Zwei Mitarbeiterinnen am Stand des Ägyptischen Fremdenverkehrsamtes © Messe Berlin

Alles ist friedlich in Ägypten : Sonne, Strand, fabelhafte 24 Grad. Das ist die Botschaft der Tweets, die am ägyptischen Stand über die digitale Anzeigetafel laufen. Ägypten ist in diesem Jahr Partnerland der Reisemesse ITB Berlin , und die Ägypter wollen vor allem eines: die Touristen nach der Arabischen Revolution wiedergewinnen. Dafür nutzen sie auch an ihrem ITB-Stand das Medium, mit dem die Revolution begann: Social Media brachte die Revolution, jetzt soll Social Media die Touristen zurückbringen.

Die Tweets lesen sich wie Werbeanzeigen: Es gebe die "atemberaubendsten Oasen", die man "je gesehen" habe, Ägypten sei "etwas magisches". Auf einem wandfüllenden Bildschirm werden Live-Bilder aus Kairo gezeigt, die Abenddämmerung liegt über dem Straßenverkehr, während kurz darauf die Kamera nach Hurghada am Roten Meer umschaltet. Ein Kellner trägt ein Tablett durch eine nahezu leere Poollandschaft, ein Tourist wickelt sich in sein gelb-weiß-gestreiftes Handtuch und geht.

Das sei alles Realtime, sagt eine ägyptische Mitarbeiterin des Tourismusbüros in Kairo. Das "positive Lebensgefühl der Ägypter in ihrem eigenen Land" wäre deutlich zu erkennen, es gäbe Sonne und Wärme, so ganz anders als hier "im kalten Berlin". Die Tweets stammten von Ägyptern vor Ort, sagt sie; Ägypter und Besucher der ITB Berlin könnten über Twitter direkt miteinander kommunizieren, über das eigene Smartphone oder an einem der stationären Computer am Stand. Dass sich die Tweets wortgleich nach einigen Minuten wiederholen, erklärt sie mit einem Rotationssystem, sobald der Nachrichtenstrom nachlasse.

Das Zentrum des ITB-Stands ist eine Nachbildung des Tempels Karnak; die Anlage in Luxor gilt als größte in Ägypten. Auf dem ITB-Stand residieren hier die Offiziellen, der Tourismusminister, der Generaldirektor des Ägyptischen Fremdenverkehrsamt in Deutschland; der Eingang ist bewacht von schwarz gekleideten Sicherheitsmännern mit dem obligatorischen Kabel aus Transparentplastik im Ohr.

30 Millionen Touristen 2017 angestrebt

Die Präsentation ist aufwendig. Tourismus ist die Haupteinnahmequelle des Landes, im Jahr 2010 kamen 11,3 Prozent des Bruttosozialprodukts aus dem Tourismussektor. 2011 kamen zehn Millionen Touristen nach Ägypten, vor allem aus Russland , Deutschland und der Ukraine . Im Jahr 2017, sagt der Tourismusminister Mounir Fakhry Abdel Nour, sollten 30 Millionen Touristen nach Ägypten kommen.

Die Sicherheit sei gegeben – und müsse durch den Tourismus gestärkt werden: "Wir brauchen wirtschaftliche und politische Unterstützung", sagt Nour. "Ihr müsst uns unterstützen – um eurer eigenen Sicherheit willen. Sollte Ägypten niedergehen, wird das einen gewaltigen Einfluss auf die Arabische Welt haben."

Auch zieht er den Vergleich zu Deutschland: "Ihr Deutschen seid zweimal im 20. Jahrhundert durch politische Wechsel gegangen, nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Wiedervereinigung."

Werbung vor allem für Destinationen am Roten Meer

Durch die Social Media-Angebote auf der ITB soll der Besucher quasi Augenzeuge werden, dass alles seine friedliche Normalität habe. Denn die Meinung herrscht vor, es seien die Medien, die die Touristen von der Rückkehr nach Ägypten abhielten – durch Berichte über die Ausschreitungen im Land. Dabei sei Ägypten sicher; "der Tahrir-Platz ist nur ein Quadratkilometer Ägyptens und wird auf das ganze Land projiziert".

Etwa 100 Aussteller sind auf dem ITB-Stand vertreten, vor allem aus Destinationen am Roten Meer wie Scharm al-Scheich, Hurghada und die Sinai-Halbinsel und dem Nil-Tal wie Luxor. Kairo als Reiseziel für Wochenendausflüge von Europa aus wird nicht beworben, obwohl es "das New York des Nahen Ostens" sei, sagt Katja Zimmer, die resolute Sprecherin des Ägyptischen Fremdenverkehrsamts in Deutschland. Zurzeit werde Kairo meist in Kombination mit anderen Orten gebucht, nicht aber als Einzel-Destination.

Seit dem Arabischen Frühling sei ihr Job "politischer" geworden, sagt Zimmer. Erst sei im Ausland die Revolution "euphorisch gefeiert worden, dann lief es nicht ganz rund, und dann kam die Kritik der Welt." Zu den Bildern, auf denen die Einsatzkräfte mit Gewalt gegen Demonstranten vorgehen, sagt sie: "Alle Bilder werden erst evaluiert, egal, wie sie aussehen." Danach äußerte sich der Tourismusminister und verurteile die Gewalt. Mit Tourismus hätten diese Bilder aber wenig zu tun.

Ganze 90 Prozent Einbußen im Tourismussektor seien gefährlich, sagt die Pressesprecherin: "Die Revolutionäre leben vom Tourismus." Jetzt müsse man erst recht nach Ägypten reisen – um die Revolution zu stützen.