Am 15. Juni 1910 wurde der Walfänger Terra Nova von einer jubelnden Menge aus dem Hafen von Cardiff verabschiedet. An Bord waren der britische Marineoffizier Robert Falcon Scott und 65 Männer, unter anderem zwölf Wissenschaftler, die die Antarktis erforschen wollten . Zu dieser Zeit bedeutete das vor allem ein akribisches Sammeln und Identifizieren von Spezies. Die Expeditionsteilnehmer trugen 2.109 Tierarten und Fischexemplare zusammen, von denen 401 bis dahin unbekannt waren. Auch nahmen sie kiloweise Gesteinsproben, die Eier eines Kaiserpinguins und Pflanzenfossilien mit.

Das Wettrennen in der Antarktis verlor Scott: Der Norweger Roald Amundsen erreichte den Südpol vier Wochen vor ihm . Scott und seine Expeditionskollegen kamen auf dem Rückweg von diesem "entsetzlichen Ort" im antarktischen Packeis ums Leben. Neben den erfrorenen und verhungerten Männern wurde ein naturwissenschaftlicher Schatz geborgen – meteorologische Aufzeichnungen, Naturskizzen, Fotografien und 16 Kilogramm Fossilien.

Denn selbst als ihre Lage im ewigen Eis immer hoffnungsloser wurde und sie jeglichen Ballast vermeiden mussten, nahmen Scott und sein Team die Fundstücke mit. Eines war von ganz besonderer Bedeutung: der versteinerte Abdruck eines Glossopteris.

Glossopteris ist eine Gattung von Samenfarnen, die Ende des Trias vor rund 250 Millionen Jahren ausgerottet wurde. Solche Farne hatte man in Indien , Südamerika , Südafrika, Australien und nun eben auch in der Antarktis gefunden. Damit war zum einen bewiesen, dass das Klima am Südpol zu dieser Zeit so mild gewesen sein musste, dass Bäume, Sträucher und Farne wuchsen. Es warf zum anderen die Frage auf, ob die südlichen Kontinente und die Antarktis einst eine einzige Landmasse gewesen sein konnten.

Alfred Wegener, ein deutscher Meteorologe, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Theorie der Kontinentalverschiebung aufgestellt: Seiner These, Kontinente seien erst im Laufe der Zeit in ihre gegenwärtige Position gewandert, glaubten nur wenige.

Der Fund des Glossopteris änderte dies. Man kam zu dem Schluss, dass es einen Großkontinent Gondwana gegeben habe, zu dem neben Indien, Südamerika und der Antarktis auch große Teile Afrikas gezählt hatten. Die Sahara und das heutige Nordwestafrika lagen damals also in unmittelbarer Nähe zum Südpol. Es dauerte allerdings bis in die fünfziger Jahre, bis die Plattentektonik und das Gleichgewichtssystem von Erdkruste und Atmosphäre vollends akzeptiert wurden.

Als die Überlebenden der Terra-Nova-Expedition im Juni 1913 wieder in ihrem Heimatland eintrafen, wurde den wissenschaftlichen Errungenschaften des Korps viel Aufmerksamkeit zuteil. Man wollte davon ablenken, dass der zum Nationalhelden erhobene Scott nur Zweiter am Südpol geworden war.