Natur und Tourismus"Man braucht ein bisschen Glück und gute Ohren"

Im Ribnitz-Müritzer Moor an der Ostsee sieht man skurrile Tiere: blaue Frösche. Man sollte dabei auf dem Weg bleiben – sonst versinkt man, sagt der Naturführer Norbert Pusback. von 

Attraktiv in Blau: Zur Paarungszeit verfärben sich die Moorfrösche.

Attraktiv in Blau: Zur Paarungszeit verfärben sich die Moorfrösche.  |  © Staffan Kyrk

Norbert Pusback, 62, ist Diplom-Forstingenieur und arbeitet im Stadtforst Ribnitz-Damgarten . 20 Jahre lang hat er in der Industrie gearbeitet und "Wald zu Platten verarbeitet", wie er es nennt. Dann fing er an, Touristen durch den Wald und das Moor zu führen. Im März und April hat man die Chance, dort blaue Frösche zu sehen.

ZEIT ONLINE: Herr Pusback, Sie sind Naturführer. Lauern Sie gerade wieder auf blaue Frösche?

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Norbert Pusback: Ich war vor einigen Tagen drei Stunden mit einer Touristengruppe im Moor und habe nach den Prachtkerlen gesucht. Leider haben wir noch keine gefunden.

ZEIT ONLINE: Wann beginnt denn die blaue Saison?

Pusback: Man kann sie nicht genau vorhersagen. Ich habe gerade mit jemandem gesprochen, der in Pramort an der Ostseeküste blaue Frösche gesichtet hat. Vielleicht sind hier auch bald welche. Das hängt von der lokalen Temperatur und dem Regen ab, und ein bisschen Sonne brauchen die Frösche auch, um in Stimmung zu kommen. Ohne Sonne gibt es bei Menschen ja auch keine Frühlingsgefühle. Wenn die Frösche in Stimmung kommen, wandern sie von den geschützten Überwinterungsplätzen zu den Laichplätzen im Moor und legen für die Weibchen ihr blaues Kleid an . Die Paarungszeit dauert dann drei oder vier Tage, mit viel Glück zwei Wochen – also dieses Jahr vielleicht bis Mitte April. Dann werden die Froschmännchen wieder gewöhnlich braun.

ZEIT ONLINE: Wie läuft die Paarung der Frösche ab?

Pusback: Die haben keine besonderen Rituale, keine Balztänze, sie setzen sich einfach aufeinander. Dabei sind sie auch nicht wählerisch, sie erwischen schon mal ein anderes Männchen oder einen Stock.

ZEIT ONLINE: Wie schwierig ist die Suche nach den Fröschen?

Pusback: Das Schwierige ist, dass sie sich immer wieder einen anderen Ort suchen. Man braucht ein bisschen Glück und gute Ohren, dann kann man sie schon von Weitem hören. Sie quaken nicht, wie man es von anderen Fröschen kennt, sondern machen eher Geräusche wie eine untergehende Flasche. Wwubbb. Wwubbb. Und ihr Blau fällt im Moor auf.

ZEIT ONLINE: Wie oft sehen Sie die blauen Frösche auf Ihren Wanderungen?

Pusback: Im vergangenen Jahr habe ich nur einmal sechs der sieben Tiere gefunden. Im Jahr davor habe ich 60 Blaufrösche gesehen, das war ein toller Anblick. Aber die blauen Frösche sind lange nicht alles, was man hier sehen kann. In diesem März habe ich balzende Kraniche entdeckt, im Sommer wächst hier Wollgras, das Moor sieht dann aus wie ein Baumwollfeld. Spechte, Kleiber, Störche oder Dachse sieht man im Wald.

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