Wenn der Student Adam Waterhouse morgens auf seinem Skateboard durch Christchurch zur Uni fährt, kommt er an Häusern vorbei, die seitlich gestützt werden, damit sie nicht umstürzen. Er passiert Gebäude mit zerstörten Fassaden und Brachland, auf dem einst Einfamilienhäuser standen. In der Straße sind viele Risse und Löcher – Adam Waterhouse kommt nur deshalb so gut voran, weil er auf seiner eigenen Erfindung unterwegs ist: einem speziellen Erdbeben-Skateboard. Es hat je sechs Rollen an der Vorder- und Hinterachse, die auch dann noch Halt bieten, wenn er über den aufgeplatzten Asphalt fährt.

Seit am 22. Februar 2011 zur Mittagszeit die Erde in Christchurch 24 Sekunden mit einer Stärke von 6,8 auf der Richterskala bebte, hat sich die Stadt stark verändert. Das Zentrum, in dem die meisten Gebäude zerstört wurden und die meisten der 181 Toten zu beklagen waren, ist immer noch größtenteils gesperrt. Wer heute als Tourist in die Stadt kommt, hat es schwer, eine Unterkunft zu finden: Viele der Hotels sind beim Erdbeben eingestürzt. Statt 6.500 Betten gibt es heute nur noch knapp 2.200.

Reiseführer haben ihre Gültigkeit verloren, denn viele der einstigen Geschäfte, Bars und Restaurants existieren nicht mehr oder sind an den Stadtrand umgezogen. Lonely Planet hat das Christchurch-Kapitel seines Neuseeland-Reiseführers bereits online überarbeitet, doch die Inhalte werden schon bald nicht mehr stimmen, weil sich die Stadt ständig verändert.

Addam Waterhouse mit seinem selbstkonstruierten Erdbeben-Skateboard © Adam Waterhouse

Auf die Idee war der 19-jährige Maschinenbau-Student nach dem Erdbeben vor einem Jahr gekommen, als das Leben in der Stadt fast zum Erliegen gekommen war. "Die Innenstadt war zerstört und unsere Studentenkneipe durfte man wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten. Da wird man kreativ und überlegt ständig, mit was man sich die Zeit vertreiben kann", sagt Adam. Er verbrachte sie damit, den Schutt auf den Straßen wegzuräumen, mehr für die Uni zu lernen, als er es sonst je getan hätte, und sein neuartiges Skateboard zu konstruieren: "Ich wollte mich wieder in der Stadt bewegen können. Und ich wollte trotz all des Schreckens und der Zerstörung wieder etwas Spaß in meinen Alltag bringen."

Zwar kann man 90 Prozent der Hauptattraktionen in Christchurch noch immer besuchen, wie etwa den Botanischen Garten, das International Antarctic Centre oder das Canterbury Museum, aber davon abgesehen hat sich Christchurch in eine Pop-Up-City voller temporärer Projekte verwandelt. Eins davon ist Re:Start – ein Labyrinth aus bunten Schiffscontainern, das derzeit als Einkaufszentrum dient. Im Oktober 2011 eröffnet, wirkt es inmitten der zerstörten Gebäude wie der trotzige Versuch, endlich wieder Lebensfreude in die Stadt zu bringen.

"Bereits einen Monat nach dem Erdbeben suchten wir nach Ideen, das Stadtzentrum neu zu beleben", sagt Mitinitiator Paul Lonsdale. "Erfahrungen in anderen Erdbebengebieten haben gezeigt, dass die Menschen sich andere Lebensmittelpunkte suchen, wenn man nicht innerhalb von sechs bis neun Monaten reagiert."

Die Container stehen heute dort, wo sich einst die Einkaufsstraße Cashel Mall befand, in der während des Bebens viele Menschen umkamen. Entsprechend groß war die Angst der Bewohner, diese Gegend wieder zu betreten. Doch der Versuch, "das Gefühl des Schocks in Begeisterung zu verwandeln", ist dem Team von Re:Start gelungen. "Das Projekt hatte einen sehr positiven Effekt", sagt Lonsdale. "Vorher waren die Leute pessimistisch, dass nie wieder jemand in Christchurch Geschäfte machen wollte, aber das Gegenteil ist der Fall. Neben vielen alteingesessenen Geschäften sind auch Läden aus anderen Landesteilen hier eingezogen. So geben wir der Stadt ihr Selbstwertgefühl zurück."