AustralienAmeisen-Snack im australischen Busch

Heute stellen die Aborigines weniger als drei Prozent der Bevölkerung Australiens. Sie wollen Tradition und Moderne leben. Das ist nicht unproblematisch. Von K.-T. Raab von Karsten-Thilo Raab

Willie Gordon zeigt Touristen die heiligen Stätten seiner Vorfahren.

Willie Gordon zeigt Touristen die heiligen Stätten seiner Vorfahren.  |  © Karsten-Thilo Raab

In diesen Höhlen unter mächtigen Felsen fanden Willie Gordons Urahnen Schutz und Unterschlupf. Hier brachten sie ihre Kinder zur Welt. Die Wände sind verziert mit unzähligen Malereien, signiert mit Handabdrücken des jeweiligen Künstlers. Willie Gordon ist Aborigine und gehört zum Stamm der Nugal-warra. Deren heiliges Land liegt zwischen Cooktown und Hope Vale auf der Halbinsel Cape York in Queensland im äußersten Nordosten Australiens. Dieses heilige Land zeigt Gordon interessierten Besuchern: die Geburtsstätten seines Stammes , die Höhlenmalereien seiner Vorfahren, und die Techniken, mit denen die Aborigines in der Wildnis überlebten.

Willie Gordon ist 54 Jahre alt, klein, ein bisschen untersetzt. Das gräulich melierte Haar und die grauen Stellen im Bart bilden einen starken Kontrast zu seiner tiefbraunen Hautfarbe. Er trägt Wanderschuhe, Shorts, ein blaues Polohemd und eine blaue Schirmmütze. "Nganthaan-un-bi bubu" – "Unser Land ist Euer Land", begrüßt er seine Gäste auf dem heiligen Land der Nugal-warra.

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Nach 50.000 Jahren stehen die australischen Ureinwohner einmal mehr vor einem schwierigen Neuanfang. Dazu gehört auf der einen Seite die Integration und auf der anderen Seite der Erhalt von Kultur und Tradition. "Einige meiner Stammesbrüder sind vehement dagegen, dass wir den Weißen unsere heiligen Stätten zeigen", sagt Willie Gordon.

Schwerer Weg zu Anerkennung und Gleichberechtigung

Die australischen Ureinwohner sind seit 50.000 Jahren auf dem fünften Kontinent heimisch. Sie leben in einem weit verzweigten Netz aus Klans und Stämmen in exakt festgelegten Territorien. Mehr als 200 verschiedene Sprachen trennen die Aborigines. Traditionell lebten die Stämme als Nomaden innerhalb ihres Areals. Je nach Jagdsaison und Jahreszeit wechselten sie ihren Standort. Heute jedoch leben die meisten der 460.000 Aborigines in festen Häusern und nehmen am Bildungssystem und gesellschaftlichen Leben teil. Sie stellen gerade einmal zweieinhalb Prozent der australischen Bevölkerung.

Obwohl den Nachkommen der Ureinwohner theoretisch die gleichen Chancen eingeräumt werden wie den Weißen, sind heute gut 40 Prozent von ihnen ohne feste Arbeit. Viele flüchten sich noch immer in Alkohol, Drogen und Gewalt. Die Lebenserwartung der Aborigines ist auch im 21. Jahrhundert noch um 20 Jahre geringer als die weißer Australier. Die Kindersterblichkeit ist sogar doppelt so hoch.

Der Weg zu Anerkennung und Gleichberechtigung der Ureinwohner war lang und steinig. Bis Ende der 1960er Jahre rissen australische Behörden Aborigine-Familien auseinander und steckten den Nachwuchs in Heime, die oft Tausende Kilometer vom Zuhause entfernt lagen. Erst 1967 erhielten die Aborigines die vollen Bürgerrechte zugesprochen. Bis dahin war es ihnen vielerorts untersagt, die Städte zu betreten.

Daran erinnert sich auch Willie Gordon: "In Cooktown verlief in meiner Jugend die Grenze entlang der Boundary Street. Die durften wir nicht überschreiten." Er ging in Brisbane in die Schule; danach arbeitete er zeitweilig für den staatlichen Gesundheitsdienst. Dann entschloss er sich, in seine Heimat zurückzukehren und sein Lebensunterhalt mit Führungen durch sein Stammland zu bestreiten.

Leserkommentare
    • H.v.T.
    • 01. Mai 2012 8:56 Uhr
    • Eruman
    • 01. Mai 2012 9:36 Uhr

    Auch in Europa schmecken Ameisen nach Zitrone.

  1. Die ist auch Indikator für alles.

    Für Macht und Ohnmacht zugleich.

  2. ... so waren, wie sie waren: Sie haben keinen Sprengstoff, keine Musketen, keine Kanonen erfunden und sind daher von jenen überrollt worden, deren Vorfahren das getan haben. Gut oder schlecht, fragen wir uns, ob wir so ( "im Einklang mit der Natur" ) leben wollen, wie die Aborigines vor der Eroberung Australiens durch die "westliche" Welt...

  3. Ein Jammer, das der Artikel nicht über die übliche Folklore hinausgeht -Ameisen & Co sind nur ein winziger Teil von Willie's Botschaft. Er will Bruecken schlagen zwischen seinem irgendwie aus der Zeit gefallenen Volk und dem was wir Weißen moderne Zivilisation nennen. Er hilft jungen Aboriginals wieder den Zugang zu Ihrer Welt zu finden der vielen Aboriginals so lange verwehrt war. Die Indigenious People of Australia nennen sich selbst inzwischen wieder Aboriginals. Soviel Zeit für die Recherche muss dann doch sein.
    Beste Grüße aus Down Under.

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