Outdoor-BekleidungDer muffige Duft des Abenteuers

In dieser Folge seiner Kolumne "Querfeldein" erklärt Roland Knauer, warum Outdoor-Kleidung oft müffelt. Und warum die Wahl der Kleidung nicht immer das Wichtigste ist. von 

Es gibt kein schlechtes Wetter – oder?

Es gibt kein schlechtes Wetter – oder?  |  © particula / photocase.com

Draußen unterwegs zu sein ist fantastisch. Fantastisch anstrengend. Man freut sich auf eine gemütliche Hütte am Abend, in der man die Füße unter dem Tisch ausstreckt und später im Lager in den Tiefschlaf sinkt. Für mich hält sich der Genuss solcher Hüttenabende aber häufig in Grenzen, weil ich eine empfindliche Nase habe. Und die kommt mit dem dumpfen, schweren Geruch nicht zurecht, der häufig über dem Lager hängt. Das liegt an den vielen Füßen. Vor allem denen der Männer.

Auf der Fußfläche gibt es besonders viele Schweißdrüsen, die einen Feuchtigkeitsfilm erzeugen, mit dessen Hilfe die Bodenhaftung deutlich verbessert wird. Nur laufen heutzutage nur noch wenige Menschen den ganzen Tag barfuß. Der Fuß aber schwitzt munter weiter und in dicht schließenden Schuhen entsteht eine Art Sauna, in der die natürlich vorkommenden Bakterien den Schweiß verdauen. Dabei verzehren sie auch Abbauprodukte des männlichen Sexualhormons Testosteron, die in höherer Konzentration schlicht stinken. Und da Männer mit dem Schweiß etwa sechs Mal mehr Testosteron absondern als Frauen, haben sie eben auch viel häufiger Stinkefüße.

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Das Problem tritt wegen der kühlenden Luft beim Barfußlaufen kaum auf. Wer seine Füße liebt, wird angesichts spitzer Steine im Gebirge dennoch nicht auf Schuhe verzichten wollen. Zumal diese meist nicht die Ursache sind. Der Geruch bildet sich in den Socken. Baumwollsocken zum Beispiel saugen sich mit Dampf voll und leiten ihn so kaum zum Schuh weiter, durch dessen Leder oder Goretex-Membran das Wasser entweichen könnte. Ein Fuß in Baumwoll-Socken fühlt sich deswegen nicht nur schneller feucht an, sondern verursacht durch die Nässe auch leichter Blasen.

Nun gibt es längst Synthetik-Socken. Diese leiten aber nur den Dampf weiter, nicht den Geruch. Schwitzende Füße und Kunststoff-Socken führen dazu, dass man riecht wie ein Elch. Mischgewebe aus Wolle und Synthetikfaser schmälern den Effekt: Je mehr Wolle umso weniger Elch. Mehr Wolle bedeutet aber auch mehr Feuchtigkeit am Fuß. Am Ende muss jeder selbst über die passende Materialmischung für seine Socken entscheiden. Das Waschen der Füße hilft natürlich auch.

Wolle hat angenehme Trageeigenschaften

Das Schwitzen ist ein Kriterium, das man beim Kauf seiner Outdoor-Ausrüstung bedenken sollte. Der Schweiß soll möglichst nah an der Haut verdunsten, um die arbeitenden Muskeln zu kühlen. Der so entstehende Dunst muss dann natürlich irgendwo hin. Kunstfaser-Unterwäsche leitet ihn – ähnlich wie entsprechende Socken – nach außen, aber riecht schnell. Die Alternative heißt Wolle, die sich mit Feuchtigkeit vollsaugt, dabei trotzdem angenehm auf der Haut liegt und den Dampf langsam nach außen weitergibt.

Damit sind auch die weiteren Bekleidungsschichten klar: Sie müssen ebenfalls mit aufsteigender Feuchtigkeit fertig werden und sollten daher aus ähnlichen Materialien bestehen. Zwischen den einzelnen Klamottenschichten liegt dann ein dünnes Luftpolster, das gut warm hält. Was oft gar nicht nötig ist, weil viele Menschen schon angenehm warm angezogen loslaufen. Wenn der Körper dann nach zehn Minuten gehen seine Betriebstemperatur erreicht, liefert er deutlich mehr Wärme als zu Hause am Esstisch. Das Zwiebelprinzip, bei dem mehrere Schichten übereinander getragen werden, die man dann nach und nach wieder ablegen kann, macht also Sinn.

Roland Knauer
Roland Knauer

Roland Knauer, geboren 1957, ist promovierter Naturwissenschaftler. Seit 1989 arbeitet er als freier Journalist, Autor und Fotograf für Tageszeitungen und Magazine, sowie für Forschungsinstitutionen und öffentliche Verwaltungen. Gemeinsam mit Kerstin Viering schrieb er mehr als 20 Sachbücher ganz oder in wesentlichen Teilen. Als Wanderer erkundete er unter anderem die Pyrenäen, die Berge Korsikas, das griechische Pindos-Gebirge, Nationalparks in Norwegen und Schweden. Auch die Anden in Chile, Argentinien, Bolivien und Ecuador kennt Knauer.

Erfahrene Outdoor-Aktivisten machen sich lieber leicht fröstelnd auf den Weg. Nach zehn Minuten liefert der Organismus ausreichend Wärme und man spart sich das Ausziehen. Faustregeln für die Zahl der Schichten gibt es nicht. Jeder Mensch beginnt bei anderen Temperaturen zu frieren. Unter meinen Vorfahren muss zum Beispiel ein Eisbär gewesen sein – ich laufe oft im Baumwollhemd durch die Gegend, wenn meine Begleiter längst drei wärmende Schichten übereinander tragen. Für mich ist das ein Riesenvorteil, weil die Baumwolle sich zwar mit Wasser vollsaugt, aber die Körperwärme die Feuchtigkeit rasch wieder verdampft, wenn keine weitere Lage das verhindert. Letztlich muss jeder selbst die richtige Outdoor-Bekleidung für sich finden. Spezialisten wie die Verkäufer bei Globetrotter oder lokalen Outdoor-Ausstattern unterstützen dabei meist kompetent.

Von den richtigen Socken einmal abgesehen gibt es jedoch kaum Basics, die für die Grundausstattung notwendig wären. Das ist drinnen nicht anders als draußen: abhängig von den eigenen Bedürfnissen und dem, was man gerade tut. Ich selbst habe übrigens schon vor mehr als zwanzig Jahren anstrengende Touren unter äußerst widrigen Bedingungen ganz ohne Synthetik und Hightech-Klamotten hervorragend überstanden.

Am Ende noch eine banale Erkenntnis: Wind kühlt aus und Regen macht nass. Dagegen helfen "Softshells". Das sind windabweisende oder winddichte und gleichzeitig wasserabweisende Jacken und Hosen. Sie lassen einerseits den Dampf raus, halten aber den Wind draußen und damit die Wärme drinnen. Und weil sie auch noch Tropfen abweisen, halten sie bei Schneefall ziemlich trocken und widerstehen auch Regenschauern recht gut. Erst bei prasselndem Regen muss man zu einer echten Regenjacke greifen, in der es jedoch schnell warm wird, weil sie Wasser schlecht ableitet. In wärmeren Gegenden taugt sie deswegen höchstens als Schutz für die Pause – wenn es kein Dach zum Unterstellen gibt und man sich in einem Wolkenbruch befindet.
 

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Leserkommentare
  1. Problem bei der Funktionskleidung ist, dass sie auch durch normales Waschen nicht richtig frisch wird und sich der oben beschriebene Effekt verstärkt.
    Ich habe es bei meinen Sportsachen erlebt, dass sie irgendwann nicht mehr frisch rochen, obwohl sie gerade aus der Maschine kamen.
    Im Handel habe ich dann ein Waschmittelzusatz extra für Funktionskleidung entdeckt. Seitdem riechen die Klamotten wieder angenehm frisch und fangen nicht so schnell an zu müffeln.

    Neuester Trend ist ja Unterwäsche mit Silber(jodid)-Fäden, die die Geruchsbildung unterdrücken sollen.
    Ich wüsste gerne, ob der Author Erfahrung mit diesen Stoffen gemacht hat.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ja, das würde mich auch mal interessieren. Ich habe Socken fürs Snowboardfahren mit dieser Technologie, und mein Eindruck ist schon, dass die Füsse dadurch weniger stinken.

    Ganz grossartig finde ich übrigens Kleidung (ich habe ein T-Shirt) aus Merino-Schafswolle (z.B. von Icebreaker). Die kann man mehrere Tage tragen und durchschwitzen und es riecht wirklich nicht.

    Leider nein, Erfahrungen mit Silber in diversen Kleidungsteilen habe ich bisher keine. Das liegt wohl daran, dass mit Silber ja nicht das Geruchsproblem direkt angegangen wird, sondern die Bakterien getötet werden, die den Geruch letztendlich verursachen. Solche Mittel/Methoden sollte man daher ähnlich zurückhaltend verwenden wie Antibiotika, auf die ich auch nach Möglichkeit verzichte. Um Missverständnissen vorzubeugen: Mir geht es da nicht um Tierliebe/Mikroorganismen-Schutz, sondern um das Vermeiden möglicher Nebenwirkungen.

  2. zwischen Wolle, Baumwolle und syntetichen Fasern sollte man besser unterscheiden! Baumwolle ist dabei die schlechteste Wahl. Entweder Wolle, die viel Wasser aufsaugt und bis zu einem relativ hohen Sätigungsgrad sich auch nicht unangnehm anfühlt, oder Syntetisch, das fast kein Wasser aufsaugt dfür aber schnell riecht und irgendwo muß das Wasser ja hin.

    Im übrigen kann man auch wunderbar auf steinigen Wegen barfuß gehen.

  3. Ja, das würde mich auch mal interessieren. Ich habe Socken fürs Snowboardfahren mit dieser Technologie, und mein Eindruck ist schon, dass die Füsse dadurch weniger stinken.

    Ganz grossartig finde ich übrigens Kleidung (ich habe ein T-Shirt) aus Merino-Schafswolle (z.B. von Icebreaker). Die kann man mehrere Tage tragen und durchschwitzen und es riecht wirklich nicht.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Wohl war"
  4. Wolle und Seide sind Eiweißfasern, diese sind nicht inaktiv, sondern bauen aktiv Verschmutzungen ab, also Absonderungen des Körpers werden regelrecht deaktiviert und so das "Gammeln" unterbunden. Im Gegensatz zu inaktiven Fasern wie Zellulosefasern, also Baumwolle, Viskose etc., die ein schönes Gammelklima schaffen.

    • brody
    • 10. November 2011 12:19 Uhr

    meine mir Augen öffnende Erfahrung machte ich als Radl Kurier, als ich in den 90ern durch Zufall im Wühltisch ein Radtrikot im alten Stil fand. Angora Wollgewebe mit geflocktem Aufdruck.
    Nichts hat besser Temperaturunterschiede und Wetter abgefangen als dieses Wolltrikot.
    Doch wie bei Wolle und synthetik Membrangewebe ist der ganze Effekt für die Katz, wenn, wie im Artikel schön bschrieben, Baumwolle getragen wird.
    Seide unten und Wolle drüber ist die unschlagbare Kombi!

  5. Also erstmal danke fuer den Artikel!

    Zitat:"Erfahrene Outdoor-Aktivisten machen sich lieber leicht fröstelnd auf den Weg. Nach zehn Minuten liefert der Organismus ausreichend Wärme und man spart sich das Ausziehen."

    Erfahrene Outdoor-Aktivisten??
    Stiefmuetterchen im Garten umtopfen oder was?

    Mit wenig loslaufen um spaeter nicht mehr Kleidung mitzufuehren als man am Koerper hat kann eine gute Idee sein. Aber oft MUSS mehr mitgenommen werden! Zur Sicherheit! Auch in Zwangspausen (z.B Baenderriss oder simplere Situationen) muss eine uebermaessige Waermeabgabe des Koerpers verhindert werden!
    Also vorsicht mit solchen Empfehlungen!

    Zu Kommentar#3:

    Ich habe mir auch so ein Icebreakershirt gekauft, ich bin damit nicht zufrieden. Es richt schon nach wenigen Stunden beim Wandern waermer als ein Baumwoll-T-shirt ist es auch nicht.
    Positiv finde ich, dass man die Strahlung der Sonne mit diesem Shirt gut absorbieren kann, dass ist angenehm. Doch auch andere schwarze Shirts koennen das.
    Ich rate davon ab!

    Sehr gute Erfahrung habe ich mit Produkten aus Alpakawolle gemacht, braucht kaum gewaschen zu werden, ist warm und weich. Keine Probleme mit Wasserdampfueberschuss.

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    Leicht fröstelnd los laufen ist sinnvoll - es wird tatsächlich nach ca. 10 Min warm wenn man wandert, dauerläuft oder Rad fährt.

    Das heißt aber nicht, dass man nicht für den Fall eines Wetterumschwungs o.ä. weitere Kleidung im Rucksack mitführen sollte. Das muss selbstverständlich gemacht werden.

  6. Leicht fröstelnd los laufen ist sinnvoll - es wird tatsächlich nach ca. 10 Min warm wenn man wandert, dauerläuft oder Rad fährt.

    Das heißt aber nicht, dass man nicht für den Fall eines Wetterumschwungs o.ä. weitere Kleidung im Rucksack mitführen sollte. Das muss selbstverständlich gemacht werden.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Noch eine kleine Ergänzung vom Autoren: Gemeint waren mit dem "leicht fröstelnd loslaufen" nur die Klamotten, die man am Körper trägt. Dass für einen Wetterumschwung oder Ähnliches natürlich Sicherheitsreserven, Wechselklamotten und so weiter im Gepäck/Rucksack sein müssen, hätte ich vielleicht noch explizit erwähnen sollen.

  7. Leider nein, Erfahrungen mit Silber in diversen Kleidungsteilen habe ich bisher keine. Das liegt wohl daran, dass mit Silber ja nicht das Geruchsproblem direkt angegangen wird, sondern die Bakterien getötet werden, die den Geruch letztendlich verursachen. Solche Mittel/Methoden sollte man daher ähnlich zurückhaltend verwenden wie Antibiotika, auf die ich auch nach Möglichkeit verzichte. Um Missverständnissen vorzubeugen: Mir geht es da nicht um Tierliebe/Mikroorganismen-Schutz, sondern um das Vermeiden möglicher Nebenwirkungen.

    Antwort auf "Wohl war"
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    • drb
    • 27. November 2011 11:32 Uhr

    Das Silber in entsprechenden Bekleidungsstücken ist in feinen Fäden verwebt, dies dient der Oberflächenvergrößerung. Im Regelfall handelt es sich um elementares Silber, dass aufgrund der großen Oberfläche in geringer Menge Silberionen abgibt, die als Oxidationsmittel wirken. Diese bakteriozide Eigenschaft darf auf keinen Fall mit Antibiotika oder Chemotherapeutika verwechselt werden. Es gibt keine Resistenzbildungen oder Nebenwirkungen.

    Aber dies sollte man eigentlich als promovierter Naturwissenschaftler wissen bzw. sich schnell herleiten können.

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  • Serie Querfeldein
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Duft | Testosteron | Wanderurlaub
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