Joseph liegt im Schatten und schnurrt. Sein kurzes Fell fühlt sich rauer an als das von Hauskatzen. Sein Verhalten aber ist genauso sanftmütig – zumindest in diesem Augenblick. Entspannt genießt der prächtige Gepard die Streicheleinheiten der Touristen, die vor ihm auf dem Rasen kauern. Bonga Matina, Josephs Pfleger, hält den Kopf der Großkatze. Der Südafrikaner beobachtet seinen Schützling ganz genau. Sollte das Raubtier unruhig werden, müssten die Besucher das Gehege sofort verlassen. Damit dies im Ernstfall schnell geht, dürfen sie nur mit einem Knie auf dem Boden ruhen, das andere Bein bleibt aufgestellt.

"Joseph liebt es, gestreichelt zu werden", sagt Bonga. "Er ist in Gefangenschaft geboren und mit dem Fläschchen aufgezogen worden. In freier Wildbahn hätte er schlechte Karten. Aber er ist ein perfekter Botschafter für unser Schutzprogramm."

Tierschutz auf dem Weingut

Das Schutzzentrum Cheetah Outreach liegt 25 Autominuten von Kapstadt entfernt auf dem Weingut Spier, inmitten der idyllischen Winelands und Obsthaine des Kaps. Es ist kultiviertes Land. Hier kommen die Äpfel und Birnen her, die man im Frühjahr und Sommer in Deutschland kaufen kann. Eine der wichtigsten Aufgaben von Cheetah Outreach ist es, Werbung für den Schutz der schnellsten Landsäugetiere der Welt zu machen. Dafür ist der Standort ideal, denn die Gegend um das malerische Unistädtchen Stellenbosch ist ein beliebtes Ziel für Touristen und kulinarisch versierte Kapstädter. Im Frühsommer soll Cheetah Outreach umziehen: Der neue Standort Paardevlei, 15 Kilometer weiter südlich, gilt ebenfalls als reizvoll und liegt gut erreichbar in der Nähe einer Shoppingmall. Bisher kommen rund 100.000 Besucher im Jahr.

Auf der roten Liste der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources IUCN ist der afrikanische Gepard als gefährdet bis stark gefährdet gelistet, die asiatische Unterart als vom Aussterben bedroht. Um die Jahrhundertwende lebten Schätzungen zufolge 100.000 Geparden in Afrika und Asien . Heute gibt es nach Informationen des Zentrums nur noch etwa 7.500 dieser Tiere, 850 davon in Südafrika . Experten befürchten, dass sie in 15 Jahren in freier Wildbahn ausgestorben sein könnten.

Geparden sind aus mehreren Gründen besonders bedroht . Ihr Lebensraum wird durch den Menschen sehr eingeschränkt. Löwen und anderen großen Raubtieren sind sie unterlegen. Daher jagen sie oft außerhalb der Nationalparks, wo sie von Tierfarmern erschossen werden. "Da Geparden tagsüber jagen, werden sie öfter erwischt als nachtaktive Räuber", sagt Josephine. Die Studentin aus Hannover arbeitet für zwei Monate als sogenannte " volunteer " ehrenamtlich auf der Schutzstation. Die Betreuung der Besucher gehört zu ihren Hauptaufgaben.

Hunde als Gepardenschützer

Ausgerechnet Hunde tragen zum Schutz der Großkatzen bei. Riesige anatolische Hirtenhunde werden auf der Schutzstation gezüchtet und Tierfarmern kostenlos zur Verfügung gestellt. Diese besondere Rasse kann tagelang ohne Hirten selbstständig auf die Schafe oder Ziegen aufpassen. "Das erste Jahr zahlen wir auch das Futter und den Tierarzt. Die Hunde schützen die Herde und die Farmer lassen die Geparden in Ruhe", sagt Josephine. "In Namibia hat man schon große Erfolge mit solchen Aktionen erzielt." Das Hunde-Zuchtprogramm ist daher eines der Hauptprojekte von Cheetah Outreach.

Neben dem Schutz der freilebenden Tiere gehören die Aufzucht und Erforschung von in Gefangenschaft geborenen Geparden zu den Aufgaben des Zentrums. Ein eigenes Programm zur kontrollierten Nachzucht der Raubkatzenwelpen gibt es bislang noch nicht. Alle Botschafter-Geparden stammen daher aus spezialisierten Zucht-Einrichtungen, die meisten aus dem De Wildt Breeding Centre . Auch Joseph wurde dort geboren. "Als er drei Monate alt war, kam er dann zu uns", sagt Pfleger Bonga Matina. Er nennt Joseph "unseren Filmstar": Joseph tourte zu Veranstaltungen nach Kapstadt. Zurzeit leben zehn erwachsene Geparden in Spier, nur vier davon sind zahm genug, um Botschafter zu sein.