Reisen und InternetWie sich Reisende durch Crowdfunding finanzieren
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Die Idee des Crowdfunding stammt aus den USA. Die weltweit größte Förder-Plattform Kickstarter, die vielen anderen Portalen als Vorbild dient, wurde 2009 gegründet, um kreative Projekte unterstützen, die mangels Größe oder wirtschaftlichen Nutzens auf herkömmlichen Wegen nicht finanzierbar sind. "Kreativität ist dabei ein weit gefasster Begriff", sagt David Holetzeck, Gründer der deutschen Crowdfunding-Plattform Pling. Beim Reisen mit Crowdfunding gehe es zum Beispiel nicht darum Urlaubsaufenthalte zu finanzieren. "Die Reise wird bei den Projekten zum Zweck, etwa um ein Buch oder Blog zu schreiben, ein Video zu drehen oder auch als Band auf Tour zu gehen."

Erfolgreich finanzierte Reise-Projekte sind oft große Abenteuer, wie die 12.000 Kilometer, die Hansen und Paul Höpner im Sommer 2012 bis nach Shanghai mit dem Fahrrad zurücklegen wollen. Ihre Reisekasse haben sie dafür mit 9.000 Euro bei Pling gefüllt. Von der wochenlangen Radelei wollen die Zwillingsbrüder aus Berlin neben persönlichen Dankeschöns für die Unterstützer auch das Material für ein multimediales Roadtrip-Buch mitbringen.

Die Qualität der Kampagne ist wichtiger als das Thema der Reise

Auf der amerikanischen Plattform Kickstarter lässt ein Vater eine Wohnmobil-Reise mit seinen Skateboard-begeisterten Söhnen quer durch die USA finanzieren – mit dem Versprechen, anschließend einen Führer über die besten Skateparks zu schreiben. Auch weltreisende Flitterwöchner, Reisen zu sozialen Projekten oder Mediationstrips werden im Tausch gegen Blogeinträge, Videos oder Fotostrecken von der Masse finanziert.

Crowdfunding-Plattformen

Die größte Crowdfunding-Plattform weltweit ist Kickstarter: Pro Woche werden hier im Schnitt zwei Millionen US-Dollar Fördergeld gesammelt.

Die größte deutsche Crowdfunding-Plattform ist Startnext. Seit dem Start im Oktober 2010 wurden rund 3.260 Projekte mit insgesamt 242.000 Euro erfolgreich finanziert.

Für dieses Frühjahr ist der Start von We get there geplant. Das Portal soll die erste Crowdfunding-Plattform ausschließlich für Reisen werden.

Weitere Crowdfunding-Plattformen sind Pling, MySherpas, Inkubato, Visionbakery und Indiegogo.

Das Prinzip

Prinzip: Crowdfunding funktioniert auf allen Plattformen ähnlich. Zugelassen werden nur Projekte, die einen konkreten Plan zur Umsetzung mitbringen, wie eine klar definierte Finanzierungssumme und Termine für die Realisierung. Unterschiede gibt es zum Beispiel darin, welche Projekte zum Crowdfunding zugelassen werden: Kickstarter oder Startnext wollen zum Beispiel hauptsächlich Kreative unterstützen, Indiegogo und andere Plattformen lassen dagegen auch private Projekte zu.

Laufzeit: Ein gestartetes Projekt erhält eine fixe Laufzeit. Wie lang diese ist und ob sie frei wählbar ist, hängt von der jeweiligen Plattform ab. Kürzere Laufzeiten, etwa 30 Tage, sind empfehlenswerter als längere, da die Gründer sich so auf die Kommunikation ihres Projektes konzentrieren können.

Alles-oder-nichts: Der Projekt-Gründer erhält in der Regel nur dann Geld, wenn die komplette Fundingsumme erreicht wird. Bei Nicht-Erfolg geht das Geld vollständig an die Unterstützer zurück. Allerdings gibt es auch Plattformen, wo man eine Teilfinanzierung wählen kann.

Gebühren: Bei Finanzierungserfolg behalten die meisten Plattformen einen Teil der Fördersumme als Verwaltungsgebühren ein (zum Beispiel sieben Prozent bei Pling).

Zahlungsabwicklung: Von Portal zu Portal verschieden. Zum Beispiel arbeitet Startnext unter anderem mit der FidorPay und Sofortüberweisung.de, Pling mit Paypal, Kickstarter wickelt Zahlungen über Amazon ab. Dadurch beschränkt sich auch der Zugang zu den Plattformen: Aus dem Ausland kann man zum Beispiel nicht ohne weiteres ein Projekt auf Kickstarter einstellen, da man für die Registrierung im Amazon-Zahlsystem einen amerikanischen Pass oder Führerschein braucht.

"Ob Reise-Projekte – und Crowdfunding-Initiativen überhaupt – erfolgreich unterstützt werden, liegt weniger am Thema, als an der Qualität der Kampagne", sagt Nic Baddour, Marketing-Analyst bei der kalifornischen Crowdfunding-Plattform Indiegogo. Projekte, die Videos zur Präsentation einsetzten, sammelten auf Indiegogo etwa 114 Prozent mehr Geld ein als die ohne Video. Außerdem müsse der Gründer in sozialen Netzwerken, Blog und über Twitter für sein Projekt werben. "Wer alle ein bis fünf Tage Updates sendet, erhält doppelt so viel Förderung wie Projekte, die das nicht tun", sagt Baddour.

Hansen und Paul Höpner, deren Berlin-Shanghai-Radtour im letzten Moment erfolgreich finanziert wurde, haben diese Erfahrung gemacht: "Wenn wir News gepostet haben, sind sofort die Besucherzahlen gestiegen", sagt Paul Höpner. "Geholfen hat auch, dass wir während der Finanzierungsphase noch ein Video gemacht haben. Im Netz sind die Menschen einfach lesefaul."

Unterstützung für Authentizität

Wer seine Reise per Crowdfunding finanzieren möchte, sollte die Werkzeuge des Web 2.0 beherrschen. Trotzdem muss man kein Multimedia-Genie sein. "Es ist praktisch, wenn man weiß, wie man ein Video dreht", sagt die Island-Abenteurerin Harden. "Aber es geht vielmehr darum, ehrlich auszudrücken, warum man das unbedingt machen will." Auch David Holetzeck von Pling sagt: "Je authentischer der Projektgründer auftritt, je mehr er von sich Preis gibt, desto einfacher ist es, Unterstützer zu finden."

Harden hat sich für ihr Video zur Präsentation ihres Island-Projekts allein mit der Kamera in den Wald gesetzt – nachdem sie ein vorher aufwendig ausgearbeitetes Interview-Konzept verworfen hatte, "weil es nicht funktionierte". Auch für ihr neues Projekt, eine filmische Radtour durch die bedrohte Natur Madagaskars, die sie aktuell mit Crowdfunding finanziert, stellt sie sich scheinbar spontan für die Kamera. In karierter Bluse erzählt sie von ihrer Idee, durch eine Dokumentation dem Land, das sie bereisen will, etwas zurückzugeben. Es geht um unwegsame Pfade, Lemuren und Moskitos, Freude, Hoffnungsschimmer und Zweifel. Es geht um nichts weniger als "mit deiner Hilfe einen Schritt zu machen, um die Welt zu verändern".

 
Leserkommentare
  1. Das Prinzip hier ist Demokratie.

    Alternativ können sie gern jeden Monat Steuern und GEZ zahlen und weiterhin keinen Einfluss darauf haben, was sie sehen werden, wann sie es sehen werden und wie sie es sehen werden. Das Geld landet dann dort, wo sie es auch nicht haben wollen, und sie fördern den Erhalt des gleichen, langweiligen, konservativen Selbstherrlichkeitssystems. Glauben sie mir, ich habe darin gearbeitet. Menschen wie Frau Harden sind wünschenswert, denn sie ist innovativ.

    Der Mediennachwuchs von heute sind die Medienmacher von morgen. Sie können sich natürlich gern weiter selbst outsourcen und auch weiter nichts bewirken als schimpfenden bequem anonymen Internetzynismus; und im im kleinen wie im großen bleibt dann ja auch hübsch alles so wie es schon immer war, nämlich gut und richtig. richtig?

    Oder sie können, wie sie schreiben, das Geld auch aus dem Fenster werfen. Wahlweise. Leute, die den Mut haben, ihnen auch noch zu sagen, was mit ihrem Geld passiert, können sie gern weiter beschimpfen. Wenn's ihnen wichtiger ist, nicht zu wissen, was mit ihrem Geld gemacht wird... :)

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  2. ... besitzt zuhause diverse CDs, DVDs, Bilder, Bücher und was der Dinge mehr sein mögen, die Produkte menschlichen Wirkens darstellen. Und all das hat Geld gekostet, das doch nach der Bekundung dieser Foristen viel besser für gute Zwecke aller Art eingesetzt gewesen wäre. Noch dazu stellt all das klar Massenware dar, wobei die dafür eingesetzten Mittel nur sehr indirekt und zum kleinen Teil dem Produzenten zugute kommen.

    Die hier exemplarisch vorgestellten Projekte schaffen doch eine viel direktere Verbindung zwischen Geldgeber und dem Schaffenden - mir gefällt das.

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    • KMac
    • 17.03.2012 um 4:56 Uhr

    Yes, Klara's Made in Iceland was funded by people who gave voluntarily. Yes, she had fun on her adventure. Look at what she gave back for us to enjoy and learn from; to inspire us. Artists have always needed patrons. It is impossible to create art such as Klara's by only doing it part-time. I will gladly support Klara's art, and she will enrich my live as I travel with her vicariously and discover beauty I would have never known were it not for a few dollars you and I send her. Klara will not make much of a difference regarding the plight of Madagascar, but you and I will, and so will others who are moved the story she will tell us. That is all an artists does anyway, shows us the world in their medium, and moves us with the truth. What we do with the truth is up to us.

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    • KMac
    • 17.03.2012 um 5:12 Uhr

    Thank you, Klara...best regards, Kelly.

  3. Freie Autorin
    • srau
    • 19.03.2012 um 10:12 Uhr

    Vielen Dank Frau Theil für Ihren Hinweis. In die Infobox hat sich leider ein Fehler eingeschlichen:
    In der meinen Angaben zugrunde liegenden, mir von Startnext zur Verfügung gestellten Statistik mit Stand 12/2011 lautete die korrekte Anzahl der erfolgreichen Projekte 101 mit der an diese Projekte ausgezahlten Fördersumme von rund 242.000 Euro (bei einer Gesamtfördersumme von 323.915 Euro).
    Diese erfolgreichen Projekte wurden von 3.258 Supportern unterstützt.

    Bis heute ist die Zahl der erfolgreichen Projekte auf Startnext laut Ticker auf der Startseite auf 154 gestiegen. Die gesamte Fördersumme liegt mittlerweile bei 502.321 Euro - die tatsächlich ausgezahlte Fördersumme an erfolgreiche Projekte wird sich vermutlich in der Relation der Zahlen vom Dezember 2011 bewegen - diese Zahlen wird Startnext sicher wieder in einer Halbjahres- bzw. Jahresstatistik bekannt geben.

  4. Frau Harden macht einen neuen Schritt mit ihrer neuen Reise und der ist wirklich sehr sehenswert. Das lässt einfach auf mehr hoffen:

    http://vimeo.com/38904865

    Antwort auf "hipster?"
    • DDave
    • 16.04.2012 um 21:08 Uhr

    Sorry, aber ich hoffe, dass Sie nach dem Anschauen dieser Dokumentation das grüne Image des WWFs als schwarze Fratze erkennen.

    http://www.youtube.com/wa...
    Der Pakt mit dem Panda- Was der WWF uns verschweigt....

    Der WWF betreibt nur green-washing und ist ganz nah an der Industrie...

  5. Hallo Zusammen,
    per Crowd funding konnten von Januar bis März 2012 83 Projekte rund 240.000 € einsammeln. Damit ist dies das bisher beste Quartal für Crowd funding in Deutschland.

    Alle Daten und Fakten gibt im Crowd funding-Monitor unter http://www.fuer-gruender....

    Beste Grüße

    René Klein

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