Wussten Sie, dass…Expedition ins ewige Eis

Robert Scott verlor 1911 das Wettrennen zum Südpol gegen Roald Amundsen. Neben den Erfrorenen fand sich später ein naturwissenschaftlicher Schatz. von Dorothea Martin

Die Ausstellung über die Antarktis-Expedition von Robert Scott in der Queens Gallery im Buckingham-Palast in London

Die Ausstellung über die Antarktis-Expedition von Robert Scott in der Queens Gallery im Buckingham-Palast in London  |  © Dan Kitwood/Getty Images

Am 15. Juni 1910 wurde der Walfänger Terra Nova von einer jubelnden Menge aus dem Hafen von Cardiff verabschiedet. An Bord waren der britische Marineoffizier Robert Falcon Scott und 65 Männer, unter anderem zwölf Wissenschaftler, die die Antarktis erforschen wollten . Zu dieser Zeit bedeutete das vor allem ein akribisches Sammeln und Identifizieren von Spezies. Die Expeditionsteilnehmer trugen 2.109 Tierarten und Fischexemplare zusammen, von denen 401 bis dahin unbekannt waren. Auch nahmen sie kiloweise Gesteinsproben, die Eier eines Kaiserpinguins und Pflanzenfossilien mit.

Das Wettrennen in der Antarktis verlor Scott: Der Norweger Roald Amundsen erreichte den Südpol vier Wochen vor ihm . Scott und seine Expeditionskollegen kamen auf dem Rückweg von diesem "entsetzlichen Ort" im antarktischen Packeis ums Leben. Neben den erfrorenen und verhungerten Männern wurde ein naturwissenschaftlicher Schatz geborgen – meteorologische Aufzeichnungen, Naturskizzen, Fotografien und 16 Kilogramm Fossilien.

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Denn selbst als ihre Lage im ewigen Eis immer hoffnungsloser wurde und sie jeglichen Ballast vermeiden mussten, nahmen Scott und sein Team die Fundstücke mit. Eines war von ganz besonderer Bedeutung: der versteinerte Abdruck eines Glossopteris.

Glossopteris ist eine Gattung von Samenfarnen, die Ende des Trias vor rund 250 Millionen Jahren ausgerottet wurde. Solche Farne hatte man in Indien , Südamerika , Südafrika, Australien und nun eben auch in der Antarktis gefunden. Damit war zum einen bewiesen, dass das Klima am Südpol zu dieser Zeit so mild gewesen sein musste, dass Bäume, Sträucher und Farne wuchsen. Es warf zum anderen die Frage auf, ob die südlichen Kontinente und die Antarktis einst eine einzige Landmasse gewesen sein konnten.

Alfred Wegener, ein deutscher Meteorologe, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Theorie der Kontinentalverschiebung aufgestellt: Seiner These, Kontinente seien erst im Laufe der Zeit in ihre gegenwärtige Position gewandert, glaubten nur wenige.

Der Fund des Glossopteris änderte dies. Man kam zu dem Schluss, dass es einen Großkontinent Gondwana gegeben habe, zu dem neben Indien, Südamerika und der Antarktis auch große Teile Afrikas gezählt hatten. Die Sahara und das heutige Nordwestafrika lagen damals also in unmittelbarer Nähe zum Südpol. Es dauerte allerdings bis in die fünfziger Jahre, bis die Plattentektonik und das Gleichgewichtssystem von Erdkruste und Atmosphäre vollends akzeptiert wurden.

Als die Überlebenden der Terra-Nova-Expedition im Juni 1913 wieder in ihrem Heimatland eintrafen, wurde den wissenschaftlichen Errungenschaften des Korps viel Aufmerksamkeit zuteil. Man wollte davon ablenken, dass der zum Nationalhelden erhobene Scott nur Zweiter am Südpol geworden war.

Leserkommentare
    • S_R
    • 25. Januar 2012 9:21 Uhr

    Auf dem Rückweg vom Südpol kann Scott wohl kaum im "arktischen Packeis" ums Leben gekommen sein, sonderm im antarktischen. Soweit ich weiß ist Scott auch nie in der Arktis gewesen ...

    • lodjur
    • 25. Januar 2012 9:25 Uhr

    "Scott und seine Expeditionskollegen kamen auf dem Rückweg von diesem "entsetzlichen Ort" im arktischen Packeis ums Leben."

    Mmmm, und die Eisbären fressen die Pinguine... erstens war's die Antarktis, zweitens starben Scott & Begleiter m.W. auch nicht im Packeis, sondern auf dem Festland, wo sie z.B. trotz ihrer bereits fortgeschrittenen Entkräftung noch Gesteinsproben nahmen und auf ihre Schlitten packten.

    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie darauf, gerade Kritik sachlich zu formulieren. Die Redaktion/mak

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • brazzy
    • 25. Januar 2012 10:36 Uhr

    Scott und seine Begleiter starben auf dem Ross-Schelfeis, über das etwa die Hälfte ihrer Route führte:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Allerdings ist Schelfeis nicht das gleiche wie Packeis, es ist vor Allem sehr viel dicker (meist über 100m).

    • TDU
    • 25. Januar 2012 9:59 Uhr

    Man sieht, Scotts Unternehmen war eben doch mehr als eine Heldengeschichte zu dem sie die Amundsenfans (leider gibts ja auch hier wieder die moderne Lagerbildung mit Anspruch auf die absoluten Wahrheiten) gerne reduzieren. Übrigens hat wohl auch Amundsen ein paar Erkenntnisse mitgebracht.

    Aber Ablenkungsmanöver? Sind es nun bedeutende Erkenntnisse und Funde oder nicht? Wenn ja, was soll das Argument?. Wenn nein, was soll der Artikel?

  1. Redaktion

    Liebe/r S_R, liebe/r lodjur, besten Dank für den Hinweis, wir haben es korrigiert.

    • brazzy
    • 25. Januar 2012 10:36 Uhr

    Scott und seine Begleiter starben auf dem Ross-Schelfeis, über das etwa die Hälfte ihrer Route führte:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Allerdings ist Schelfeis nicht das gleiche wie Packeis, es ist vor Allem sehr viel dicker (meist über 100m).

    Antwort auf "Haha, der war gut!"
    • lodjur
    • 25. Januar 2012 10:40 Uhr

    ...und nochmal zum Thema Packeis vs. Festland: Habe inzwischen nochmal etwas recherchiert, ist wohl beides falsch. Laut entsprechender Karten starben Scott und seine Begleiter auf dem Teil der Route, der über das Ross-Schelf führt. Schelfeis unterscheidet sich vom Packeis: Es "fließt" (z.B. von einem Gletscher) ins Meer und bildet eine Eisplatte, die zwar auf dem Meer schwimmt, aber noch mit dem Eis an Land verbunden ist. Packeis sind ineinandergeschobene Eisschollen, das sich auf dem Meer gebildet hat (es handelt sich also um Salzwassereis).
    Da das Gehen im Packeis v.a. mit schweren Schlitten wohl extrem beschwerlich ist, würde man eine solche Route wohl nur wählen, wenn es unvermeidbar ist (also z.B. auf dem Weg zum geografischen Nordpol).
    Stammt aber auch alles aus Online-Quellen, also ohne Gewähr. So, jetzt aber endlich Besserwiss-Modus aus, ist ansonsten ein schöner Artikel!

  2. 7. Held?!

    Was hier unerwähnt bleibt ist, dass Scott sich und sein Team durch mangelnde Vorbereitung und falsche Planungen in den Tod geführt hat.
    Für mich ist das eine weniger heldenhafte Leistung...

    • hermie9
    • 25. Januar 2012 11:31 Uhr

    Also das mit dem Packeis und der Arktis ist ja jetzt geklärt. Übrigens lodjur, ich würde den Begriff Salzwassereis nicht verwenden, ist etwas mißverständlich, denn es beinhaltet natürlich keinerlei Salzanteile, klar ist aus Meereswasser entstanden.
    Mein Rat wäre keine Theaterwissenschaftlerin über ein geographisches Thema schreiben zu lassen, sachliche Fehler sind da vorprogrammiert. Werden Artikel eigentlich nicht mehr korrekturgelesen?

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