgen. Ihrer Überzeugung nach war "das Bedürfnis nach Ruhe, frischer Luft und Bewegung, sowie danach, den Himmel und Dinge wachsen zu sehen, allen Menschen eigen". Um besonders schöne Landschaften und historisch wertvolle Gebäude für die Nachwelt zu erhalten, gründete Octavia Hill gemeinsam mit zwei Gleichgesinnten den National Trust.

Inzwischen ist der Trust, wie er in England kurz genannt wird, Europas größte Kultur- und Naturschutzvereinigung. Zu seinen Besitzungen gehören über 1.000 Kilometer Küste, 2.500 Quadratkilometer Land sowie mehr als 350 Herrenhäuser, Gärten, Parkanlagen, Burgen und Schlösser, Naturschutzgebiete und historische Pubs und Gasthäuser. Und all das ohne staatliche Unterstützung. Immobilien und Grundstücke stammen oft aus dem Nachlass wohlhabender Briten, die sicherstellen möchten, dass ihr Erbe der Nachwelt erhalten bleibt.

Der Unterhalt der Grundstücke und Ländereien ist eine teure Angelegenheit – mehr als 400 Millionen Britische Pfund gab die Organisation im letzten Jahr dafür aus. Das Geld stammt aus den Beiträgen der mittlerweile 3,7 Millionen Mitglieder, aus Spenden, Eintrittsgeldern sowie dem Betrieb von Cafés und Souvenirläden. Und aus dem Geschäft mit Ferienhäusern in ganz Großbritannien. Außerdem wird ein großer Teil der Arbeit von Freiwilligen bestritten, 60.000 Ehrenamtliche sind regelmäßig für den Trust im Einsatz.