Wussten Sie, dass...Kraniche auf der Durchreise

Für unsere neue Serie schreiben Reiseführer-Autoren über besondere Orte. Wussten Sie, dass im Herbst Kraniche auf der Halbinsel Zingst einen Zwischenstopp einlegen? von Sabine Becht und Sven Talaron

Ornithologen beobachten in der Nähe der Ortschaft Zingst an der Ostsee das Einfliegen von Kranichen in ihre Schlafreviere.

Ornithologen beobachten in der Nähe der Ortschaft Zingst an der Ostsee das Einfliegen von Kranichen in ihre Schlafreviere.   |  © Jens Büttner/dpa

Alle Jahre wieder im Spätsommer kommen sie in Scharen an, und ihre Ankunft im nordöstlichsten Bundesland ist mittlerweile sogar der Tagesschau einen Bericht wert: Die Ankunft der Kraniche ist eine der größten und imposantesten Naturattraktionen Norddeutschlands.

Ihr eleganter Balztanz hat sie berühmt gemacht, aber auch das lautstarke Trompeten, mit dem sie sich bei Einbruch der Dämmerung an ihren Schlafplätzen in der "Rügen-Bock-Region", dem größten mitteleuropäischen Rastplatz für Kraniche, einfinden. Bis zu 40.000 Graue Kraniche (Grus grus), so die Schätzungen des 1996 gegründeten Kranich-Informationszentrums in Groß Mohrdorf, treffen sich alljährlich im Herbst zur gemeinsamen Rast. Sie sammeln sich an den der Küste vorgelagerten Inseln Großer Werder, Kleine Werder, Bock und etwas weiter westlich der Kirr (bei Zingst) sowie an der Udarser Wiek nördlich der Halbinsel Ummanz (Rügen). Von hier aus machen sie sich auf den Weg nach Süden.

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Die Kraniche überwintern in der spanischen Extremadura, im südspanischen Andalusien sowie in der zentralspanischen Laguna de Gallocanta. Infolge der milder werdenden Winter auch zunehmend nördlich der Pyrenäen in Südwestfrankreich. Den Sommer verbringen sie in Süd- und Mittelschweden. Die Boddenregion zwischen Rügen und Zingst dient also nur als – vor allem im Herbst oft über Wochen besetzte – Zwischenstation, um sich für die weite Reise zu stärken. Geflogen wird im Verband und in der charakteristischen V-Formation.

Sabine Becht und Sven Talaron

© Michael Müller Verlag

Sabine Becht, geboren 1970, studierte Amerikanische Literaturwissenschaft und Kommunikationswissenschaft. Seit 1995 ist sie für den Michael Müller Verlag tätig, zunächst neben dem Studium durch Griechenland-Recherchearbeiten, seit 1997 als Autorin: hauptsächlich für Italien, seit einigen Jahren auch für Mecklenburg-Vorpommern.

© Michael Müller Verlag

Sven Talaron, geboren 1969, studierte Geschichte, Germanistik und Nordische Philologie. Seit 2001 für den Michael Müller Verlag tätig, seit 2003 auch als Autor. Bevorzugte Reiseziele: Mecklenburg-Vorpommern und Italien (hier vor allem die Abruzzen). Lieblingsinseln: Hiddensee und Ithaka.
 

Bei ihren Langstreckenflügen nutzen die Kraniche die Thermik und können, bei Rückenwind, mit nur wenigen Flügelschlägen eine Geschwindigkeit von über 80 km/h erreichen. Distanzen von mehreren hundert Kilometern am Tag sind durchaus möglich.

Doch dazwischen ruhen sie sich eben in Nordostdeutschland aus, bevorzugt in den weiten Flachwasserbereichen östlich von Zingst (im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft), aber auch in den Sumpfgebieten des südlich im Landesinneren gelegenen Müritz-Nationalparks.

Etwa 70.000 Kraniche befinden sich alljährlich auf der Durchreise; an die 6.000 Paare bleiben ganzjährig in Deutschland und von ihnen wiederum die Hälfte in Mecklenburg-Vorpommern. Sie brüten im flachen Wasser auf dem Boden, meist im Schutz eines Baumes, in einem großen, aus aufeinander geschichteten Pflanzenstängeln bestehenden Nest, in dem in der Regel zwei bräunlich-graue Eier liegen. Nach gut vier Wochen Brutzeit schlüpfen die Küken mit rotbraunem Daunenkleid, die dann maximal bis zum nächsten Frühjahr bei ihren Eltern leben. Das Brutpaar selbst bleibt oft ein Leben lang zusammen.

Ein ausgewachsener Kranich bringt es auf eine Standhöhe bis 1,30 m bei einem Gewicht von sechs bis sieben Kilogramm und einer Flügelspannweite von bis zu 2,20 m. Damit ist er der größte Vogel Deutschlands. Sein Federkleid ist grau mit schwarzem Oberkopf samt roter Mütze und seitlichen weißen Streifen, die Schwungfedern bilden eine schwarze Schleppe. Jungvögel sind durch ihren bräunlichen Kopf zu erkennen.

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