Reisen mit KindMit Babybett an Bord

Fliegen mit Kindern nervt? Nicht, wenn man sich vorbereitet. Das A bis Z für den Flug mit dem Nachwuchs gibt nützliche Tipps. Von Inka Schmeling von 

Ein Mädchen schaut aus dem Kabinenfenster

Ein Mädchen schaut aus dem Kabinenfenster  |  © time. / photocase.com

Als Erwachsener könnte man im Flieger glatt neidisch werden: Kinder bekommen bei vielen Airlines Geschenke, im ersten Lebensjahr sogar ein eigenes Bett und wenn man ihnen ein bisschen bei Druckausgleich, trockener Kabinenluft oder Zeitumstellung hilft, fliegen Kinder oft bequemer als Erwachsene in der ersten Klasse. Einige Ratschläge für einen angenehmen und sicheren Flug – von A  wie Alter bis Z wie Zeitumstellung:

Alter: Gesunde Babys dürfen ab dem achten Tag fliegen, sagt der Flugmediziner Torsten Pollmann. Er rät trotzdem dazu, ein Baby erst mit etwa drei Monaten ins Flugzeug mitzunehmen, weil Kinder und Eltern dann entspannter sind und wissen, dass das Baby auch wirklich gesund ist.

Anzeige

Bett: Bis kurz vor dem ersten Geburtstag können Kinder zum Schlafen in ein sogenanntes Bassinet gelegt werden. Die Bettchen können an die Trennwand zwischen Business und Economy Class gehängt werden und sind daher in der Anzahl sehr begrenzt. Es lohnt sich also, rechtzeitig bei der Airline ein Bett zu buchen.

Check-in: Den Kinderwagen oder Buggy können Eltern auch erst beim Einsteigen in den Flieger als sogenannten Gate-Check-in aufgeben. Das kann die langen Wege am Flughafen erleichtern. Den Gate-Check-in müssen Eltern nicht vorab anmelden, zur Sicherheit sollte man ihn aber beim Einchecken ankündigen. Bei der Sicherheitskontrolle wird der Buggy zusammengeklappt auf das Band gelegt.

Dehydration: Es stimmt, die Kabinenluft ist recht trocken und es ist gut, wenn Kinder fleißig trinken. Laut dem Flugmediziner Pollmann sollten sich Eltern darum aber nicht zu sehr sorgen: "Kinder brauchen in der Luft nicht mehr Flüssigkeit als am Boden auch."

Inka Schmeling
Inka Schmeling

Inka Schmeling schreibt als freie Journalistin in Hamburg. Ihr Buch Abenteuer Elternzeit. Ein Ratgeber über das Reisen mit Baby und Kleinkind ist bei Beltz erschienen. Auf ihrer Website Nepomuks Reisen (www.nepomuksreisen.de) können Eltern sich über ihre Reise-Erfahrungen austauschen und finden Tipps für den Urlaub.

Essen: Durch den niedrigeren atmosphärischen Druck in der Höhe dehnen sich die Gase im Darm aus. Torsten Pollmann sagt: "Geben Sie Ihrem Kind daher keine größeren Mengen an Essen als zu Hause; das beschert ihm bloß Bauchschmerzen." Sollten Kinder an Bord unter einem Blähbauch leiden, helfen ein paar Schritte den Gang auf und ab und reichlich Flüssigkeit – am besten stilles Wasser oder Fencheltee.

Flugzeugsitze: Nur die wenigsten Fluggesellschaften (etwa Virgin Atlantic Airways oder British Airways) stellen während des Fluges eine (begrenzte!) Zahl an Kindersitzen für Kinder ab sechs Monaten zur Verfügung. Die Lufthansa präsentierte zwar bereits 2008 den Aerokid, einen speziellen Flugzeugsitz für Unter-Zweijährige. Wann der jedoch in den Flugzeugen tatsächlich zum Einsatz kommt, ist bis heute unklar.

Die meisten Airlines (etwa Air Berlin, Lufthansa, KLM, Condor) erlauben immerhin, dass Kinder auf den Sitzen in ihrem eigenen Autositz angeschnallt werden können. Allerdings: Bei Weitem nicht alle Modelle funktionieren an Bord, da sie hier nicht mit dem klassischen Dreipunkt-Gurt im Auto, sondern nur mit einem Zweipunkt-Beckengurt gesichert werden können. Wer regelmäßig fliegt, sollte also beim Kauf des Autositzes darauf achten; doppeltaugliche Sitze sind durch das Siegel for use in aircrafts vom TÜV Rheinland ausgewiesen. Das sind beispielsweise diese Modelle (und ihre Nachfolgermodelle): Maxi Cosi Mico, Maxi Cosi Citi, Storchenmühle Maximum, Römer King Quickfix.

Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften hat eine Liste zusammengestellt, welche Autokindersitze auf welchen deutschen Airlines erlaubt sind.
Sehr praktisch, aber leider seit längerer Zeit nicht lieferbar, ist der Luftikid. Der aufblasbare Kindersitz, der sowohl im Auto als auch im Flieger Kinder zwischen neun Monaten und sieben Jahren sichert, wurde gemeinsam mit dem TÜV Rheinland entwickelt.

Bei einigen Airlines (etwa bei Ryanair) dürfen Eltern keinen Sitz für ihr Kind mit an Bord nehmen; Sitze müssen vor dem Flug aufgegeben werden.

Gurt: Bereits 1994 hat der TÜV Rheinland nachgewiesen, dass Kinder unter zwei Jahren mit einem eigenen Schlaufengurt auf dem Schoß ihrer Eltern nicht ausreichend gesichert sind. Das Problem: Bei einem Unfall wird der Erwachsene mit voller Wucht nach vorne geschleudert, schiebt das Kind auf seinem Schoß mit und klemmt es ein. Ab 1998 war der Loopbelt in Deutschland verboten, 2008 wurde er wieder eingeführt. Sicherer – nur leider auch deutlich teurer: Auch für Kinder unter zwei Jahren einen eigenen Sitzplatz buchen und das Kind in einem flugsicheren Autositz sichern.

Leserkommentare
  1. reisen, dass sind die eltern selbst. ununterbrochen führen
    sie irgendwelche selbstgespräche und blicken dabei
    von oben runter durch ihre kinder hindurch. komisches ritual.
    leider habe ich das als kind damals noch nicht durchschaut,
    sonst hätte ich vielleicht gesagt, sie sollen doch
    mal die schnauze halten, und mich einfach nur in den arm nehmen

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... sie scheinen keine Kinder zu haben, sonst wüssten Sie, dass Kinder im Flugzeug noch andere Bedürfnisse als "Kuscheln" haben :D Und bestimmte Sachen sind im Flugzeug eben nicht möglich und deswegen reden Eltern mit ihren Kindern, damit sie es unterlassen. Aber wieso muss man denn das erklären??

  2. 2. Aha...

    ... sie scheinen keine Kinder zu haben, sonst wüssten Sie, dass Kinder im Flugzeug noch andere Bedürfnisse als "Kuscheln" haben :D Und bestimmte Sachen sind im Flugzeug eben nicht möglich und deswegen reden Eltern mit ihren Kindern, damit sie es unterlassen. Aber wieso muss man denn das erklären??

  3. Ich finde es sehr gut, dass die Autorin ausführlich auf die Gefahren von Schlaufengurten hinweist. Warum diese wieder erlaubt wurden und warum manche Airlines keine Kindersitze zulassen – obwohl man dann ja einen Sitz buchen muss – ist mir ein Rätsel.

    Aber es ist wie so oft bei Produkten für Babys: Es werden Dinge angeboten, die man eigentlich verbieten müsste. Wir Eltern nehmen sie erfreut ob der günstigen und bequemen Lösung an, bis uns jemand sagt, dass wir damit unseren Kindern nachhaltig schaden können (siehe Bauchtragen, in denen Babys die Hüfte zerstört wird u.ä.).

    Wir haben bisher immer in den sauren Apfel gebissen und fast den vollen Flugpreis für unseren Sohn bezahlt (dann lieber seltener aber sicher fliegen). Dafür sitzt und schläft er in der Babyschale auch bei einem längeren Flug sehr bequem – und wir ebenso.

    Über die bereitgestellten Babybetten weiß ich allerdings zu wenig Bescheid: Sind die Kinder darin denn angeschnallt? Andernfalls würden die Säuglinge bei heftigen Turbulenzen ja wie Geschosse durch die Kabine fliegen.

    • Guido3
    • 20. Oktober 2011 21:30 Uhr

    Es ist meines Erachtens fahrlässig, hier einfach eine Altersgrenze von 8 Tagen für Babys auf Flugreisen zu publizieren. Wollen Sie verantwortlich sein, wenn Eltern sich nach dieser Information richten und die Babys dann Schäden beim Flug erleiden? Man sollte statt dessen empfehlen, das immer individuell mit dem Kinderarzt zu abzuklären. Beispielsweise haben ansonsten gesunde Frühgeborene auch noch Monate nach der Geburt statistisch signifikant erhöhte Risiken bei Flügen (Sauerstoffmangel). Deshalb raten Fachleute bei Frühgeboren mindestens in den ersten 6 Monaten nicht zu fliegen. Dazu steht aber rein gar nichts im Artikel.
    http://www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/2010/2010-09/2010-09-336.PDF

    Es kommt häufig vor, dass mehr Babys als Babybetten an Bord sind. Man sollte sich keinesfalls darauf verlassen, ein Babybett zu bekommen. Mal abgesehen davon, dass Babybetten auf vielen Kurz- und Mittelstrecken ohnehin nicht verfügbar sind. Da man für das Baby in der Regel keinen separaten Sitzplatz bucht, hat man es bei voll besetztem Flugzeug die ganze Zeit auf der Brust oder dem Schoß. Bei einem 10stündigem Langstreckenflug eine Tortur. Auch darauf sollte man vorbereitet sein.

    Man kann mit Babys und Kleinkinder verreisen. Das kann riesigen Spaß machen. Aber es braucht etwas mehr Planung und Sorgfalt, als aus diesem Artikel spricht. Wir sind mit unserem Kleinen mit 6 Monaten durch Marokko gefahren. Mit 13 Monaten durch Botswana und Südafrika.

  4. Wir sind schon mehrmals mit unserer Tochter Langstrecke geflogen - das erste Mal mit 3 Monaten, das letzte Mal mit knapp zwei Jahren.

    Die Babybetten (Bassinets) gibt es theoretisch zwar bis zu 1 Jahr (bzw einem Gewicht von 11kg) - uns wurden sie aber schon von der Stewardess verweigert, als das Kind nur 7 Monate alt war. Die Begruendung: das Kind koennte zu aktiv sein und rausfallen.

    Gerade bei groesseren Kindern ist es wichtig, dass sie vor dem Flug genug "A"

    Auch wenn man fuer die Kleinen unter zwei nichts bezahlt, kann man sich dennoch kostenfrei einen Sitz fuer sie reservieren lassen (vielleicht nicht bei einer Billigfluglinie). Entspannt Kind und Eltern, weil einfach mehr Platz ist. Ausserdem sehen die Fluglinien ohnehin zu, dass sie den Eltern mit Kind eine Sitzreihe zur Verfuegung stellen.

    Auch Essen fuer die Kleinen kann man vorbestellen - es gibt, je nach Alter, Glaeschen oder Kindermenu.

    Zudem sollte man bei groesseren Kindern (sobald sie krabbeln oder laufen koennen), vor dem Flug fuer ausreichend Bewegung sorgen - z.b. nicht einfach nur hinsetzen und auf's Boarding warten, sondern die Boarding gates erkunden, und das Kind auch mal laufen lassen.

    Die meisten Mitreisenden freuen sich ueber ein gutgelauntes Kind und entspannte Eltern - also auch genuegend Zeit und Geduld mitbringen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service