Wussten Sie, dass… Der wahre König von Mallorca

Mallorca ist der Deutschen liebste Ferieninsel: Wussten Sie, dass ein exzentrischer Österreicher Ende des 19. Jahrhunderts das touristische Interesse auf Mallorca lenkte?

Blick über Valldemosa

Blick über Valldemosa

Er war schon seltsam, der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator (1847–1915): Adliger, Forscher, Schriftsteller, Umweltschützer und Tierfreund, nicht zuletzt Exzentriker. Bis heute ist der im Florentiner Palazzo Pitti geborene Sohn des Großherzogs Leopold II. für die Mallorquiner schlicht "S´Arxiduc" geblieben, der Erzherzog. Und immer noch wird der blaublütige Sonderling auf der Insel sehr verehrt, tragen viele Straßen und Plätze seinen Namen.

Im Sommer 1867 war der junge, kaum zwanzigjährige Salvator erstmals nach Mallorca gekommen und hatte sich inkognito als "Graf Luis de Neudorf" in Palma eingemietet. Es muss der Beginn einer lebenslangen Liebe gewesen sein. Denn wenige Jahre später kehrte er zurück und lebte fortan, unterbrochen nur von seinen Forschungsreisen, rund vier Jahrzehnte auf der Insel.

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Thomas Schröder
Thomas Schröder

Thomas Schröder, geboren 1960 in Nürnberg, studierte Touristik in München. Seit 1989 arbeitet er als Reisejournalist, seit 1991 veröffentlicht er Reiseführer, unter anderem über Spanien, Sizilien und die griechischen Inseln.

Salvators Interessen galten schon seit seiner Jugend den Naturwissenschaften, der Geographie und der Schriftstellerei. Mit 21 Jahren veröffentlichte er das erste von insgesamt über siebzig Werken zu unterschiedlichen Themen. Mallorca jedoch entwickelte sich zu seiner besonderen Leidenschaft. Binnen Kurzem hatte er Mallorquinisch gelernt – nur eine von vierzehn Sprachen, die er beherrscht haben soll. Mit Notizheft und Skizzenblock wanderte der Erzherzog über die Insel, zeichnete hier eine seltene Pflanze, befragte dort Köhler und Schafhirten nach ihrer Arbeit.

Seine wichtigste Veröffentlichung ist die siebenbändige Schrift Die Balearen in Wort und Bild, das heute noch als Standardwerk gilt. Auf zwei Bände gekürzt, wurde es auf der Pariser Weltausstellung 1899 mit einer Goldmedaille prämiert; eine Auszeichnung, die als Nebeneffekt auch die touristische Neugier auf Mallorca weckte. Legendär ist die Liebe Salvators zur Natur, die ihn als einen frühen Umweltschützer ausweist: Kein Ast durfte auf seinen Besitzungen abgehackt werden, es herrschte Jagdverbot. Er ließ viele Aussichtswege anlegen, achtete jedoch immer darauf, dass sie sich in die Landschaft einfügten. Besonders wichtig waren dem Erzherzog die knorrigen Ölbäume. Wie es heißt, kaufte er so manches Grundstück nur, um die jahrhundertealten Bäume vor dem Abholzen zu bewahren.

Ludwig Salvator

Ludwig Salvator

So sensibel Salvator mit der Natur umging, so schroff konnte er sich anderen gegenüber geben. Und "die anderen" waren für ihn, der meist mit einer abgewetzten Reisetasche unterwegs war und oft alte Kleidung trug, alle, die auf Rang und Etikette achteten. Das Leben am Hofe in Wien, Eitelkeit und Prunk waren dem Erzherzog fremd. Verständnis fand er in seinen Kreisen nur bei der Kaiserin Elisabeth ("Sissi"), die ihn auf Mallorca besuchte und – siehe ihre Treffen auf der Roseninsel mit Cousin II. – ein Herz für Exzentriker besaß.

Erschienen im Michael Müller Verlag

Erschienen im Michael Müller Verlag

Erzherzog Salvator. Mallorcas ungekrönter König: Einst war der Erzherzog von einem reichen Gutsbesitzer als Ehrengast zu einer Feier eingeladen. Vorab hatte der Gastgeber ihn dringend gebeten, doch bitte ausnahmsweise angemessen gekleidet zu kommen. Und tatsächlich, Salvator sah an diesem Abend ausnahmsweise aus wie ein Herzog. Doch die stolzen Gastgeber freuten sich zu früh – als die Suppe serviert wurde nahm der Erzherzog den Teller und schüttete den Inhalt in die Außentaschen seiner Jacke. Dann stand er auf und verabschiedete sich von der entsetzten Runde mit den Worten: "Sie haben nicht mich, sondern meinen Anzug eingeladen, und der ist satt."

Ein interessantes Licht auf Salvators Verhältnis zur Etikette und der sogenannten besseren Gesellschaft wirft folgende Anekdote, von der Horst Joseph Kleinmann berichtet, Autor der spannenden Biographie

Unzählige Geschichten kursieren auch über des Erzherzogs Liebesleben, über das er selbst nie sprach. Belegt ist die lange Liaison mit der Mallorquinerin Catalina Homar. Die Tochter eines Tischlers soll mindestens sechs Sprachen beherrscht haben und wurde – Skandal, Skandal – auch dem Wiener Hof vorgestellt. Im Jahr 1905 starb Catalina Homar nach jahrelanger Krankheit, die sie sich auf einer gemeinsamen Reise ins Heilige Land zugezogen hatte. Sie war wohl nicht die einzige Liebschaft des Erzherzogs, der hartnäckigen Gerüchten zufolge rund um Valldemossa gleich Dutzende illegitimer Nachkommen hinterlassen haben soll. Salvator starb 1915 im Alter von 68 Jahren in Böhmen, wohin er wegen des Ersten Weltkriegs zurückbeordert worden war. Begraben liegt er in der Kapuzinergruft in Wien. Testamentarischer Erbe des gesamten erzherzöglichen Besitzes auf Mallorca wurde sein Sekretär Antonio Vives und dessen Kinder.

Dieser Text ist im Michael Müller Verlag erschienen

 
Leser-Kommentare
    • keibe
    • 16.11.2011 um 22:33 Uhr

    "Unzählige Geschichten kursieren auch über des Erzherzogs Liebesleben, über das er selbst nie sprach. Belegt ist die lange Liaison mit der Mallorquinerin Catalina Homar. Die Tochter eines Tischlers soll mindestens sechs Sprachen beherrscht haben und wurde – Skandal, Skandal – auch dem Wiener Hof vorgestellt. Im Jahr 1905 starb Catalina Homar nach jahrelanger Krankheit, die sie sich auf einer gemeinsamen Reise ins Heilige Land zugezogen hatte. Sie war wohl nicht die einzige Liebschaft des Erzherzogs, der hartnäckigen Gerüchten zufolge rund um Valldemossa gleich Dutzende illegitimer Nachkommen hinterlassen haben soll."

    Der König ist tot, es lebe der König:

    http://www.sueddeutsche.d...

  1. Sehr interessante Geschichten. Besonders die kleinen Geschichten über die Exzentriker sind es doch, die uns so reizen. Und man lernt eine etwas andere Sichtweise auf Mallorca kennen, als den ewigen Medienhype um die "Partyinsel".

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