Die All Blacks, das neuseeländische Nationalteam, das gerade die Rugby-Weltmeisterschaft gewonnen hat, beginnt seine Spiele mit dem Haka . Maori wie weiße Spieler ( Pakeha ) schlagen sich auf die Schenkel, strecken die Zunge heraus, brüllen (singen, heißt es), rollen mit den Augen und sind überhaupt enorm männlich. Dass dieser Tanz die Gegner so erschüttert, dass sie deswegen gegen die Kiwis verlieren, ist ein Gerücht, die Wirkung dürfte doch eher auf sportliche Qualitäten zurückzuführen sein. Oder ist doch was dran an der Abschreckung?

In Auckland hat es im Oktober 2011 geklappt, die All Blacks gewannen gegen den Finalgegner Frankreich mit 8:7. Und wahrscheinlich gab der Haka den Ausschlag, denn gerade in der Anfangsphase direkt nach dem Kriegstanz führten die All Blacks, drei Viertel der restlichen Zeit dominierten die Franzosen. Da Neuseeland andererseits 24 Jahre lang auf die Wiedergewinnung des Weltmeistertitels warten musste (und es die Franzosen gewesen waren, die Neuseeland damals den Titel entrissen), ist die Hilfe des Haka beim Spiel doch eher als Legende einzustufen.

Der von den All Blacks getanzte und gesungene Haka ist nicht ein allgemein für die Maorikultur typischer Kriegstanz (geschweige denn für alle polynesischen Kulturen!), sondern nur für bestimmte Stämme, vor allem den Ngati Toa (Stamm): Sie nennen ihren Kriegstanz Ka Mate haka . Er entstand bereits um 1820 als ein Gesang, den ein Stammeshäuptling des Ngati Toa erfand, um seine Rettung vor Feinden zu verewigen. Ein Rechtsstreit mit dem neuseeländischen Staat hat anfangs 2009 dem klagenden Stamm Recht gegeben und ihm den Ka Mate haka als geistiges Eigentum bestätigt. Großzügig überließ der Stamm den All Blacks die Aufführungsbewilligung – eine Entschädigung gab es nicht.

Zum ersten Mal führte ein neuseeländisches Rugbyteam einen Haka beim ersten Match der überhaupt ersten Auslandstournee auf, das im Oktober 1888 im englischen Surrey stattfand. Die Gegner dürfte das ziemlich verschreckt haben und die Tournee der großenteils aus Maori bestehenden Teams in England und Wales wurde zum Triumphzug. Klar, dass man die Tradition bis heute weiterführt!

Dieser Text ist im Michael Müller Verlag erschienen