Mehr als 5.000 Passagiere, dazu 2.100 Besatzungsmitglieder, Pool, Theater, Parklandschaften – die Kreuzfahrtschiffe, die in den vergangenen Jahren gebaut wurden, bieten von allem mehr. Und so soll es nach dem Willen der Branche weitergehen. Denn die Kreuzfahrtindustrie wächst seit Jahren: Die Schiffe werden immer größer, sodass sich durch niedrigere Preise mehr Touristen Kreuzfahrten leisten. Das Wachstum führt auch dazu, dass immer größere Schiffe gebaut werden. Und um nicht immer dieselben Häfen anzulaufen und durch Wiederholung Stammkunden zu verlieren, werden immer neue Routen und Konzepte gesucht.

Gleichzeitig bemühen sich die Kreuzfahrtfirmen, ihre Passagiere nicht nur an Bord und bei Landgängen, sondern auch bei der An- und Abreise umfassend selbst zu betreuen. Sie versuchen also, die ganze Wertschöpfungskette zu kontrollieren. In Häfen werden neue Terminals gebaut, um An- und Abreise der Passagiere zu vereinfachen und logistisch steuern zu können: "Seit den frühen 2000er Jahren besitzen Kreuzfahrtunternehmen Terminals, Läden und in einigen Fällen auch Hotels, die den Terminals angeschlossen sind", sagt Ross Klein, Professor für Sozialarbeit an der Memorial Universität in Neufundland . Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Kreuzfahrtindustrie und betreibt das Online-Portal Cruise Junkie .

Als Beispiele nennt er in der Karibik die Turks- und Caicosinseln, die mexikanische Insel Cozumel, Belize City und die Insel Roatan in Honduras . "In Europa betrifft dies unter anderem die türkische Insel Kuşadası und außerdem einige italienische Häfen wie Neapel , Savona und Genua", sagt Klein.

Das Unternehmen Costa Crociere ist nach Auskunft seines Sprechers Ralph Steffen zum Beispiel an Kreuzfahrtterminals in Savona in Italien und La Romana in der Dominikanischen Republik beteiligt. Das Terminal Palacruceros in Barcelona ( Spanien ) wurde mit elf Millionen Euro sogar vollständig von Costa finanziert.

Wie viel Geld Passagiere in den Häfen und Städten ausgeben, in denen die Kreuzfahrtschiffe anlegen, ist umstritten. Klein sagt: "Die Zahlen der Kreuzfahrtunternehmen suggerieren einen großen ökonomischen Einfluss: Demnach geben Passagiere 100 Dollar pro angelaufenem Hafen aus. Allerdings basieren diese Zahlen nicht auf Studien, sondern auf Schätzungen." Klein verweist hingegen auf eine Studie in Belize und Costa Rica: Kreuzfahrtpassagiere stellen in diesen Ländern demnach 75 bis 80 Prozent der ausländischen Touristen, doch davon profitieren nur zehn Prozent der im Tourismus Beschäftigten.

"Diese Studien zeigen auch, dass Kreuzfahrtpassagiere weniger als 50 Dollar ausgeben, und damit weniger als die Hälfte dessen, was die Kreuzfahrtindustrie behauptet", sagt Klein. Ähnliche Zahlen ergaben sich in anderen Studien, zum Beispiel für Kroatien.

Wie viel auch immer an Land bleibt, die Kreuzfahrtunternehmen sind daran interessiert. Deshalb privatisieren große Firmen ganze Inseln. Beliebt ist vor allem die Halbinsel Labadee, die zu Haiti gehört : Royal Caribbean International hat Teile gepachtet – und nutzte sie 2010 auch direkt nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti . Berichte über urlaubende Kreuzfahrttouristen sorgten damals für Aufregung, standen sie doch in deutlichem Kontrast zum Leid der Erdbebenopfer. 2009 wurde der Hafen der Insel so ausgebaut, dass das damals größte Schiff der Welt, die Oasis of the Seas , dort anlegen kann.

Auch auf den Bahamas und in der Dominikanischen Republik haben Kreuzfahrtreedereien Privatinseln langfristig gepachtet oder gekauft. Die drei größten Unternehmen der beim Verband der Kreuzfahrtreedereien CLIA organisierten Reedereien nutzen hier Inseln für ihre Passagiere. Royal Caribbean International nutzt Coco Cay auf den Bahamas. Norwegian Cruise Line besitzt Great Stirrup Cay auf den Bahamas. Costa Corciere, eine Tochter des weltgrößten Kreuzfahrtunternehmens Carnival Corporation, besitzt die Konzession, Catalina Island in der Dominikanischen Republik als Privatstrand zu nutzen. Die knapp zehn Quadratkilometer große Insel steht seit 1995 unter Naturschutz; in der Wintersaison legt die Costa Mediterranea einmal pro Woche dort vor der Küste an, sagt Costa-Sprecher Steffen.