Die meisten Besucher Costa Ricas wissen, dass das Land keine Insel ist. Darum war ich erstaunt, als mir einst ein Oberstudienrat sagte, ich würde auf einem Eiland leben. Costa Rica heißt zwar übersetzt "Reiche Küste", ist aber nicht komplett von Wasser umgeben.

Als ich von einer Deutschlandreise in meine Wahlheimat zurückkehrte, wünschte sogar die Stewardess uns Passagieren einen "schönen Aufenthalt auf der Urlaubsinsel". Und auch in der deutschen Presse führt das kleine Land zwischen Nicaragua und Panama häufig ein Insel-Dasein. Offensichtlich wird es mit der Antilleninsel Puerto Rico verwechselt.

Aufgrund seiner Lage zwischen acht und elf Grad nördlicher Breite befindet sich Costa Rica in den Tropen. Der Staat liegt in Mittelamerika, auf der Landbrücke zwischen den beiden großen Kontinenten Nord- und Südamerika. Es ist ein Land, so schmal wie die Taille einer schönen Frau, lautet ein indianisches Sprichwort.

Ein Autofahrer kann auf dem 51.100 Quadratkilometer kleinen Costa Rica an einem Tag von Küste zu Küste gelangen. Doch warum so eilig? Es gibt so viel zu sehen und zu erleben: Im Osten liegt der Atlantik, im Westen der Pazifik. Diese beiden Meere prägen die Landschaft ebenso wie die mehr als 3.000 Meter hohe Gebirgskette, welche Costa Rica von Nordwesten nach Südosten durchzieht.

Damit gehört die Präsidialrepublik zu den abwechslungsreichsten Ländern des Isthmus. Sie hat mehr als ein Viertel ihres Territoriums unter Naturschutz gestellt. Auf einer Fläche, die nur wenig größer ist als das Bundesland Niedersachsen, beherbergt Costa Rica fünf Prozent aller bekannten Tier-und Pflanzenarten dieses Planeten.

Mehr noch als von der Schönheit der Natur, fühlen sich Besucher von der sympathischen Wesensart der 4,3 Millionen Costa-Ricaner angezogen. Nach einer Studie der Erasmus-Universität von Rotterdam aus dem Jahr 2011 gehören sie zu den glücklichsten Menschen der Welt – trotz Korruption, steigenden Lebenshaltungskosten, Verschuldung, Verkehrsinfarkt und zunehmender Kriminalität.

Die Ticos, wie sich die Einheimischen selbst nennen, sind friedliebend, freundlich und hilfsbereit. Ihre positive Lebenseinstellung lässt sich am besten in der spanischen Landessprache ausdrücken: Die Grußformel Pura Vida ist buchstäblich eine Vokabel "voller Leben". Das Heute interessiert hier mehr als das Morgen. Hier hat man noch Zeit, vor allem auf dem Lande. Und sei es für ein Schwätzchen mitten auf der Straße, quer über die Fahrbahn, oder von Autofenster zu Autofenster.