Arbeitskampf Zahl der Flugausfälle geht trotz Streiks zurück

Die Flugsicherung in Frankfurt streikt, aber nur ein kleiner Teil der Flüge muss gestrichen werden. Nun droht die Gewerkschaft damit, den Arbeitskampf nochmals ausweiten.

Trotz des Streiks am Flughafen Frankfurt konnten am Montag etwa 80 Prozent der Flüge starten und landen. Nur 240 der 1.250 geplanten Flüge hätten gestrichen werden müssen, sagte ein Sprecher des Flughafen-Betreibers Fraport. Für die Fluggäste habe es "keine erhöhten Wartezeiten" gegeben.

Gerade bei den interkontinentalen Flügen gebe es fast keine Probleme, hieß es. An den ersten beiden Streiktagen – Donnerstag und Freitag vergangener Woche – hatten nur jeweils etwa 70 Prozent der geplanten Flüge stattgefunden. Den Umständen entsprechend laufe der Verkehr geregelt ab, sagten Angestellte. Für Dienstag sagte die Lufthansa 160 Starts und Landungen ab.

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Streiks könnten auf gesamten Mittwoch ausgeweitet werden

Die Streiks der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hatten in der vergangenen Woche begonnen. Am frühen Montagmorgen legten Vorfeldpersonal und die Mitarbeiter der Verkehrszentrale dann erneut ihre Arbeit nieder. Der Ausstand soll eigentlich bis Mittwochmorgen dauern. Nun droht die Gewerkschaft aber damit, den Streik nochmals zu verlängern.

GdF-Chef Michael Schäfer sagte, am Abend solle über eine weitere mögliche Verlängerung beraten werden. Würden die Arbeitsniederlegungen auf den kompletten Mittwoch ausgeweitet, wolle die Gewerkschaft dies spätestens 24 Stunden zuvor mitteilen – also in der Nacht zum Dienstag.

Fraport setzt ehemalige Vorfeld-Beschäftigte sowie eigens für solche Fälle ausgebildete Mitarbeiter anstelle der Streikenden ein. Nach Angaben einer Lufthansa-Sprecherin helfen auch Lufthansa-Beschäftigte bei der Vorfeldkontrolle und -aufsicht aus. Kunden von Lufthansa und airberlin können zudem auf Züge der Deutschen Bahn umsteigen. Die Fluggesellschaften tauschen Flugtickets betroffener Passagiere in Fahrkarten um. Die Bahn will angesichts der Beeinträchtigungen im Flugverkehr alle zur Verfügung stehenden Züge einsetzen.

Fluggastrechte

Die Rechte von Fluggästen bei Verspätungen, Annullierungen und Überbuchungen sind im sogenannten Montrealer Übereinkommen und in der EU-Verordnung (EG) Nr. 261/2004 festgelegt. Beide Texte finden Sie zum Beispiel auf der Website der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (Söp) zum Download.

Betreuung

Bei Wartezeiten am Flughafen wegen verspäteter Flüge haben Reisende ein Anrecht auf Betreuung durch die zuständige Airline.

Ist ein Kurzstreckenflug mindestens zwei Stunden verspätet oder ein Langstreckenflug mindestens vier Stunden, müssen den Fluggästen laut EU-Verordnung "Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit angeboten werden". Außerdem dürfen die Reisenden unentgeltlich zwei Telefongespräche führen oder zwei Faxe oder E-Mails versenden.

Wer wegen eines ausgefallenen Fluges auf eine Übernachtung angewiesen ist, bekommt diese von der Airline gestellt. Die Hotelübernachtung darf jedoch nicht auf eigene Faust gebucht werden. Reisende sollten sich dafür unbedingt mit einem Mitarbeiter der Airline am Flughafen in Verbindung setzen.

Ausgleichszahlungen

Was höhere Gewalt ist, erläutert die Website der Verbraucherzentrale NRW. Schadensersatz wird nur in Ausnahmefällen gezahlt. Es ist nach Meinung der Experten nur in wenigen Fällen sinnvoll, auf Schadensersatz zu klagen. 

Fraport fordert GdF auf, Gespräche wieder aufzunehmen

Das Vorfeldpersonal ist eine kleine Berufsgruppe, hat aber eine zentrale Rolle auf dem Flughafen. Deshalb kann sie mit ihrem Arbeitskampf Starts und Landungen behindern.

Im Tarifkonflikt geht es nach Darstellung der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) um einen komplett neuen Tarifvertrag für die Beschäftigten. Fraport hatte in dem Streit einen Schlichter angerufen, will das Schlichtungsergebnis aber nicht akzeptieren. Das Unternehmen forderte die GdF auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

 
Leser-Kommentare
  1. dass hier die Reisenden als Geisel für ein unwürdiges Spiel eines kleinen, raffgierigen Kreises genommen werden.
    40.000 bis 50.000 schon jetzt für Leute, die (laut Wikipedia) eine nur zweijährige Ausbildung hinter sich haben, dachten wir.

    Nun sehen wir, dass diese durch "ehemalige Vorfeld-Beschäftigte sowie eigens für solche Fälle ausgebildete Mitarbeiter" oder "Lufthansa-Beschäftigte bei der Vorfeldkontrolle und -aufsicht" leicht ersetzt werden können.

    Eine Truppe, die so wenig drauf hat, dass man sie im Handumdrehen ersetzen kann, scheint mir mit dem oben genannten Gehalt jetzt schon überzahlt. Hoffentlich findet Fraport noch weitere Freiwillige, um ganz auf die Streikenden verzichten zu können.

  2. Die Piloten habens vorgemacht, die Lotsen zogen nach und nun die Nächsten. Man kann nur hoffen, dass sie nicht damit durchkommen. Aber auch wenn sie es schaffen - auf Dauer gesehen werden die Löhne der ganzen Luftfahrtbranche in ihrem "Entzauberungsprozess" auf ein angemessenes Niveau sinken. Das ist wohl einer der wenigen guten Verdienste der No-Frills-Airlines.

  3. so ist die Marktwirtschaft! Ja genau das was Ihr doch wohl wollt! Ihr könnt Millionen haben und könnt ohne Fluglotzen nicht fliegen! Nein, alles hat seinen Preis, oder Ihr gebt diese Dinge dem Staat in die Hände. Wer Marktwirtschaft will, der muß diese auch leben! Wer dieses übertreibt ,bekommt auf die Mütze!

  4. die "Zeit" (online) ist die einzige Zeitung, die zumindest in Ansätzen die Hintergründe des Streiks beleuchtet, dass es einen Schlichterspruch gibt, den die Arbeitgeber nicht akzeptieren. Frage: was schlug der Schlichter vor ?
    Auch hier wird nicht beleuchtet, dass es auch um veränderte Arbeitsbedingungen, größere Arbeitsbelastung und um eine Angleichung der Löhne zum Münchner Flughafen geht.
    Ansonsten in der Presse nur Arbeitgebersichtweise:
    unverantwortlich.... auf dem Rücken genervter Fluggäste... maßlose Forderung ... Minderheit erpresst...
    ich bin froh, heute kein Berufsanfänger mehr zu sein, trotz hoher Qualifikation Praktikant zu bleiben oder mit Zeitverträgen bei niedrigem Lohn keine gesicherte Zukunft aufbauen zu können

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