ArizonaWie der Wilde Westen vermarktet wird

In Tombstone, Arizona, ist der Wilde Westen Alltag. Die Stadt lebt von ihrer Legende, von den Earp-Brüdern und Doc Holliday. Das hat nicht nur Vorteile. von Andrea Jeska

Philip Makley spielt Doc Holliday in Tombstone.

Philip Makley spielt Doc Holliday in Tombstone.  |  © Tim Gaynor/Reuters

Der klassische amerikanische shoot-out wurde an jenem Tag geboren, als die Earp-Brüder Wyatt , Virgil und Morgan zusammen mit ihrem Kumpel Doc Holliday die Allen-Street hochgingen und vor dem O.K. Corral auf die verhasste Clanton- und MacLary-Bande stießen. Schweigend zogen beide Seiten ihre Revolver und schossen, was die Magazine hergaben. Angeblich waren es nur dreißig Sekunden, die über Tod und Leben entschieden.

Wer in der glühenden Mittagssonne des 26. Oktober 1881 wen umlegte, wusste später niemand mehr zu sagen. Die Kugeln flogen von allen Seiten, Pulverdampf hüllte die Kämpfenden ein, es tönten Schreie, Flüche und Wehklagen. Am Ende lagen drei tote Männer im Staub, drei weitere waren verletzt, und Tombstone, Arizona , sollte für immer ein Teil des Mythos sein, der sich um Ehre, einsame Helden und endlose Landschaft rankt.

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Außerhalb der Saison hat Tombstone heute 3.500 Einwohner und ist ein eher öder Ort, im Nowhere-Land zwischen der mexikanischen Grenze und Tucson im kargen Süden von Arizona gelegen. Dort sind die Kakteen größer als ein Mann, und Hyäne und Klapperschlange sagen sich Gute Nacht. In der Saison, und die dauert im warmen Klima Arizonas lange, spazieren bis zu 10.000 Menschen durch die Straßen. Showtime ist dann rund um die Uhr. Mit noch immer wehendem Mantel rauscht Doc Holliday um die Ecke, auf Schritt und Tritt begegnet der Besucher einem Wyatt-Imitat.

Gut und Böse spielen miteinander

Wer sein Geld mit der Verherrlichung der Killer-Episode verdient, trägt schwarze staubige Cowboyhemden, teure Boots und einen Colt um die Hüfte. Wie damals am OK Corral wird mächtig geballert, fallen die Statisten in den Staub. Um Kinder und politisch korrekte Naturen nicht zu verschrecken, stehen sie allerdings sofort wieder auf. Dies alles sei nur Spiel, und im wahren Leben die Benutzung von Waffen gefährlich, erklärt der Ansager vor Showbeginn, und auch die naive Handlung der Stücke achtet peinlichst genau darauf, dass Gut und Böse jederzeit ersichtlich sind.

Die Vergangenheitsvermarktung ist für die Bewohner nicht ohne Schaden geblieben. Tombstone ist mehr Freilichtbühne als Stadt. Saloon reiht sich an Souvenirladen, Souvenirladen an Restaurant. Die Saloons heißen Big Nose Kate's, Crazy Horse, die Restaurants Cactus Rose und Silver Nugget. Es gibt einen Doc Holliday Store und ein Rocking Horse Emporium. Erst jenseits der First und der Eighths Street leben wirkliche Menschen, für deren Bedürfnisse es sechs Kirchen, zwei Schulen, Bücherei, Feuerwehr, Swimming Pool und ein Tierheim gibt.

Ach, die Touristenattraktionen, sagt Barbara Wills, die dem einstigen Bordell von Tombstone vorsteht, das sei doch nur ein Teil der Stadt, sozusagen die Einnahmequelle, aber nicht der Alltag. Die shoot-outs seien den Bewohnern recht egal, sie zum Beispiel lebe in Tombstone wegen der Ruhe und der Abwesenheit krimineller Elemente. Vorher habe sie in Mesa, in Phoenix gelebt und dort seien nachts immer Polizeihubschrauber gekreist.

Lange sah es so aus, als würde Tombstone eine weitere Geisterstadt im Wilden Westen werden. Die Earps waren geflohen und auch tot, die Silberminen des Landes ausgebeutet. Depression, Arbeitslosigkeit und Abwanderung folgten den glorious days . Erst durch Hollywoods Verfilmungen wurden Tombstone und die Earps in den fünfziger Jahren aus der Versenkung geholt. Darum nennt sich Tombstone The town too tough to die , die Stadt, die zum Sterben zu zäh ist .

Leserkommentare
  1. "...Dort sind die Kakteen größer als ein Mann, und Hyäne und Klapperschlange sagen sich Gute Nacht..."

    Hyänen in Amerika? Wohl aus 'nem Zoo entlaufen...

    Eine Leserempfehlung
  2. "Emperium"? Wohl eher "Emporium".
    Und im Filmtitel heißt es nicht "Liberty Vance", sondern "Liberty Valance".
    [...]


    Gekürzt. Bitte achten Sie auch bei Kritik auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/mk

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    ... wenn drei von drei Kommentaren auf vermeidbare Fehler hinweisen, wenn nicht schlampig gemacht?
    So etwas hätte mir zu meiner Volontärszeit mein Chefredakteur um die Ohren gehauen. Und mit was? Mit Recht!

    • flobec
    • 22. Mai 2012 16:48 Uhr

    Die findet offensichtlich im deutschen Journalismus gar nicht mehr statt. Die Vorkommentatoren haben schon einiges aufgelistet. Ich möchte noch hinzufügen, dass die Earps sicherlich nicht über automatische Pistolen mit Magazinen verfügten, sondern aus ihren Revolvern allenfalls schossen, was die Trommeln hergaben.
    Man könnte über so viele Ungenauigkeiten in einem derart kurzen Artikel schmunzeln, wenn das nicht ein Spiegel für die Art wäre, wie hierzulande inzwischen Journalismus betrieben wird. Traurig..

    • FM1721
    • 22. Mai 2012 17:54 Uhr

    ...als Tombstone allemal. Die beste Art Wild-West feeling zu erleben ist es, ein Auto zu nehmen und einfach ins Blaue fahren. Arizona eignet sich dazu hervorragend.
    Hier einige Impressionen vom Westen der USA: http://www.fm1721.com/experience/americas/usa/

  3. Steht so jedenfalls im Artikel: "Schweigend zogen beide Seiten ihre Revolver und schossen, was die Magazine hergaben."
    Dumm halt nur, dass Revolver keine Magazine haben. Ich habe das Lesen nach dem ersten Absatz eingestellt.

  4. ... wenn drei von drei Kommentaren auf vermeidbare Fehler hinweisen, wenn nicht schlampig gemacht?
    So etwas hätte mir zu meiner Volontärszeit mein Chefredakteur um die Ohren gehauen. Und mit was? Mit Recht!

    Antwort auf "Dz, dz, dz ..."
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    .... hast ja 1Spaltig 45-60 auf Papier geschrieben :-)
    .
    Heute mit Monitor/Tastatur ist ja fast das"Totschlag" ;-)
    .
    Ich vermisse auch immer häufiger, das wenigstens die Fakten noch einmal sauber nachgearbeitet werden.
    .
    In diesem Sinn
    "wir erzeugen Strom":-))
    Sikasuu

  5. ...und wie der Forist im Kommentar Nr. 4 schon angemerkt hat: Da hat Arizona (bzw. der gesamte Südwesten) doch erheblich besseres zu bieten. Tombstone ist einfach eine auf Wildwest getrimmte Touristenfalle ohne irgendwelche Besonderheiten.

  6. .... hast ja 1Spaltig 45-60 auf Papier geschrieben :-)
    .
    Heute mit Monitor/Tastatur ist ja fast das"Totschlag" ;-)
    .
    Ich vermisse auch immer häufiger, das wenigstens die Fakten noch einmal sauber nachgearbeitet werden.
    .
    In diesem Sinn
    "wir erzeugen Strom":-))
    Sikasuu

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  • Schlagworte Ronald Reagan | Arizona | Phoenix | Bordell | Kevin Costner | USA
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