Bier trinken, um das Kulturgut zu wahren?
Im Nebenraum köchelt Sud in modernen Bottichen, der Geruch ist streng, die Hitze ist es auch, doch wie das alles funktioniert, ist ein alter Hut. Hopfen und Malz sind auch verloren, als die Besuchergruppe durch Gär-, Lager- und Filterkeller gebracht wird. Die Apparate blitzen, Schalttafeln blinken, aber Stimmung kommt da nicht auf. Spannend wird es erst, als die Flaschenabfüllung erreicht ist und in rasantem Tempo Tausende von Glasflaschen auf den Förderbändern laufen, von Greifarmen hochgehoben und wieder abgesenkt werden, in Reinigungsmaschinen landen, befüllt, verbügelt, in Kästen verpackt werden. Da ist Tempo drin, manche Flasche hält die 3,5 Bar nicht aus und explodiert mit lautem Knall, klirrend kommt die Flaschenkette zum Stehen und läuft sausend wieder an. Dass es eine Aroma-und-Nikotin-Erkennungsmaschine gibt, die ein paar Millionen Euro kostet und merkt, wenn Zigaretten in einer Flasche ausgedrückt oder Terpentin eingefüllt wurden, macht die Runde staunen. Auch andere Informationen erweitern den Erkenntnisstand: dass eine Million Flaschen am Tag befüllt werden, das Bier durch 500 Kilometer Rohr fließt, bis es endlich am Ziel ist, für die Reinigung jeder Flasche 120 Liter Wasser drauf gehen, jeder Brauereimitarbeiter pro Tag zwei Liter Bier umsonst erhält. Vielleicht muss man das nicht wissen, aber schaden kann es auch nicht.
Nunmehr in gehobener Stimmung geht es in die Entalkoholisierungsanlage, wo man das Wort Fallstrom-Vakuumverdampfung lernt und mit ein bisschen Gespür für Physik auch dessen Bedeutung erkennt. Noch Transport-Tunnel und Sortierhalle, dann ist der theoretische Teil vorbei. Im "Blauen Salon" ist der Tisch gedeckt. Die Bierflaschen müssen alle Besucher zugleich öffnen. Die Führungsdame zählt bis drei, ein gigantisches Plop ertönt. Wer jetzt möchte, der kann sich im Plop-Shop mit Plop-Souvenirs eindecken.
Die Chancen, bald Bier trinken zu können und gleichzeitig das Kulturgut zu wahren, stehen übrigens gut. Der Präsident des federführenden Instituts, der bayerische Bundestagsabgeordnete Herbert Frankenhauser von der CSU, erklärte, mit dem Kulturerbe-Vorstoß auf einhellige Zustimmung getroffen zu sein. Es könne sich jetzt nur noch um Monate handeln, bis der Vorschlag Wirklichkeit werde.
Flensburger Brauerei, www.flens.de. Anmeldung zur Tour unter 0461 - 318 02 110, Mo – Fr 10, 14 und 18 Uhr, Dauer: drei Stunden, 11 Euro pro Person
Führungen für Rollstuhlfahrer nach Voranmeldung möglich
- Datum 18.10.2011 - 11:59 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Bestandteil welcher Ausbildung ist denn Kesselputzen?
"...für die Reinigung jeder Flasche 120 Liter Wasser drauf gehen..."
Die Flensburger Brauerei füllt geschätzt jedes Jahr 125 Mio Flaschen ab. Wenn für jede Flasche 120 Liter zur Reinigung gebraucht würden, wäre das ein Wasserverbrauch von 1,5 Mrd Liter pro Jahr nur für die Flaschenreinigung.
Bei solch einer Zahl würde der Herr Resch von der Umwelthilfe aber ganz schön weinen, da die Ökobilanz für seine geliebten Mehrwegflaschen überhaupt nicht mehr aufginge.
Im Rausch der Rettungsschirm-Phantastilliarden kann sich auch ein "Zeit"-Redakteur mal mit den Nullen vertun, aber glücklicherweise werden die Einwohner Flensburgs auch noch weiterhin über Haushaltswasser verfügen können, da die Reinigung einer Flasche in diesem Fall nur 0,12 Liter in Anspruch nimmt.
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