SchwedenSchlafen in Luxus-Bäumen

Märchen oder Realität? In Schweden baute ein Ehepaar ein Baumhotel: Die Zimmer hängen im Wald zwischen den Zweigen und sehen aus wie Vogelnester – oder Ufos. Von Pia Volk von 

Das Baumzimmer The Cabin ist Teil eines Luxushotels im schwedischen Wald.

Das Baumzimmer The Cabin ist Teil eines Luxushotels im schwedischen Wald.  |  © Peter Lundstrom, WDO

Unter den Baumwipfeln schwebt ein kleiner Container, schwarz, versteckt im Schatten der Zweige. Dahinter hat sich ein vier Meter großes Ufo zwischen den Bäumen verkantet. Ein paar Meter weiter glitzert es: In den Wänden eines Würfels spiegeln sich die Stämme, der Schnee, der Himmel. Der Würfel verschwimmt mit dem Hintergrund: ein Kulturobjekt, das fast verschmilzt mit der natürlichen Kulisse. Alles wirkt surrealistisch. Nur die schmelzenden Uhren von Salvador Dalí fehlen noch. Doch dies ist keine Freiluftvernissage, keine Ausstellung von Kunstobjekten: Die Gebilde sind Baumhäuser. Sie stehen im Wald hinter Britta's Pensionat und gehören Britta Jonsson-Lindvall und ihrem Mann Kent.

Das Paar lebt in Harads im Norden Schwedens , etwa hundert Kilometer unterhalb des Polarkreises. Im Sommer geht die Sonne nicht unter und im Winter schlängeln sich die Nordlichter über dem Sternenhimmel , wie grüne Schlangen, die in einem Regenbogen baden. Das Paar wohnt in einem großen gelben Holzhaus mit vielen Zimmern, die Herberge ist für die Fremden, die sich in die Einsamkeit Nordschwedens verirren.

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Das Baumhaus in Ufo-Design

Das Baumhaus in Ufo-Design  |  © Peter Lundstrom, WDO

So futuristisch die Baumhäuser wirken, so sehr scheint Britta’s Pensionat in die Vergangenheit gewandt zu sein. An den Wänden hängen Teller, auf den Tischen liegen Stickdeckchen, in einer Ecke steht ein Grammofon. Die Schränke sind vollgestopft mit alten Büchern, darauf stehen klobige Uhren, die man mit einem Schlüssel aufziehen müsste. Sie sind längst stehengeblieben, so wie Britta's Pensionat in den Fünfzigern stehengeblieben zu sein scheint. Es duftet nach Kuchen, fast wünscht man sich, man wäre wieder fünf Jahre alt und könnte sich unbemerkt in die Küche schleichen, um vom Teig zu naschen. Doch Britta schickt einen raus in den Wald: "Hier ist der Schlüssel, nun finde dein Nest", sagt sie und deutet in die weiße Landschaft. Es ist eine Konstellation wie in einem Märchen: die alte Frau, der Wald, das Ungewisse.

Baumhausromantik ohne Heizung und Toilette

So begibt man sich auf die Reise. Der Schnee knirscht unter den Füßen, der Atem entweicht dem Mund in kleinen Schäfchenwolken. Auf der Lichtung hinter Britta's Pensionat haben Elche ihre Spuren im Schnee hinterlassen. Die Bären halten Winterschlaf . Auch die Vögel verstecken sich, man hört sie nicht, sieht aber ihre Hinterlassenschaften. Die Lichtung geht in einen Birkenwald über. Die gertenschlanken Bäume sind umrahmt von einer feinen Eisschicht, Kristalle wachsen auf ihren Stämmen. Der Wald umschließt einen, ein kleiner Pfad schlängelt sich hindurch, aber es gibt keine sichtbaren Zeichen von Menschen. Keine Wasserleitungen, keine Strommasten, keine Laternen am Wegesrand. Langsam nehmen die Birken ab und die Tannen zu. Es wird dunkel unter dem Nadeldach.

Das erste berühmte Baumhaus im Wald um Harads baute Jonas Selberg Augustsén . Der schwedische Künstler drehte einen Film darüber, wie er sich am Fluss Lule ein Baumhaus zimmert. Während der beiden Sommer, die er in Harads war, wohnte er meist in Britta's Pensionat. Augustséns Baumhaus steht noch immer unten am Fluss, aber es hat weder Heizung noch Toilette. Nur während der kurzen Sommer in Nordschweden kann man dort übernachten. Britta und ihr Mann Kent waren angetan von der Baumhausromantik. Doch sie wollten etwas Außergewöhnliches erschaffen. Sie hatten einen Traum – und diesen Traum trugen sie mit sich durch die Welt. Kent arbeitete damals als Reiseführer und auf einer seiner Reisen – Fliegenfischen in Russland – erzählte er von seinem Traum, während er am Lagerfeuer saß und die Fische auf dem Feuer garten. Mit ihm am Feuer saßen bekannte schwedische Architekten : Bertil Harström, Sandell Sandberg, Bolle Tham und Martin Videgård sowie Mårten Cyrén und Gustav Cyrén.

Leserkommentare
  1. Dass 100km im Erdinneren die Sonne nicht unter geht finde ich schon ohne Baumhäuser surreal genug.

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    • RGB
    • 21. März 2012 14:12 Uhr

    wo die Sonne nicht scheint, kann sie auch nicht untergehen.

    • RGB
    • 21. März 2012 14:12 Uhr

    wo die Sonne nicht scheint, kann sie auch nicht untergehen.

  2. nicht künstlerisch, aber für nen netten Urlaub geeignet:

    http://www.wipfelglueck.de/

  3. ... gibt's die total abgedrehte "Kulturinsel Einsiedel" samt Baumkronenhotel: http://www.kulturinsel.de/

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  • Schlagworte Aki Kaurismäki | Heizung | Holz | Schnee | Tim Burton | Wald
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