MontenegroAuf Gottes Scholle

Die Nonnen auf der Insel Beska in Montenegro leben einfach und entbehrungsreich. Für Touristen ist der Besuch bei ihnen ein Ausflug ins diesseitige Paradies. von Danja Antonovic

Auf der Insel Beska im See Skutari in Montenegro leben acht Nonnen und Novizinnen. Das Kloster war zuvor 350 Jahre verlassen.

Auf der Insel Beska im See Skutari in Montenegro leben acht Nonnen und Novizinnen. Das Kloster war zuvor 350 Jahre verlassen.  |  © Marija Vugdelic/flickr

"Sie brauchen den Gottessegen vom Metropoliten, wenn Sie uns besuchen wollen", sagt Mutter Fotina am Handy. Die Verbindung ist schlecht, die leise Stimme klingt bestimmt. Das Handy ist die einzige Verbindung zur Außenwelt, es gibt kein Telefon und kein Internet auf der winzigen Insel, auf der Mutter Fotina lebt. Sie ist die Vorsteherin des serbisch-orthodoxen Nonnenklosters der Heiligen Jungfrau auf der Insel Beska im See Skutari an der Grenze zwischen Albanien und Montenegro. Beska ist eine von mehreren kleinen Inseln, auf denen orthodoxe Kirchen im Mittelalter errichtet wurden.

Den Gottessegen erteilt die Metropolie der serbisch-orthodoxen Kirche per E-Mail, er ist nur für Journalisten bestimmt. Die Touristen, die im Sommer die Insel besuchen, haben es einfacher: Sie buchen die Tagesreise in einem der Städtchen am Ufer des Sees, kommen per Boot auf die Insel, können der Messe beiwohnen und mit den Nonnen reden. Am Abend kehren sie in die Zivilisation zurück.

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Im Spätherbst ist der Skutari-See glatt wie eine große, alles umgebende, grünblaue Öllache. Nebelschwaden liegen dicht auf der Wasseroberfläche, Schwalben und Reiher drehen kunstvolle Pirouetten in der Luft. Die Insel Beska scheint zwischen Wolken und Nebel zu schweben. Sie ist steinig, karg, bewachsen mit wilden Granatäpfelbäumen. Dass es hier zwei kleine Kirchen und ein steinernes Wohnhaus gibt, sieht man erst, wenn man unmittelbar davor steht. Der Weg vom Ufer zum Haus ist beschwerlich, in der Nase hat man den Duft von Rosen, Oleander und Lorbeer, von Salbei, Basilikum und Minze. Ein paradiesischer Garten führt zum Haus und zu den Kirchen. An einer der Kirchen werkeln die Arbeiter, auf der Veranda des Wohnhauses wuseln mehrere Frauen in schwarzen Gewändern. "Pomoz Bog", Gott hilf, sagt eine kleine Frau im schwarzen Gewand. Es ist Mutter Fotina.

Nach dem Kanon der serbisch-orthodoxen Kirche entscheidet die Metropolie, welchem Kloster Nonnen und Mönche zugewiesen werden. Als Mutter Fotina vor sieben Jahren auf die Insel Beska kam, gab es nichts: Die Insel war 350 Jahre lang verlassen gewesen. Der Neuanfang war mühsam. "Damals hausten Ziegen in den Kirchenruinen, Schlangen und Schwalben bauten ihre Nester auf dem Stein. Zuerst haben wir Unkraut gejätet, eine Schlafstätte wurde gebaut. Bald danach kamen Nonnen und Novizinnen und das Kloster lebte auf", sagt Mutter Fotina. "Sechs Jahre haben wir ohne Strom gelebt, das Trinkwasser bringen wir heute noch vom Festland."

Die beiden Kirchen von Beska ließ Jelena Balsic, die Tochter des Zaren Lazar, im Jahr 1440 erbauen. Die Fürstin war eine gebildete Frau; nach dem Tod ihres Mannes, dem Fürsten von Zeta (heute Montenegro), verhandelte sie erfolgreich mit Türken und Venezianern. In ihrem Testament verfügte sie, dass die Kirche der Heiligen Jungfrau ein Nonnenkloster wird. Erst jetzt wurde die Kirche der Heiligen Jungfrau von Facharbeitern restauriert, an der Kirche des Heiligen Georgs wird noch gearbeitet. Die Kosten der Renovierung trägt die serbisch-orthodoxe Kirche.

Heute leben fünf Nonnen und drei Novizinnen auf der Insel. Sie wohnen in einem Haus, das die Metropolie für sie gebaut hat. Im Sommer wird im Garten gekocht, gewerkelt und gegessen wird im großen Wohnzimmer, hier werden auch Gäste empfangen. Die Nonnen schlafen in kleinen, schlichten Zellen. Im Jahr 2010 leisteten sie sich den Luxus einer Klimaanlage – eine Notwendigkeit bei 40 Grad, die monatelang im Sommer herrschen.

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