Leserartikel

BalkanKein Strandurlaub in Albanien

Leser Eckhard Strittmatter flog für eine Fototour in die Hafenstadt Durrës. Er entdeckte dort römische Ruinen, gastfreundliche Albaner und den Palast eines Königs.

Als ich in Durrës ankomme, weiß ich nicht so recht wohin und frage einen Mann an einem Kiosk. Er heißt Buyar. Ohne lange zu überlegen schließt Buyar sein Geschäft, um mich zu einem Hotel zu bringen, das nur wenige hundert Meter entfernt im Stadtzentrum liegt. Er kennt den Besitzer. Obwohl das Hotel ausgebucht ist, bekomme ich dank Buyar noch ein Zimmer – für umgerechnet 16 Euro pro Nacht.

Durrës ist nicht nur Hafenstadt, sondern auch ein beliebtes Touristenziel. Südlich der Stadt gibt es einen kilometerlangen Strand mit Hotelburgen. Die meisten Urlauber sind Albaner und Kosovo-Albaner. Im Sommer ist hier kaum ein Zentimeter breit Platz – dicht gedrängt stehen die Liegen und Sonnenschirme am Strand.

Anzeige

Der Strand interessiert mich nicht. Ich will mir König Zogs Palast ansehen. Es ist die Immobilie eines Mannes, der sich 1928 selbst zum König der Albaner ernannte. Heute gehört sie seinem Sohn und kann besichtigt werden.

Eine einsame Straße führt einen Hügel hinauf. Keine Menschenseele ist zu sehen. Hinter einer Stacheldrahtabsperrung treffe ich einen Wärter. Nach einem Gespräch gewährt er mir Eintritt in einen Palast mit vielen Sälen und Zimmern. Ich genieße einen atemberaubenden Ausblick aufs Meer und die Küste.

Leserartikel auf ZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE präsentiert regelmäßig ausgewählte Leserartikel, die unsere eigenen Inhalte um zusätzliche Meinungen, Erfahrungsberichte und Sichtweisen bereichern. Vor der Veröffentlichung nehmen wir mit den Autoren Kontakt auf und sprechen über den Text, anschließend wird der Leserartikel von uns redigiert und bebildert. Auch bei Leserartikeln, die unter Pseudonym veröffentlicht wurden, kennt die Redaktion Namen und Anschrift des Autors. Alle weiteren Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.

Leserartikel schreiben

Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Was freut, ärgert oder verwundert Sie? Welches Buch, welche Musik oder welchen Film würden Sie gerne einmal auf ZEIT ONLINE rezensieren? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihren Leserartikel. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie alle wichtigen Hinweise, wie Sie beim Verfassen Ihres eigenen Artikels für ZEIT ONLINE vorgehen sollten.

Zur Artikeleingabe

Der ZEIT-ONLINE-Wald

Als symbolisches Dankeschön pflanzen wir für jeden Leserartikel, den wir veröffentlichen, einen Baum. Dabei arbeiten wir mit iplantatree.org zusammen. Zum Start des neuen Leserartikel-Projekts haben wir schon 1000 Bäume in Berlin Friedrichshagen gepflanzt und hoffen, dass daraus im Lauf der Jahre ein ganzer ZEIT-ONLINE-Wald wird. Mehr Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.

Zogs Haus ist ein Paradies für Fotografen: Marmortreppenaufgänge zeugen von vergangenem Reichtum. Die Parkettfußböden wurden teilweise herausgerissen. Der König selbst floh ins Exil nach Griechenland und kehrte nie wieder zurück. Heute wohnt der Wind in seinem Haus, der durch die lichtdurchfluteten Säle pfeift.

Durrës verfügt über viele beeindruckende römische Ruinen. Ein riesiges Amphitheater aus dem zweiten Jahrhundert ist mit 15.000 Sitzplätzen das größte auf dem Balkan. Und es ist in einem bedauernswerten Zustand.

Auch die Säulen eines altrömischen Forums aus dem fünften Jahrhundert werden durch Schmierereien verschandelt. Mietskasernen aus den sechziger Jahren stehen davor. Heruntergekommene Häuser gibt es in Durrës in allen Größen und Stilrichtungen. Dazu Unmengen von Kabeln für Strom und Telefon, die quer über die Straße gespannt sind.

Doch in der einen Woche in Durrës lerne ich nicht nur Ruinen kennen, sondern auch viele Leute, die ich an meinem letzten Abend dort zu meinem Geburtstag einlade. Lavia, die Hotelbesitzerin, lässt für meine Gäste und mich ein albanisches Menü zubereiten. Als ich in Berlin losgeflogen bin, hätte ich nie gedacht, dass ich meinen Geburtstag in Durrës mit zwölf zuvor wildfremden Albanern feiern werde.

Am nächsten Tag geht es zurück nach Deutschland – mit einer Menge schöner Erinnerungen und Fotografien im Gepäck.

 
Leserkommentare
  1. @Herr Strittmatter
    Ich wollte Sie auf etwas aufmerksam machen.Das albanische Ypsilon Y wird wie das deutsche "ü" ausgesprochen.
    Buyar gibt es nicht im albanischen,jedenfalls nicht,wenn der Name albanischen Ursprungs ist/sein soll.Bujar ist ein albanischer Name und bedeutet so viel wie großzügig.
    Der Mann vom Kiosk hieß bestimmt Bujar und nicht Buyar.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... ist das nicht vollkommen rille?
    Ich finds schön zu reisen und die Dinge auf sich zukommen zu lassen. Pauschalurlaube sind für mich eine Horrorvorstellung!

    ... ist das nicht vollkommen rille?
    Ich finds schön zu reisen und die Dinge auf sich zukommen zu lassen. Pauschalurlaube sind für mich eine Horrorvorstellung!

  2. ... ist das nicht vollkommen rille?
    Ich finds schön zu reisen und die Dinge auf sich zukommen zu lassen. Pauschalurlaube sind für mich eine Horrorvorstellung!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Korrektur"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle Leserartikel
  • Kommentare 2
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Balkan | Albanien | Fotografie | Exil | Forum | Griechenland
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service