Wussten Sie, dass...Ohne Wald kein Weihnachtsbaum

Erst wurde der Wald knapp, dann forsteten die Franken auf: Wussten Sie, dass in Nürnberg im Mittelalter die Tannensaat erfunden wurde? von Ralf Nestmeyer

Endlich wieder Wald: Ohne den Nürnberger Peter Stromer gäbe es keine Tannensaat.

Endlich wieder Wald: Ohne den Nürnberger Peter Stromer gäbe es keine Tannensaat.  |  © emanoo/photocase.com

Die ungeheuren Waldungen , die sich einst über ganz Franken erstreckten, hatten einen nicht unerheblichen Anteil am wirtschaftlichen Aufstieg Nürnbergs . Es dauerte jedoch, bis man sich der Bedeutung dieses wichtigen Rohstoffes bewusst wurde. 

Als es in der Umgebung von Nürnberg im 13. Jahrhundert durch die Köhlerei für die Eisenhütten zu einer drastischen Holzverknappung kam, verbot Adolf von Nassau 1294 den Bau von neuen Siedlungen im Reichswald und räumte der Stadt Aufsichtsrechte ein. 1309 befahl Heinrich VII. den Nürnbergern, aus dem arg verwüsteten und ausgebeuteten Reichswald "wieder Wald zu machen". Nürnberg versuchte, die feudalen Waldrechte zur besseren Wahrnehmung seiner Interessen selbst zu erwerben. Die Köhlerei wurde 1340 im Lorenzer Reichswald verboten.

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Ralf Nestmeyer
Ralf Nestmeyer

Ralf Nestmeyer, geboren 1964, ist Historiker und lebt seit 1995 als freier Autor in Nürnberg. Er veröffentlichte Reiseführer und Texte zu Bildbänden und Sachbüchern. Zudem gab er literarische Anthologien über die Provence und Sizilien heraus. Seine Essays, Reportagen und Rezensionen erscheinen unter anderem in der Nürnberger Zeitung und den Nürnberger Nachrichten.

In den folgenden Jahren ließ sich die Stadt ihre Rechte auf das Holz der Wälder vom König bestätigen. Erst auf dieser klaren rechtlichen Grundlage ist der berühmte Versuch Peter Stromers denkbar, Wald auf Kahlflächen wieder zu begründen. Weitere Rechte am Wald wurden von der Stadt Nürnberg in den nächsten Jahren erworben: 1372 kaufte der Rat das Amt des Forstmeisters im Lorenzer Wald von den Colers ab, 1396 von den Waldstromern. Im Jahre 1427 erwarb der Rat dieses Recht für den Sebalder Wald auch vom Burggrafen.

Peter Stromer glückte 1368 im Nürnberger Reichswald erstmals erfolgreich die Tannensaat (Nadelbäume wachsen schneller und das Know-how für die Laubbaumsaat war noch nicht vorhanden), nachdem er die Samen bereits im Winter durch langsames Darren in der Wärme vorbereitet und im April bei abnehmendem Mond ausgesät hatte.

Schon um 1400 existierte in Nürnberg eine Waldsamenhandlung; die Reichsstadt wurde in der Folge zum bedeutendsten Waldsamenlieferanten in Europa, Nürnberger Waldsäer waren in ganz Mitteleuropa als Experten begehrt. Der Humanist Johannes Cochlaeus rühmt 1512 in seiner "Brevis Germaniae Descriptio" die Nürnberger, da sie die Kunst des Säens von Bäumen ersonnen hätten.
 

Dieser Text ist im Michael Müller Verlag erschienen.

Ralf Nestmeyer: Reiseführer Nürnberg, FürthErlangen

7. Auflage 2010;Michael Müller Verlag , 204 Seiten,12,90 EUR

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Leserkommentare
    • pekka
    • 02. Dezember 2011 9:49 Uhr

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  • Serie Sehenswert - Wissenswert
  • Schlagworte Wald | Franken | Holz | Mond | Reiseführer | Rohstoff
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