TourismusÄgyptens Fremdenverkehr im Griff der Revolution

Bewirkt der arabische Umbruch das Ende des Tourismus? Die Branche in Ägypten ist geteilter Meinung. Vor allem in den Städten haben es die Anbieter schwer. von Fabienne Hurst

Mohammed al-Kathib schwitzt in der Sonne. Es ist schon nach Mittag und noch immer steht er vor dem Ägyptischen Museum in Kairo , die Hände in den Taschen. Er wartet auf Touristen, die er durch das Museum führen kann. Für ihn ist das lebenswichtig, er ist selbständig und hat kein festes Einkommen. Doch Mohammed al-Khatib ist nicht gefragt: Seit einem Jahr wartet er auf Touristen – meist vergeblich.

"Normalerweise ist um diese Zeit Hochsaison", sagt er: Früher kamen vier bis fünf Gästegruppen am Tag, heute hat er Glück, wenn er auch nur eine Gruppe erwischt. 100 ägyptische Pfund bekommt er dann, knapp 13 Euro. Für den Reiseführer wird es immer schwieriger, seine Familie zu ernähren.

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Der 40-Jährige versteht, warum die Touristen lieber in der Türkei oder in Griechenland ihren Urlaub verbringen. "Die Bilder im Fernsehen müssen sie schockiert haben", sagt er. Viele Ägypter haben genug von der Revolution, wollen endlich ihre Ruhe. Mohammed al-Khatib aber geht demonstrieren. "In Ägypten ist alles ineffizient und veraltet, auch das kulturelle Leben. Es muss sich etwas ändern", sagt al-Khatib, der sich erst seit Januar 2011 politisch engagiert. Vorher habe niemand wirklich geglaubt, etwas bewirken zu können. Aber die Revolution sei unvollständig, meint er. Der Militärrat habe zu viel Macht und wolle diese nicht abgeben.

Zusammen mit seinem Cousin und vielen anderen Menschen schwenkt Mohammed al-Kathib deshalb jeden Freitag die ägyptische Fahne auf dem Tahrirplatz und brüllt: "Weg mit der Armee!" Auch heute, am 25. Januar, dem Jahrestag der Revolution , will al-Kathib demonstrieren: "Die Revolution ist noch lange nicht vorbei, wir müssen Opfer bringen." In der angeschlagenen Tourismusbranche teilen nur wenige seine Meinung.

Keine Angst vor Islamisten

Das Ägyptische Museum und der Tahrirplatz liegen nur wenige Schritte voneinander entfernt und bilden das Herz der Kairoer Innenstadt. Neben staatlichen Verwaltungsgebäuden befinden sich hier auch große Luxushotels wie das Semiramis. Vom Dach des Hotels blickt Geschäftsführer Ahmed al-Gindi auf die berühmte Revolutionsstätte. Er sagt: "Schlechter könnte das Hotel nicht liegen." Nur ein Drittel der Hotelzimmer sind besetzt, normalerweise sind es um diese Zeit doppelt so viele.

Nachdem das Militär die Straßen um den Tahrirplatz blockiert hat, ist es noch schwieriger, das Semiramis zu erreichen. Im Jahr 2011 blieben mehr als die Hälfte der Gäste weg. Nach Angaben des ägyptischen Ministeriums für Tourismus gingen die Besucherzahlen zurück, von 14,7 Millionen auf weniger als 10 Millionen. Prognosen zufolge soll diese Zahl auch 2012 nicht steigen.

Hotelmanager Ahmed al-Gindi rechnet sogar damit, dass die Zahl noch weiter sinken wird. Dabei sei er kein Gegner der Revolution gewesen, ganz im Gegenteil. Stolz zeigt der Manager seine Handyfotos vom 11. Februar 2011. Sie zeigen ihn selig lächelnd auf dem Tahrirplatz: "Im vergangenen Februar war ich überglücklich. Endlich war es vorbei mit der ewigen Korruption und den Machtspielen Mubaraks. Wir waren so frustriert davon."

Nach dem Arabischen Frühling hatte al-Gindi zunächst Angst vor den Islamisten. Doch die Muslimbrüder hätten in letzter Zeit wiederholt erklärt, dass es im Tourismus so weiter laufen werde wie bisher. Und selbst die radikal-islamischen Salafisten distanzierten sich von den zuvor erwogenen Bikini- und Alkoholverboten wieder. "Sie können es sich wirtschaftlich gesehen auch gar nicht leisten, den Tourismus in Ägypten zu gefährden", sagt al-Gindi.

"Ohne Straßenkämpfe hätten wir keine Probleme"

Der Geschäftsmann will jetzt endlich Veränderungen sehen – und ein Ende der Demonstrationen . "Der Militärrat hat nur seine Rolle zu erfüllen, das Land neu zu strukturieren. Er wird Wahlen organisieren und danach abtreten." Al-Gindi meint, dass die Demonstranten nicht das Wohl des Staates im Sinne haben. "Wenn es nicht ständig diese Kämpfe zwischen Militärrat und Demonstranten gebe, hätten wir keine Probleme. Sollten die Demos nicht aufhören, wird es noch ewig dauern, bis die Tourismusbranche sich erholt."

Leserkommentare
  1. Ich denke, der Museumsführer und die Hotel- und Reisemanager sind ziemlich blauäugig. Abenteuer-Urlaube in islamischen Ländern sind derzeit ziemlich out. Und wenn die Bärtigen die Macht übernommen haben, dann ist eh Schluss mit lustig. Die Ägypter, Libyer, Marokkaner und Tunesier werden vermutlich im eigenen Saft schmoren. Etwas Geld aus Saudi-Arabien und Katar wird die Misere nur marginal lindern.

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    sehe ich auch so. Zum Glück habe ich noch letztes Jahr viel gesehen vor Ort. Da war aber schon absehbar, das auch hier die Muslime an die Macht kommen und mich am liebsten als Ungläubigen aus dem Land haben wollen.

    Eigentlich schade um das eigentlich tolle Land, aber wenn ich mich da nur noch geduldet fühle, weil mein Geld gebraucht wird, dann fahre ich leider woanders hin. Auch wenn das womöglich nicht alle Ägypter so sehen..

    Die Wahlen da habe ich aufmerksam verfolgt und mit Erschrecken mit ansehen müssen, das Ägypten zu 45% muslimisch (Muslimbruderschaft) und nochmal die Radikalen Salafisten, die schon über Bikiniverbot nachdenkt, mit fast 25% gewählt hat... Sorry, wie mein Vorredner schon schrieb, noch ein Abenteuerurlaub im Islam wird mir zu heiß.

  2. "Sie können es sich wirtschaftlich gesehen auch gar nicht leisten, den Tourismus in Ägypten zu gefährden" - Hier stellt sich doch die Frage, wie verblendet man sein muss, um in einem Land Urlaub zu machen, welches liebend gerne die "Ungläubigen" aus ihrem islamischen Land verbannen würden, wenn sie sich dies "wirtschaftlich" leisten könnten. Ich für meinen Teil, werde keinen Cent in islamische Länder tragen, in welchen ich als Kufar gesehen werde.

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    ... und muss sagen, dass ich dort keinem europafeindlichem begegnet bin. ganz im gegenteil. alle waren nett und zuvorkommend und ich habe mich herzlich willkommen gefühlt. ich hatte nicht das gefühl, dass die nur unser geld wollten. man hat sich auch außerhalb des "geschäftlichen" nett unterhalten und geschichten ausgetauscht.
    ich denke, dass diese schlechte meinung über die ägypter vor allem durch die medien und engstirnige menschen zustande kommt, die selbst nie in diesem schönen land waren oder aber ihre nase so hoch tragen, dass ich sie vermutlich auch aus meinem land schmeißen wollte!

  3. Ich reise bald. ich melde mich, wenn ich lebend zurückgekehrt
    bin.

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    bitte nicht entführen lassen und schön verschleiern.

  4. bitte nicht entführen lassen und schön verschleiern.

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  5. sehe ich auch so. Zum Glück habe ich noch letztes Jahr viel gesehen vor Ort. Da war aber schon absehbar, das auch hier die Muslime an die Macht kommen und mich am liebsten als Ungläubigen aus dem Land haben wollen.

    Eigentlich schade um das eigentlich tolle Land, aber wenn ich mich da nur noch geduldet fühle, weil mein Geld gebraucht wird, dann fahre ich leider woanders hin. Auch wenn das womöglich nicht alle Ägypter so sehen..

    Die Wahlen da habe ich aufmerksam verfolgt und mit Erschrecken mit ansehen müssen, das Ägypten zu 45% muslimisch (Muslimbruderschaft) und nochmal die Radikalen Salafisten, die schon über Bikiniverbot nachdenkt, mit fast 25% gewählt hat... Sorry, wie mein Vorredner schon schrieb, noch ein Abenteuerurlaub im Islam wird mir zu heiß.

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    Antwort auf "Blauäugig"
  6. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Danke, die Redaktion/mo.

  7. ... und muss sagen, dass ich dort keinem europafeindlichem begegnet bin. ganz im gegenteil. alle waren nett und zuvorkommend und ich habe mich herzlich willkommen gefühlt. ich hatte nicht das gefühl, dass die nur unser geld wollten. man hat sich auch außerhalb des "geschäftlichen" nett unterhalten und geschichten ausgetauscht.
    ich denke, dass diese schlechte meinung über die ägypter vor allem durch die medien und engstirnige menschen zustande kommt, die selbst nie in diesem schönen land waren oder aber ihre nase so hoch tragen, dass ich sie vermutlich auch aus meinem land schmeißen wollte!

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    ... noch kurz anmerken will, dass ich vorhabe in den nächsten jahren wieder urlaub in ägypten zu machen, egal wie viele "experten" davon abraten.

  8. ... noch kurz anmerken will, dass ich vorhabe in den nächsten jahren wieder urlaub in ägypten zu machen, egal wie viele "experten" davon abraten.

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  • Schlagworte Tourismus | Revolution | Alkoholverbot | Arbeitskollege | Brand | Jahrestag
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