Outdoor-Kolumne Raus mit Euch!
In unserer neuen Serie "Querfeldein" geht es ums Wandern, Trekken, Campen und das Material dafür. Der Wissenschaftsjournalist Roland Knauer gibt Tipps für Outdoor-Fans und alle, die es werden wollen.
© PASCAL PAVANI/AFP/Getty Images

Ein Wanderer ist unterwegs in den französischen Pyrenäen.
trampen – so sehen meine liebsten Outdoor-Aktivitäten aus. Was aber heißt Outdoor eigentlich? Genau genommen gehört natürlich alles dazu, was man unter freiem Himmel in der Landschaft veranstalten kann: Segelfliegen genauso wie Sporttauchen, aber auch Rodeln, Angeln und Grillen finden ja draußen statt und sind daher "Outdoor".
Durch raschelndes Laub im mitteleuropäischen Wald wandern, in der Einsamkeit Skandinaviens vor der winterlichen Hütte Holz zum Feuern des Kanonenofens sägen, auf einem der großen Tracks durch den Spätfrühling der Südalpen in Neuseeland wandern oder, wie die Kiwis es nennen,
Da aber Skifahrer, Fallschirmspringer und viele andere eher selten von "Outdoor" reden, sondern ihren Sport fast immer beim Namen nennen, beschränke ich mich in dieser Kolumne erst einmal auf die Aktivitäten, die auf eigenen Beinen und aus eigener Kraft unter freiem Himmel stattfinden und die einen gewissen sportlichen Reiz ausüben. "Wandern" nannte man das früher. Um die Ausrüstung und Vorbereitung dazu soll es an dieser Stelle gehen. Und um Tipps für Routen und Reisen.
- Reviere in Mitteleuropa
-
Liegt ein Mittelgebirge in Reichweite, steht das erste Outdoor-Revier bereits fest. In Mitteleuropa gibt es dort fast überall Wanderwege, die für die ersten längeren Aktivitäten ideal sind.
Im Schwarzwald steht zum Beispiel die Wiege des deutschen Wanderwesens, dort wurde 1864 der erste Gebirgs- und Wanderverein des Landes gegründet. Diese alte Tradition lebt heute mit 24.000 Kilometern markierten Wanderwegen fort: http://www.wanderservice-schwarzwald.de/
- Sächsische Schweiz
Am anderen Ende der Republik wartet mit der Sächsischen Schweiz eine weitere Wiege des Wanderns mit ebenfalls sehr vielseitigen Touren, von denen einige bereits auf die Zeit der Romantik zurückgehen: http://www.saechsische-schweiz.de/wandern/
- Rügen
Ebenfalls aus der Romantik stammt die Wandertradition auf der Ostsee-Insel Rügen: http://www.ruegeninsel.de/wandern.html
- 66-Seenweg Berlin
Dazwischen liegt ja Berlin, das zu Recht so gar nicht mit Outdoor in Verbindung gebracht wird. Ganz anders sieht es im Umland aus. Da kann man nämlich auf dem mehr als 400 Kilometer langen 66-Seenweg einmal rund um die Bundeshauptstadt wandern und erlebt dabei fast alle Facetten des ostdeutschen Flachlandes von Laub- und Nadelwäldern, Bächen, Kanälen und Flüssen, Sumpfgebieten und Schlössern bis zu Äckern und Wiesen. Da Anfang und Ende der Tagesetappen mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können, bieten sich natürlich Tageswanderungen an: http://www.seenweg.de/
Das Equipment und die Planung machen einen der Unterschiede zu einem Spaziergang aus: Wer den Hund kurz zum Schnuppern und sonstigen Aktivitäten in den Park führt oder sich schnell mal die Beine vor dem Haus vertritt, verwendet dafür weder den Begriff "Outdoor" noch "Wandern". Auch bleiben Rucksack und Trekkingstiefel meist im Regal, wenn man nur 20 Minuten raus geht.
Umgekehrt gilt natürlich auch, dass man zu seinen Outdoor-Aktivitäten nicht einfach los latscht, sondern sich vorher ein paar Gedanken über den Ablauf und die nötige Ausrüstung macht. Wer länger als die eine Stunde draußen ist, nach der für viele der Spaziergang endet und die Wanderung oder das Outdoor-Abenteuer beginnt, braucht vielleicht andere Schuhe als beim Ausgehen mit dem Vierbeiner. Oder er macht sich Gedanken, wohin er denn genau laufen will, ob er unterwegs vielleicht Hunger und Durst bekommen könnte und falls ja, mit welchen Mitteln man beide abstellen könnte.

Roland Knauer, geboren 1957, ist promovierter Naturwissenschaftler. Seit 1989 arbeitet er als freier Journalist, Autor und Fotograf für Tageszeitungen und Magazine, sowie für Forschungsinstitutionen und öffentliche Verwaltungen. Gemeinsam mit Kerstin Viering schrieb er mehr als 20 Sachbücher ganz oder in wesentlichen Teilen. Als Wanderer erkundete er unter anderem die Pyrenäen, die Berge Korsikas, das griechische Pindos-Gebirge, Nationalparks in Norwegen und Schweden. Auch die Anden in Chile, Argentinien, Bolivien und Ecuador kennt Knauer.
Allerdings sollte sich der Outdoor-Anfänger anfangs vielleicht gar nicht so viele Gedanken über Planung und Ausrüstung machen. Denn bevor man sich im Winter ein paar Hundert Kilometer durch das Gebirge Skandinaviens schlägt oder zur Survival-Tour im tropischen Regenwald aufbricht, sollte man doch erst mal in der näheren Umgebung die eigenen Outdoor-Qualitäten testen. Wie so viele Dinge im Leben fängt nämlich auch die Outdoor-Karriere meist klein an.
Anfangs läuft man vielleicht erst mal 70 Minuten durch den Buchenwald um die Ecke oder über die Felder am Stadtrand, um das Niveau des Spaziergängers abzustreifen. Verpflegung und Getränk können dann meist zu Hause bleiben, wichtiger sind gute Schuhe und passende Kleidung. Macht das Ganze auch beim dritten und vierten Mal Spaß, steigert man sich langsam. Die richtige Planung kommt dann ganz von selbst: Wohin möchte ich laufen, wie finde ich meinen Weg, was sollte ich mitnehmen.
Bei mir fing es zum Beispiel mit kurzen Strecken im heimischen Mittelgebirge an. Später ging es in die Alpen, zunächst noch Tagestouren, bald auch übers Wochenende. Und dann stand ich irgendwann im Süden Chiles im Nationalpark Torres del Paine, gut zwanzig Kilogramm Rucksackgewicht auf Schultern und Hüften verteilt und vor mir eine Woche Hochgebirge, kristallklare Seen, Urwälder und Steppen, Gletscher, aber praktisch keine Spur der modernen Zivilisation. Vom Schlafen im Zelt bis zum Kochen auf der Glut des Lagerfeuers, weil der nagelneue Benzinkocher gleich am ersten Tag den Geist aufgegeben hat, plötzlich war ich in der Wildnis und Einsamkeit zu Hause.
Viele Outdoor-Karrieren beginnen wie meine: Bei der ersten Mehrtagestour übernachtet man meist noch in festen Unterkünften. Und sei es nur, weil es in Mitteleuropa nur bedingt Gelegenheiten gibt, in der Wildnis zu schlafen und Parkwächter und Gärtner es nicht gerne sehen, wenn jemand sein Zelt im Stadtpark oder im Stadtwald aufschlägt. Die meisten erleben ihre erste echte Nacht in der Wildnis daher außerhalb des eigenen Landes und schlagen ihr Zelt zum Beispiel in Skandinavien, den Pyrenäen oder in den Gebirgen auf dem italienischen Stiefel auf.
- Peakfinder
"Wenn man wissen will, wie ein Berg heißt, fragt man am besten einen Touristen", heißt es in Südtirol. Das mag auch an Apps wie Peakfinder liegen. Peakfinder zeigt einem die Namen sämtlicher Gipfel in Sichtweite an. Es gibt die App für iPhone, Android and Nokia.
- Vogelstimmen-Trainer
Wer piept denn da? Mit der Schnellbestimmung des Vogelstimmen-Trainers ist man Heckenbraunelle oder Zilpzalp auf der Spur. Bisher nur für iPhone (und iPad).
- Star Walk
Eine App, mit der man nicht nur Orientierung am Sternenhimmel hat und Sternschnuppen von Satelliten unterscheiden lernt, sondern auch seine Begleitung beeindrucken kann: "Siehst du, wie das Haar der Berenike sanft leuchtet?" BIsher nur für iPhone.
Dabei stellen viele verblüfft fest, dass die Vorbereitung länger dauert als die Tour selbst. Und genau bei dieser Vorbereitung möchte diese Kolumne in den nächsten Wochen ein wenig helfen. Bis dann also – und vielleicht treffen wir uns ganz zufällig mal im Buchenwald nebenan. Denn genau dort beginnt die Eroberung der Outdoor-Welt.
In der nächsten Folge (erscheint am 03. November) gibt Roland Knauer Tipps für die Wahl der Schuhe.
- Datum 27.10.2011 - 15:55 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Serie Querfeldein
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Freue mich drauf!
"Durch raschelndes Laub im mitteleuropäischen Wald wandern, in der Einsamkeit Skandinaviens vor der winterlichen Hütte Holz zum Feuern des Kanonenofens sägen, auf einem der großen Tracks durch den Spätfrühling der Südalpen in Neuseeland wandern oder, wie die Kiwis es nennen, trampen – so sehen meine liebsten Outdoor-Aktivitäten aus."
Ist es nicht schön, dass wir heute derartige outdoor-Aktivitäten auch indoor ausleben können? So bietet heute jedes Rollenspiel
"Durch raschelndes Laub im mitteleuropäischen Wald wandern, in der Einsamkeit Skandinaviens vor der winterlichen Hütte Holz zum Feuern des Kanonenofens sägen, auf einem der großen Tracks durch den Spätfrühling der Südalpen in Neuseeland wandern oder, wie die Kiwis es nennen, trampen – so sehen meine liebsten Outdoor-Aktivitäten aus."
Hinzu gesellen sich allerdings als zusätzlich bereichernde Momente: Trolls, Dunkelelfen, Wölfe, Alchimisten, Rätsel, Zaubertrankingredienzien und was des modernen Wanderers Herz mehr begehrt.
Wird interessant zu sein, weiterzulesen. Mir faellt jedoch immer wieder auf, wenn es um Reise- oder Wanderbeschreibungen geht, dass ein gar nicht so fernes Land komplett ausgelassen wird. Das liegt vermutlich daran, dass sich ueberhaupt niemand vorstellen kann, dass man dort wandern kann. Bei England denkt jeder nur an London ergo Stadt und Sightseeing. Nur sehr wenige wissen vermutlich von der Schönheit Cornwalls, Devons oder Somersets. Dabei kann man das nur empfehlen:
http://youtu.be/SFLTz7s69FE oder: http://dereiseblogger.blo...
Das mal als eine kleine Anregung, denn oftmals liegen ja die schoenen Dinge naeher als man denkt.
Gruesse
Langsam rantasten, schöne Einleitung:-))
.
Und dann treff ich auf dem Kungsleden oder im Fjaell die "Studiosus" Reisegruppe mit "all inklusiv" und Trägen:-(
.
"Outdoor" wie Abfahrtsski in den Alpen?
.
Schuhe, Ausrüstung... kann man alles kaufen, aber wie werden unsere "Großstadthelden" es aushalten sich mal 5 Tage nicht zu waschen, 2 Wochen in den gleichen "Klamotten" rum zu laufen, wenn das DEO versagt:-)
.
20Kg Gepäck ist wenn man das Futter für eine Woche abrechnet, ca. 10Kg für Zelt,Schlafsack, Matte, Kocher,... abrechnen muss ganz schön wenig:-) Da bleibt nicht viel für Kultur die wir alle so gewöhnt sind :-)
.
Ich bezweifele das solch eine Kolummne den Lesern viel bringt.
.
Ich kann über Radfahren schreiben, bekomm aber auch nicht rüber, wie sich ein "Hinterteil" nach 120km mit 20Kg Gepäck bei 30Grad im Schatten anfühlt, wie die Oberschenkel nach 20km Steigung brennen.....
.
Einem "Vollkasko-Mitteleuropäer" schriftliche Tips zum "Outdoor" zu geben:-(( Hoffetlich geht das gut :-)
.
Bin ja mal gespannt!
.
Gruss
Sikasuu
.
Ps. Es ist faszinierend bei -30Grad aus der Rauchsauna zu kommen und im Schnee zu spielen. In der Gegend das ganze Jahr zu leben ist etwas anders. Aber vermarkten lässt sich so etwas schon :-((
Sie leben offensichtlich in dem Glauben, der einzige Zeit-Online-Leser zu sein, der sich in seinem Leben schon mal sportlich, und das auch noch draussen (hui !!!) bewegt hat.
Interessanter Ansatz....wirklich.
Sie leben offensichtlich in dem Glauben, der einzige Zeit-Online-Leser zu sein, der sich in seinem Leben schon mal sportlich, und das auch noch draussen (hui !!!) bewegt hat.
Interessanter Ansatz....wirklich.
Sie leben offensichtlich in dem Glauben, der einzige Zeit-Online-Leser zu sein, der sich in seinem Leben schon mal sportlich, und das auch noch draussen (hui !!!) bewegt hat.
Interessanter Ansatz....wirklich.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren