Majestätisch und erhaben sind wohl die meistgebrauchten Adjektive, wenn man über Adler spricht. Und wer schon mal einen Seeadler hat kreisen sehen, wird diese Beschreibung sicher bestätigen. Das Attribut selten wird glücklicherweise immer weniger gebraucht.

Denn es gab eine Zeit, in der der Adlerbestand in Deutschland kurz vor dem Aussterben stand. Als vermeintlicher Futterkonkurrent wurde der Adler seit jeher gejagt, ab den 1950er Jahren durch das Pestizid DDT indirekt vergiftet und so beinahe ausgerottet. Dank intensivem Artenschutz hat sich der Bestand der Seeadler und Fischadler inzwischen wieder erholt. Gab es in den 1970er Jahren gerade noch 40 Fischadler-Brutpaare in Deutschland, so sind es heute etwa 500.

Ähnlich sieht es mit dem Seeadlerbestand aus. Vor 40 Jahren fast ausgerottet, brüten heute in Deutschland wieder fast 600 Paare – die meisten davon in Mecklenburg-Vorpommern . Der Seeadler (Haliaeetus albicilla) ist der größte Greifvogel in unseren Breiten. Er ist etwa 75 bis 95 Zentimeter groß und hat eine Spannweite von bis zu 2,50 Metern. Sein Gefieder ist braun, der kräftige Schnabel gelb, Altvögel haben einen weißen Schwanz. Das Flugbild wirkt bei ausgestreckten Schwingen brettartig.

Der Flug des deutlich kleineren Fischadlers (Pandion haliaetus) erscheint eleganter, seine Schwingen sind schlanker und leicht geschwungen. Vor allem aber fliegt er schneller. Der Fischadler misst etwa 55 Zentimeter bei einer Spannweite bis zu 1,70 Metern. Charakteristisch sind die weiße Unterseite und der weiße Kopf mit dem dunklen Augenstreif.

Da die Seeadlerpaare, die ein Leben lang beisammen bleiben, ihre Nester mehrere Jahre benutzen, können mächtige Horste, vorzugsweise in hohen Bäumen im Wald oder am Waldrand entstehen. Der Fischadler benötigt aufgrund seiner hohen Fluggeschwindigkeit Baumkronen, die über das Walddach hinausreichen, oder hohe, einzeln stehende Bäume, alternativ brütet er vorzugsweise auf Strommasten. Der Seeadler ist ein vielseitiger Jäger, er schlägt Fische, kleine Säugetiere und Wasservögel. Der Fischadler dagegen hat einen eher einseitigen Speiseplan: Er frisst ausschließlich Fisch; damit ist auch die Namensherkunft geklärt.

Das Beuteschema der Greifvögel hat Auswirkungen auf ihr Reiseverhalten. Da die Gewässer in Nordeuropa chronisch Gefahr laufen, des Winters zuzufrieren, zieht es den Fischadler in sein Winterdomizil nach Afrika . Der Seeadler indes nimmt auch mit Enten oder halbgefrorenem Aas vorlieb, was vielleicht nicht wählerisch oder edel klingt, es dem Greif aber ermöglicht, einen strengen mecklenburgischen Winter zu überstehen.

Die besten Chancen einen Seeadler zu beobachten, hat man natürlich in den geschützten Gebieten Mecklenburgs: allen voran im Naturpark Feldberger Seenlandschaft im Osten. Zahlreiche Brutpaare gibt es auch in der Gegend um Warin im Naturpark Sternberger Seenland ganz im Westen der Seenplatte. Und natürlich kreist der Seeadler auch über dem Müritz-Nationalpark .
Den spektakulären Sturzflug des Fischadlers sieht man am ehesten im Herzen des Müritz-Nationalparks, hier befindet sich die größte Bestandsdichte. Zahlreiche Nester sitzen auf Strommasten um Federow und um Kratzeburg.

Nicht zu Gesicht bekommen wird man wohl den Schreiadler (Aquila pomarina). Der auch Pommernadler genannte Greifvogel ist von ähnlicher Größe wie der Fischadler und überwintert ebenfalls in Afrika. Nur ist er leider sehr selten und steht ganz oben auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Wer aber einen Adler sieht, der geschwind über Feld oder Wiese schreitet, der beobachtet wohl einen Schreiadler . Der Pommernadler nämlich jagt auch zu Fuß.

Informationen erhält man unter anderem in der Nationalpark-Information Federow im Müritz-Nationalpark; es werden auch geführte Touren angeboten. Ende März bis Ende September täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, im Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr, im Winter geschlossen. 17192 Federow, Tel. 03991-668849, www.nationalpark-service.de.

Dieser Text ist im Michael Müller Verlag erschienen.