Wasserpumpen: "Jeder Pool kann gefährlich sein"
Die Wasserpumpen in Hotelpools können für Kinder lebensgefährlich sein. Ein Gespräch mit Olaf Seiche vom TÜV Rheinland über die Sicherheit von Hotelanlagen.
Drei Kinder (8, 11 und 13 Jahre alt) starben in den vergangenen Monaten, weil sie im Hotelpool von der Wasserpumpe angesaugt wurden, nicht mehr befreit werden konnten und ertranken. Nun fordert der Deutsche Reiseverband (DRV) als Dachverband der deutschen Reiseveranstalter und Reisebüros zusätzliche Sicherheitsstandards für den Betrieb von Swimmingpools. Ein Gespräch mit Olaf Seiche, Tourismus-Experte des TÜV Rheinland, der seit drei Jahren die Sicherheit von Hotelanlagen und -pools prüft.
ZEIT ONLINE: Herr Seiche, wie gefährlich sind Hotelpools für Kinder?
Olaf Seiche: Man kann nicht sagen: Jeder Pool ist gefährlich. Leider kann aber jeder Pool gefährlich sein. Das können Sie von außen nicht sehen. Ich habe mir den Pool auf Fuerteventura, in dem vor zwei Wochen ein achtjähriger Junge aus Hessen gestorben ist, nach dem Unglück angeschaut: Darin hätte ich mein Kind auch schwimmen lassen.

Inka Schmeling schreibt als freie Journalistin in Hamburg. Ihr Buch Abenteuer Elternzeit. Ein Ratgeber über das Reisen mit Baby und Kleinkind ist bei Beltz erschienen. Auf ihrer Website Nepomuks Reisen (www.nepomuksreisen.de) können Eltern sich über ihre Reise-Erfahrungen austauschen und finden Tipps für den Urlaub.
ZEIT ONLINE: Der Deutsche Reiseverband fordert nun erweiterte Sicherheitsstandards. Werden Pools dadurch wirklich sicherer?
Seiche: Wenn die bestehenden Sicherheitsstandards erfüllt werden, dann sind die Pools auch sicher. In Deutschland, wo dies der Fall ist, liegt der letzte Poolunfall mit einer Wasserpumpe zehn Jahre zurück.
ZEIT ONLINE: In diesem Jahr starben drei Kinder auf Fuerteventura, in Bulgarien und in der Türkei in den Pools von Hotels, die ihre Eltern über deutsche Reiseveranstalter gebucht hatten...
Seiche: Das Problem mit den Sicherheitsstandards liegt besonders im südlichen Europa in ihrer Anwendung. Wasserpumpen sind eigentlich eine völlig normale Technik in Schwimmbädern. Sie versorgen die Rutschen mit Wasser, stellen den Wasserkreislauf sicher oder pumpen bei Bedarf das Becken leer. Sie müssen jedoch genau auf die Größe des Beckens eingestellt werden: Ihr Sog muss stark genug sein, um das Becken zu versorgen – und schwach genug, um keine Gefahr zu sein. Außerdem müssen sie durch ein Gitter gesichert werden. Und sie sollten nicht eindimensional saugen; so kann ein Vakuum entstehen, wenn etwa ein Kind an die einzige Öffnung gerät.
ZEIT ONLINE: Wie können Eltern denn sicher gehen, dass diese Standards in ihrem Hotel auch wirklich eingehalten werden?
Seiche: Eltern können nicht den Pool prüfen, das sollte die Aufgabe des Reiseveranstalters sein. Schließlich ist es ja ein Vertrauensverhältnis, wenn eine Familie ihren Urlaub über einen bestimmten Veranstalter bucht. Da würde ich an dessen Stelle den Hotels in meinem Angebot klipp und klar sagen: Wenn du mit mir ins Gespräch kommen willst, musst du mir auch beweisen, dass du die gängigen Sicherheitsvorschriften erfüllst. Nicht nur bei den Pools. Als erster deutscher Reiseveranstalter macht das jetzt die TUI. Ab dem nächsten Katalog bekommen alle Hotels, die sich freiwillig vom TÜV Rheinland prüfen ließen und in denen die Sicherheitsstandards erfüllt wurden, eine Art Gütesiegel. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung: Dadurch wird positiver Druck auf den Markt ausgeübt.
ZEIT ONLINE: Was wären die nächsten Schritte?
Seiche: Ein Hotel ist ja meist bei vier, fünf verschiedenen Reiseveranstaltern im Programm. Meine Vision für die Zukunft ist, dass die Veranstalter miteinander reden und sich auf einen gemeinsamen Standard einigen, den sie dann auch durchsetzen. Ihre Hotels werden dann ein Mal von einer unabhängigen Kommission geprüft; dafür bekommen sie ein Siegel, das in allen Katalogen gilt. Insofern freue ich mich über die Initiative des Deutschen Reiseverbandes: Endlich setzen sich die Reiseveranstalter gemeinsam an einen Tisch und wollen sich auf gemeinsame Kriterien einigen. Aber wie werden diese überwacht? Solange das nicht geklärt ist, haben wir durch zusätzliche Sicherheitsstandards keine fünf Zentimeter gewonnen. Wichtiger als die Kriterien ist die Sicherstellung der Kriterien!
ZEIT ONLINE: Solange die meisten Reiseveranstalter ihre Hotels noch nicht prüfen: Was können Eltern tun, um ihre Kinder zu schützen?
Seiche: Steigen Sie am Anfang gemeinsam mit Ihrem Kind in den Pool. Suchen Sie zusammen nach den Löchern in der Wand, hinter denen die Pumpe arbeitet; die sind ja gut sichtbar. Spüren Sie selbst, wie stark dort der Sog ist oder halten Sie ein Handtuch davor. Wird es angesaugt? Und wenn ja: Wie stark? Wenn die Pumpe nicht durch ein Gitter gesichert ist und einen großen Sog hat, können Sie davon ausgehen, dass Ihr Handtuch weg ist... Besprechen Sie die Gefahr mit Ihrem Kind, es sollte Abstand zur Pumpe halten. Dann kann nichts passieren.







Dieser Ratschlag ist halsbrecherisch: "Besprechen Sie die Gefahr mit Ihrem Kind, es sollte Abstand zur Pumpe halten." Nein, so etwas funktioniert nicht. Jedenfalls nicht mit Kindern. In gewisser Weise fragt man sich allerdings, warum Leute überhaupt verreisen, um dann in einem Hotelpool zu schwimmen, der im Zweifel viel weniger bietet als das lokale Schwimmbad?
das ist wie bei der Warnung vor dem Rauchen...
Dieser Ratschlag ist halsbrecherisch: "Besprechen Sie die Gefahr mit Ihrem Kind, es sollte Abstand zur Pumpe halten." Nein, so etwas funktioniert nicht. Jedenfalls nicht mit Kindern.
Wenn Kinder Verbote nicht einhalten, dann liegt das meist daran, dass sie Verbote nicht als solche betrachten, sondern als Herausforderung und Mittel sich gegenüber den Eltern zu behaupten. Das passiert genau dann, wenn man das Verbot als Erziehungsmittel zu exzessiv einsetzt und/oder bei Verboten nicht konsequent genug ist. Die meisten Kinder haben nie gelernt zwischen einfachen Verboten im Alltag und Verboten zur Vermeidung von Gefahrensituationen zu unterscheiden. Anschaulich gesagt: für viele Kinder ist nicht ersichtlich, wo der Unterschied zwischen einer Gummibärchentüte und einer Poolpumpe ist. Viele Eltern benutzen oft immer das gleiche Vokabular: "Nein" und "nicht", und ersparen sich vor allem auch Erklärungen.
Aber selbst wenn Kinder, zwischen einem lapidaren Nein und einem wirklich ernsthaften Verbot unterscheiden können, gibt es dennoch keinen Grund zur Beruhigung. Kinder vergessen im Spiel meist die Regeln und Verbote. Das ist in meinen Augen die größte Gefahr.
das ist wie bei der Warnung vor dem Rauchen...
Dieser Ratschlag ist halsbrecherisch: "Besprechen Sie die Gefahr mit Ihrem Kind, es sollte Abstand zur Pumpe halten." Nein, so etwas funktioniert nicht. Jedenfalls nicht mit Kindern.
Wenn Kinder Verbote nicht einhalten, dann liegt das meist daran, dass sie Verbote nicht als solche betrachten, sondern als Herausforderung und Mittel sich gegenüber den Eltern zu behaupten. Das passiert genau dann, wenn man das Verbot als Erziehungsmittel zu exzessiv einsetzt und/oder bei Verboten nicht konsequent genug ist. Die meisten Kinder haben nie gelernt zwischen einfachen Verboten im Alltag und Verboten zur Vermeidung von Gefahrensituationen zu unterscheiden. Anschaulich gesagt: für viele Kinder ist nicht ersichtlich, wo der Unterschied zwischen einer Gummibärchentüte und einer Poolpumpe ist. Viele Eltern benutzen oft immer das gleiche Vokabular: "Nein" und "nicht", und ersparen sich vor allem auch Erklärungen.
Aber selbst wenn Kinder, zwischen einem lapidaren Nein und einem wirklich ernsthaften Verbot unterscheiden können, gibt es dennoch keinen Grund zur Beruhigung. Kinder vergessen im Spiel meist die Regeln und Verbote. Das ist in meinen Augen die größte Gefahr.
das ist wie bei der Warnung vor dem Rauchen...
Hier wäre wirklich mal der TÜV gefragt. Und zwar mit einer Positivliste um Fälschungen vorzubeugen.
Ich kann mich auch noch gut an ein Fünfsternehotel, das vom Luxus auch wirklich in diese Kategorie gehörte, in den 90ern in der Türkei erinnern, in dessen riesigem Pool mir der Wassersog am Grund verdächtig stark vorkam. Ich bin dort lieber nicht zweimal auf den Grund getaucht.
Dieser Ratschlag ist halsbrecherisch: "Besprechen Sie die Gefahr mit Ihrem Kind, es sollte Abstand zur Pumpe halten." Nein, so etwas funktioniert nicht. Jedenfalls nicht mit Kindern.
Wenn Kinder Verbote nicht einhalten, dann liegt das meist daran, dass sie Verbote nicht als solche betrachten, sondern als Herausforderung und Mittel sich gegenüber den Eltern zu behaupten. Das passiert genau dann, wenn man das Verbot als Erziehungsmittel zu exzessiv einsetzt und/oder bei Verboten nicht konsequent genug ist. Die meisten Kinder haben nie gelernt zwischen einfachen Verboten im Alltag und Verboten zur Vermeidung von Gefahrensituationen zu unterscheiden. Anschaulich gesagt: für viele Kinder ist nicht ersichtlich, wo der Unterschied zwischen einer Gummibärchentüte und einer Poolpumpe ist. Viele Eltern benutzen oft immer das gleiche Vokabular: "Nein" und "nicht", und ersparen sich vor allem auch Erklärungen.
Aber selbst wenn Kinder, zwischen einem lapidaren Nein und einem wirklich ernsthaften Verbot unterscheiden können, gibt es dennoch keinen Grund zur Beruhigung. Kinder vergessen im Spiel meist die Regeln und Verbote. Das ist in meinen Augen die größte Gefahr.
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