Als ich in Durrës ankomme, weiß ich nicht so recht wohin und frage einen Mann an einem Kiosk. Er heißt Buyar. Ohne lange zu überlegen schließt Buyar sein Geschäft, um mich zu einem Hotel zu bringen, das nur wenige hundert Meter entfernt im Stadtzentrum liegt. Er kennt den Besitzer. Obwohl das Hotel ausgebucht ist, bekomme ich dank Buyar noch ein Zimmer – für umgerechnet 16 Euro pro Nacht.

Durrës ist nicht nur Hafenstadt, sondern auch ein beliebtes Touristenziel. Südlich der Stadt gibt es einen kilometerlangen Strand mit Hotelburgen. Die meisten Urlauber sind Albaner und Kosovo-Albaner. Im Sommer ist hier kaum ein Zentimeter breit Platz – dicht gedrängt stehen die Liegen und Sonnenschirme am Strand.

Der Strand interessiert mich nicht. Ich will mir König Zogs Palast ansehen. Es ist die Immobilie eines Mannes, der sich 1928 selbst zum König der Albaner ernannte. Heute gehört sie seinem Sohn und kann besichtigt werden.

Eine einsame Straße führt einen Hügel hinauf. Keine Menschenseele ist zu sehen. Hinter einer Stacheldrahtabsperrung treffe ich einen Wärter. Nach einem Gespräch gewährt er mir Eintritt in einen Palast mit vielen Sälen und Zimmern. Ich genieße einen atemberaubenden Ausblick aufs Meer und die Küste.

Zogs Haus ist ein Paradies für Fotografen: Marmortreppenaufgänge zeugen von vergangenem Reichtum. Die Parkettfußböden wurden teilweise herausgerissen. Der König selbst floh ins Exil nach Griechenland und kehrte nie wieder zurück. Heute wohnt der Wind in seinem Haus, der durch die lichtdurchfluteten Säle pfeift.

Durrës verfügt über viele beeindruckende römische Ruinen. Ein riesiges Amphitheater aus dem zweiten Jahrhundert ist mit 15.000 Sitzplätzen das größte auf dem Balkan. Und es ist in einem bedauernswerten Zustand.

Auch die Säulen eines altrömischen Forums aus dem fünften Jahrhundert werden durch Schmierereien verschandelt. Mietskasernen aus den sechziger Jahren stehen davor. Heruntergekommene Häuser gibt es in Durrës in allen Größen und Stilrichtungen. Dazu Unmengen von Kabeln für Strom und Telefon, die quer über die Straße gespannt sind.

Doch in der einen Woche in Durrës lerne ich nicht nur Ruinen kennen, sondern auch viele Leute, die ich an meinem letzten Abend dort zu meinem Geburtstag einlade. Lavia, die Hotelbesitzerin, lässt für meine Gäste und mich ein albanisches Menü zubereiten. Als ich in Berlin losgeflogen bin, hätte ich nie gedacht, dass ich meinen Geburtstag in Durrës mit zwölf zuvor wildfremden Albanern feiern werde.

Am nächsten Tag geht es zurück nach Deutschland – mit einer Menge schöner Erinnerungen und Fotografien im Gepäck.