SkisportDas Stubaital, vom ersten Skiläufer zum Massentourismus

Ins Stubaital in Tirol kommen 800.000 Touristen in der Wintersaison. Vor wenigen Jahrzehnten waren Skifahrer noch die Ausnahme. So wie Friedrich Stern. Ein Porträt

Neustift im Stubaital, Österreich

Neustift im Stubaital, Österreich

Aus den Bergen tönt lautes Rumoren bis ins Tal: Lawinen werden gesprengt, bevor die Besucher auf die Pisten kommen. Skilifte und Almhütten sind hochmodern im Stubaital, einem der größten Gletscherskigebiete Österreichs. Allein in den Ort Neustift kommen im Winter bis zu 800.000 Touristen. Der Ort hat einen rasanten Aufstieg hinter sich: In den sechziger Jahren kamen 5.000 Winterurlauber, und vor gut 100 Jahren nur vereinzelte Besucher.

Friedrich Stern hat die Entwicklung des Skisports in seinem Ort mitgemacht. Wenn man ihm zuhört, könnte man meinen, seine Lebensgeschichte sei auch die des Stubaitals und des sich rapide entwickelnden Wintersports im Tiroler Bergland. Der heute 82-Jährige gilt als Urgestein Tirols. Sein Spitzname, unter dem ihn jeder kennt, zitiert den Namen der nahgelegenen Bergregion Schlick: Der Schlicker Friedl wird er genannt. Tiefe Lachfalten umrahmen seine blaue Augen. Es ist, als gehöre zu jeder Falte in seinem Gesicht eine eigene Geschichte: vom Skifahren, vom Wandern, von Friedls Familie. Und natürlich von den Bergen: In Sterns Kindheit waren sie sein zweites Zuhause, sein Vater nahm ihn im Sommer mit zu den Almen, die er für seine Kühe gepachtet hatte.

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Früher lebte er auf der Alm, heute im Hotel

"Schlicker Friedl" wird Friedrich Stern genannt. Er gilt als einer der ersten Skifahrer des Stubaitals.

"Schlicker Friedl" wird Friedrich Stern genannt. Er gilt als einer der ersten Skifahrer des Stubaitals.

Heute steht die Schlickeralm mitten im Skizentrum "Schlick 2000", noch immer ist sie bewirtschaftet, bietet Gastronomie und Unterkunft für Reisende, und noch immer gehört sie Friedrich Sterns Familie. Die Aussicht von mehr als 2.000 Metern Höhe genossen schon in den dreißiger Jahren die Wanderurlauber. Damals war Friedl Stern noch ein Kind. Weder die lokalen Anwohner noch Bergtouristen kamen zum Skifahren, obwohl die Berge direkt vor der Haustüre lagen: "Man hatte einfach zu wenig Zeit und zu wenig Geld“, sagt der Schlicker Friedl. „Wir sind in armen Verhältnissen groß geworden, aber haben immer gewusst, wo wir hin wollten." Sie wollten etwas Wohlstand erreichen. Denn früher war die Familie des Schlicker Friedl sehr arm, die Kinder mussten mitarbeiten. So ging es den meisten Menschen im Stubaital. Die Kinder und Enkel von Stern leben unter besseren Bedingungen: Das Hotel Angelika gehört seinen Kindern, und Stern wohnt dort.

Heute wird Skisport auf mehr als 22 Pistenkilometern in der Schlick und 110 Kilometern auf dem Stubaier Gletscher praktiziert. Den Skisport brachten Soldaten ins Stubaital: Sie sollten im Zweiten Weltkrieg Gebirgskriegsführung erlernen. "Wir haben die Soldaten immer bewundert, wenn sie sich mit ihren Skiern aus Norwegen den Berg hinunter schwangen. Aber wir haben uns nie getraut zu fragen, ob wir auch einmal probieren dürften", sagt Friedl Stern. Stattdessen habe er durch Beobachten gelernt. Für die ersten Skier gab er sein halbes Jahresgehalt aus – und fuhr direkt los: "Ich habe mich einfach drauf gestellt und los ging es." Er klingt noch immer überschwänglich, wenn er diese Erinnerungen erzählt. "Flickzeug hatte ich natürlich immer dabei. Passiert ist zum Glück nie etwas.“

Eine historische Aufnahme aus den Anfängen des Skitourismus. Skizentrum Schlick 2000, Fulpmes

Eine historische Aufnahme aus den Anfängen des Skitourismus. Skizentrum Schlick 2000, Fulpmes

Anfangs gab es außer Friedl Stern nur wenige Skifahrer und Tourengänger. Erst in den fünfziger Jahren interessierten sich immer mehr Innsbrucker für das Rodeln und kamen am Wochenende ins Stubaital. 1956 wurde die erste Skiabfahrt und 1965 schließlich der erste Sessellift in Betrieb genommen. Danach gingen die Besucherzahlen von Jahr zu Jahr rapide aufwärts bis zum stabilen Höhepunkt im jetzigen Jahrtausend.

Trotz der zunehmenden Technisierung wolle man umweltbewusst bleiben, weniger profit- als naturorientiert, sagt der Schlicker Friedl. Deshalb setze er sich auch heute noch in der Führungsmannschaft des Alpenvereins für Naturschutz ein. Denn schließlich habe er den Skisport mit ins Land gebracht und wolle dafür sorgen, dass dieser seiner geliebten Heimat Stubai nicht schadet. Bewusst habe man einen "Funpark" für Snowboarder angelegt; Friedl Stern hofft, so das Fahren abseits der Pisten zu vermindern und den Jungwald zu schützen. "Das ist bei den heutigen Besucherzahlen nötig", sagt er. "Die Einheimischen bekommen mit der Zeit ein Gespür für den Berg, da sie wie ihre Vorfahren auf ihm leben und arbeiten." Man meint, zwischen seinen Sätzen herauszuhören, dass er bei vielen Touristen dieses Gespür vermisst.

Anreise

Mit dem Auto nach Österreich in Richtung Innsbruck fahren. Von dort aus ist das Stubaital in etwa 20 Minuten über die Brennerautobahn zu erreichen (Ausfahrt Schönberg). Eine mautfreie Alternative mit etwa 35 Minuten Fahrzeit ist die Brennerstraße bis Schöneberg. Vignetten für die österreichischen Autobahnen sind an Tankstellen und an Grenzübergängen erhältlich. Mit dem Flugzeug ist ebenfalls eine Anreise zum Flughafen Innsbruck möglich. Viele Hotels im Stubaital bieten einen Shuttleservice vom Flughafen zum Hotel an.

Unterkunft

Die Schlickeralm von Friedrich Sterns Familie ist heute ein Alpengasthof mit Restaurant und Zimmern für Feriengäste. Internet www.schlickeralm.at

Hotel Angelika, Dorf 33, A-6167 Neustift. Telefon 0043 5226 2555, Fax 0043 5226 2555 4. E-Mail: info@hotel-angelika.com, Internet www.hotel-angelika.com. Pro Nacht und Person im Doppelzimmer mit Halbpension sind mit etwa 50 Euro zu rechnen.

Zentrale Buchungsstelle: Stubai Touristik, Stubaitalhaus, Dorf 3, A-6167 Neustift im Stubaital. Telefon 0043 (0) 501881-171 oder 172, Fax 0043 (0) 501881-199. E-Mail: stubaitouristik@stubai.at, Internet: http://www.stubai.at/de/unterkuenfte/unterkunftsliste

Informationen

Tourismusverband Stubai Tirol, Stubaitalhaus, Dorf 3, A-6167 Neustift im Stubaital. Telefon 0043 (0) 501881-0, Fax 0043 (0) 501881-199. E-Mail: info@stubai.at, Internet: www.stubai.at

Schlick2000, Schizentrum AG, Tschaffinis Umgebung 26, A-6166 Fulpmes. Telefon 0043 (0) 5225 62270, Fax 0043 (0) 5225 62270-99. E-Mail: info@schlick2000.at, Internet: www.schlick2000.at

Die modernen Wintersportler wollen nicht nur Skifahren, sondern auch Luxus. Früher wurden die wenigen winterlichen Tourengänger notdürftig in den Almen untergebracht. "Es hat dann zwar nach Vieh gestunken, aber wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft – und sind es noch heute," sagt der Schlicker Friedl. Selbst die Skier waren weniger komfortabel: "Zuerst waren sie handgemacht, ohne Metallkanten oder Belag. Damit wir nicht so am Schnee klebten, mussten wir eine Art Wachs auf das Holz reiben." Das war nicht nur einmal pro Saison nötig, sondern mehrfach während eines Aufstiegs. Auch die provisorischen Bindungen waren nicht bequem: "Man hat immer die Füße stark anwinkeln müssen, das war dann im Sommer gut für das Steigeisengehen."

Das Glück der Erde liegt immer auf den Skiern

Von solchen Strapazen spürt man im heutigen Skialltag nichts mehr, am anstrengendsten ist für die meisten Besucher die Anreise ins Stubaital. Vor Ort ist alles hochmodern, von den Skiliften über die Almhütten bis zum Rahmenprogramm. Mit einem sogenannten Skiline-System kann sich der moderne Skitourist seit kurzem an der Talstation oder online die zurückgelegten Höhen- und Abfahrtsmeter eines Skitages ansehen. Sie sind in seinem Skipass gespeichert.

Eines aber ist früher wie heute gleich geblieben: Nach einem gelungenen Skitag kehrt man seelenfroh ins Tal zurück. Es ist, wie der Schlicker Friedl sagt: "Wir sind zufrieden, solange wir Skifahren können." Noch heute unternimmt der 82-Jährige mehr als 30 Rodel- und Skitouren im Jahr.

 
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