Weltraum-TourismusDer Zahnarzt im Weltall
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 "Wir sind kein Weltraum-Taxi"

Fünf Tage Training für 60 Minuten Flug, davon fünf Minuten außerhalb der Erdatmosphäre: Das Lynx Mk II-Raumschiff von der kalifornischen Firma XCOR ist 8,51 Meter lang, 2,20 Meter hoch und hat eine Flügelspannweite von 7,30 Meter. Es passen zwei Personen in die Kabine – der Pilot und der Tourist. Privat Concierge Haltinner sagt: "Wir sind schließlich kein Weltraum-Taxi."

Vier Raketentriebwerke werden mit Kerosin und flüssigem Sauerstoff betrieben; die maximale Geschwindigkeit des Raumschiffs soll 2,9 Mach betragen, mehr als 3.500 Kilometer pro Stunde. "Wir können von jedem Flughafen starten", sagt Harry van Hulten, "wir fangen jetzt erstmal mit Curaçao an." Nach einem Vertikalstart ist das Raumschiff binnen drei Minuten auf knapp 60 Kilometer Höhe, wo die Motoren ausgeschaltet werden. "In 103 Kilometern Höhe sind wir vier bis sechs Minuten schwerelos, bevor wir wieder in die Erdatmosphäre eintreten", sagt van Hulten. Nach "plus minus 60 Minuten" lande die Lynx wieder.

Allein das Raumschiff existiert noch nicht. Noch arbeitet die kalifornische Firma XCOR daran; eventuell wird der Prototyp in diesem Sommer fertig. Da Raketenantriebe besonderen Sicherheitsstufen unterliegen, kann van Hulten keine Raumschiffe kaufen: SXC muss die Flugzeuge leasen. In den ersten Jahren werden aus diesem Grund auch nur amerikanische Piloten und Techniker die Lynx fliegen und warten dürfen. Harry van Hulten, der niederländische Luftwaffen-Pilot, glaubt aber fest daran, dass er "der erste ausländische Pilot sein wird, der die Lynx fliegt". Im Cockpit in der XCOR-Konstruktionshalle habe er schon gesessen.

Flugplan des Raumschiffs "Lynx"
Bitte klicken Sie auf das Bild, um den Flugplan zu vergrößern.

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Van Hulten ist überzeugt, dass Raumfahrtorganisationen wie Esa und Nasa mit SXC kooperieren wollen: "Wir können mit der Lynx kleine Satelliten aussetzen und bei jedem Flug wissenschaftliche Experimente ausführen." Bis 2017 will SXC zwei Hangars und ein Space-Edutainment-Center in Curaçao bauen. Es sei möglich, jeden Tag mehrere Flüge ins All anzubieten. Mitbewerbern der kommerziellen Weltraumfahrt, die bislang erfolglos bleiben, bietet Harry van Hulten großzügig an: "Wir laden Richard Branson ein, von Curaçao Flüge zu starten. Vielleicht ist das schöner als in der amerikanischen Wüste."

Bis jetzt verkaufen Pilot Harry van Hulten und Privat Concierge Henning Richard Haltinner Träume. Dass der erste Deutsche Weltraum-Tourist ein Zahnarzt sein wird und kein Prominenter, macht für sie keinen Unterschied. Einem Fernsehsender hatte Haltinner zuvor gesagt, Jos Gal sei "der Gierige" der Interessenten gewesen. Haltinner sagt, selbstverständlich seien auch seine prominenten Kunden – "aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Film, deren Namen ich aufgrund der Diskretionsklausel in meinen Verträgen nicht nennen kann" – daran interessiert gewesen, als erste Deutsche im All zu sein. Ein ehemaliger Politiker jedoch habe aus Sorge vor Kritik am Weltraumtourismus durch Umweltschützer nicht an die Öffentlichkeit treten wollen.

Immerhin hat Harry van Hulten für seine Firma SXC prominente Botschafter engagiert, die "einen Teil unserer Zielgruppe repräsentieren". Das sind Martin Schröder von Martinair für die Luftfahrtindustrie, die ehemalige Olympia-Siegerin Erica Terpstra "als Silver Surfer, die durch ihre ökonomische Freiheit jetzt das Leben genießen", und Hensley Meulens, der "beste Baseball-Spieler Curaçaos". Als das "beste Exportmodell der Niederlande" darf das Super- und Unterwäsche-Model Doutzen Kroes Weltraum-Botschafterin sein. Wegen seiner spacigen Sounds ist auch DJ Armin van Buuren SXC-Botschafter; außerdem hat "er 600.000 Follower auf Twitter", so van Hulten. 

Privat Concierge Henning Richard Haltinner hat den auffällig-unauffälligen Blick auf seine Armbanduhr perfektioniert: Die Herren haben nicht ewig Zeit, denn nach der Pressekonferenz sind jene zum Lunch geladen, die auch die ersten im Weltall sein wollten, "es aber nicht geschafft haben". Vor Anfragen könne er als einziger "Reseller" von SXC, also Vertriebspartner, im deutschsprachigen Raum nicht retten, 35 Anfragen habe er allein in den vergangenen beiden Wochen bekommen. Die Herausforderung sei nun, diese zu bewältigen: "90 Prozent der Anfragen kommen von Männern. Die paar Frauen, die anfragen, sind die ganz verrückten."

 
Leser-Kommentare
  1. seltsamsten Blüten.

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  2. 2. Dinge,

    die die Welt nicht braucht.

  3. "Wir können mit der Lynx kleine Satelliten aussetzen und bei jedem Flug wissenschaftliche Experimente ausführen."

    Genau an dieser Stelle haben sich die netten Herren geoutet, dass sie nicht im entferntesten eine realistische Sicht auf das haben, was sie dort vor haben. Traumtänzereien... mehr kann ich dazu nicht sagen.

    2 Leser-Empfehlungen
  4. für die Golfer - mentales handicap inklusive - Hauptsache Marketing und Refinanzierung stimmen, nicht?

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  5. Ich kann mir gut vorstellen, dass in ein paar Jahrzehnten Weltraumtourismus was ganz normales ist.

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  6. ... und auf der Erde verhungern Menschen.

  7. Was ist das?
    Wer hat denn die Sterne vergeben?
    Und wofür?

  8. weiß DIE ZEIT, welche Themen wichtig sind.

    Ein Zahnarzt im Weltall? Toll!

    De neuesten Entzwicklungen in Sachen Euro? Banal!

    Schicksale der Verlierer dieser Gesellschaft? Bitte verderbt den Zahnärzten mit solchen Geschacklosigkeiten nicht den Appetit!

    Dann schon liebner die Prinzessinnenquote, das neueste Edelgericht, ein bisschen was über Mode und Zahnärzte auf Urlaubstrip...

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