Kanada Unterwegs mit der Eisbärenpolizei
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In Churchill gibt es das weltweit einzige Gefängnis für Eisbären

Warnung vor dem Eisbär in Churchill in Manitoba, Kanada

Warnung vor dem Eisbär in Churchill in Manitoba, Kanada

Morgens um neun Uhr holt Terry Elliott, der im Sommer Grizzly-Touren in British Columbia begleitet, die Wanderer in der Hütte ab. Heute erläutert er die Charakteristika des Ökosystems, verteilt angefrorene Blaubeeren, die er vom Boden pflückt. Die Eisbären, sagt er, haben sich in diesem Jahr mehr als sonst an den Früchten gelabt. "Vielleicht spüren sie, dass es ein schwieriger Winter wird." Womöglich wird das Eis noch ein paar Tage früher schmelzen. Dann können die Bären weniger Robben jagen, von denen sie im Schnitt zwei pro Woche vertilgen. Die Fettpolster für den Sommer wären entsprechend dünner. Und womöglich müssen die Bären noch früher in Churchill auf Nahrungssuche gehen.

An diesem Morgen stehen Mutter und Kind nur ein paar Schritte abseits des Weges. Plötzlich wird Terry Elliott nervös: Der junge Bär kommt auf die Gruppe zu. Elliott richtet sich auf und sagt laut: "Das ist genug." Er greift in die Jackentasche, um einen Stein herauszuholen. Ein Wurf reicht meistens, um einen Eisbären abzuschrecken. Falls nicht, hat Elliott eine Schreckschusspistole und Pfefferspray dabei – und für den Notfall ein Schrotgewehr. Das aber hat er in den vergangenen zwanzig Jahren noch nie eingesetzt.

Existiert also am Ende doch ein stilles Abkommen zwischen Mensch und Raubtier? "Da würde ich mich nicht drauf verlassen", sagt Elliott. Zwar sind die Bären an Menschen allenfalls mäßig interessiert. Doch im Norden Manitobas sind Attacken keine Seltenheit, auch wenn es schon lange keinen tödlichen Zwischenfall mehr gegeben hat.

Später liegen die Bären entspannt in einer Schneeverwehung. Terry Elliott macht auf die grünen Markierungen aufmerksam, die am Fell von Mutter und Kind zu sehen sind. Es sind die Erkennungszeichen dafür, dass auch sie bereits in Churchill auffällig geworden und betäubt worden sind. Für solche Fälle hat Windsors Bärenpolizei ein Resozialisierungsprogramm entwickelt: Die Tiere werden in einer Lagerhalle am Flughafen einquartiert, dem weltweit einzigen Eisbärengefängnis. Ohne Futter müssen sie notfalls so lange ausharren, bis die Hudson Bay zufriert. Alternativ werden sie in einem Netz per Helikopter ausgeflogen, auch in die Nähe der Lodge – ein Ereignis, dessen Häufigkeit zunehmen wird, je öfter sich Mensch und Eisbär in die Augen blicken.

 
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