Reisen mit Kind : "Sein erstes Wort war Fischernetz"

Die Schauspielerin Alexandra Schöler-Haring ist mit Sohn und Mann viereinhalb Jahre um die Welt gesegelt. Im Interview spricht sie über Abenteuer und Gefahr.
Mit der Risho Maru waren Alexandra Schöler-Haring, Peter Schöler und Sohn Finn viereinhalb Jahre auf den Weltmeeren unterwegs. © Peter Schöler

Die österreichische Schauspielerin, Sängerin und Autorin Alexandra Schöler-Haring brach 2005 mit ihrem Mann Peter Schöler und dem gemeinsamen Sohn Finn, damals fünf Jahre alt, zu einer Weltumseglung auf. Viereinhalb Jahre lang folgten sie der so genannten "Barfußroute" über die Kanaren, die Karibik, die Südsee, Neuseeland, Australien, Thailand und schließlich durch den Sueskanal zurück nach Europa.

ZEIT ONLINE: Frau Schöler-Haring, hatten Sie keine Bedenken, ob Segeln kindertauglich ist?

Alexandra Schöler-Haring: Natürlich! Die große Angst aller Segelmütter ist immer: Was mache ich, wenn mein Kind mitten auf dem Atlantik eine Blinddarmentzündung bekommt? Aber das Segeln an sich hat mich nicht beunruhigt. Finn ist ja schon als Baby auf unserem Katamaran mitgesegelt. Das ist sein Element, sein erstes Wort war Fischernetz. Im Nachhinein finde ich für ihn die große Straße vor unserer Wohnung in Wien gefährlicher als die Überquerung des Atlantiks.

ZEIT ONLINE: Mit Kleinkind auf einem Segelboot – mich würde das beunruhigen.

Schöler-Haring: Wir haben ihm von Anfang an klar gemacht, dass das Boot kein Spielplatz ist. Als Baby und Kleinkind haben wir ihn an Bord noch angeleint. Unterwegs haben wir auch Familien gesehen, die ihre Babys auf dem Deck in Autositzen festgeschnallt hatten. Später reichte das Verbot, mit dem er ja aufgewachsen ist: Während der Fahrt darf er nicht aus der Mitte des Schiffes heraus gehen. Das war ein absolutes No-Go.

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie ihn gesichert, damit er nicht über Bord geht?

Schöler-Haring: Natürlich trug er immer eine Schwimmweste. Und wenn er aufs Klo ging, musste er sich vorher bei uns abmelden. Auf dem Schiff müssen Eltern einfach immer genau wissen, wo ihr Kind ist. Daran haben wir uns alle so sehr gewöhnt, dass Finn uns noch Wochen nach unserer Rückkehr nach Wien immer Bescheid gab, wenn er aufs Klo wollte. Meine größte Angst vor unserer Abreise war eher, dass Finn unterwegs einsam sein könnte und sich später schwer damit tun würde, soziale Kontakte zu knüpfen.

ZEIT ONLINE: Hat sich das bewahrheitet? 

Schöler-Haring: Ganz im Gegenteil. Genau das hat er während der Reise besonders gut gelernt: schnell Kontakt zu anderen Menschen herzustellen. Sobald wir anlegten, ist er losgezogen mit Kindern, die auch auf einem der Segelboote unterwegs waren oder vor Ort lebten. Die haben dann zusammen Kokosnüsse von den Bäumen geholt, sind durch Bananenplantagen gelaufen oder haben von einem Riff Haie mit Essensresten gefüttert.

ZEIT ONLINE: Sie haben in ganz schön abenteuerlichen Gegenden angelegt. Zum Beispiel auf der Südsee-Insel Nuku Hiva, auf der im Oktober 2011 ein deutscher Segler ermordet wurde – angeblich von einem Kannibalen.

Schöler-Haring: Vor 100 Jahren soll dort auch ein Missionar geschlachtet worden sein. Aber Verrückte gibt es eben überall auf der Welt. Wir haben während der ganzen Reise keine einzige Situation erlebt, in der wir dachten: Da will uns jemand nichts Gutes. Wir waren aber auch immer sehr zurückhaltend, ich muss nicht jede einsame Ecke erkunden. Und weder ich noch Peter wären ohne einander irgendwo hin gegangen und hätten den anderen mit Finn alleine auf dem Boot zurückgelassen.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Wörter

Kommt mir auch etwas unglaubwürdig vor. Ein dreisilbiges Wort mit sch und tz als erstes Wort?

Ich würde aber keine besondere Bedeutung reinlesen. Abgesehen von der einfachen Aussprache sind "Mama" und "Papa" wahrscheinlich ein selbsterfüllendes Klischee. Wenn die Eltern es dem Kind nicht ständig vorsprechen, wie soll es dann drauf kommen? Mein erstes Wort war "Lampe", weil die über dem Kinderbett hing.

Na ja, ...

.. der André C. selig hatte die Vorstellung, daß der französischen Kinder erstes Wort weder "Maman" noch "Papa", sondern "Citroën" sein solle ...

Ansonsten gebe ich der Weltumselgelmutter recht: Wer das Reisen mit Kindern so früh wie möglich beginnt, wird reich belohnt. Unser an Ostern geborener Sohn verbrachte seine ersten zehn Geburtstage fast ausschließlich entweder an Bord eines "North Sea Ferries"-Schiffes zwischen Roterdam und Hull oder in unserer "Manor House"-Ferienwohnung in den Yorkshire Dales bzw. im Wohnmobil irgendwo in Wales. Als er zwölf war, waren Vater und Sohn zum ersten Mal mit dem Motorrad unterwegs, und seither fragt der jetzt bald 22-Jährige regelmäßig zu Frühlingsbeginn: "Na, Vadder, wo fahr'n wir heuer mit'm Mopped hin?"