Häuser im Dorf Bardou, das durch die Familie Erhardt neu belebt wurde © Elisabeth Erhardt Nolan

Die sechziger und siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren die große Zeit des Aufbruchs; Globetrotter und Hippies zogen durch die Welt , um ihren Traum von einem alternativen, ungebundenen Leben zu verwirklichen. Zum großen Tross der Aussteiger gehörten auch Klaus Erhardt und seine aus Amerika stammende Frau Jean. Zusammen mit ihren Kindern bereisten sie Europa und den Mittelmeerraum.

Doch im Gegensatz zu den vielen Blumenkindern, die dem Müßiggang frönten, suchten Klaus und Jean nach einem Ort fernab der großen Zentren, an dem sie mit ihren Kindern heimisch werden konnten. Irgendwann verschlug es sie nach Südfrankreich , in den Haut-Languedoc , wo sie den Bauern bei der Obsternte und Weinlese halfen.

Frankreich war beliebt in jenen Jahren, die französische Lebenskultur galt als Gegenentwurf zum strebsamen deutschen Arbeitsethos. Der Existentialismus war in aller Munde, französische Autos genossen einen Kultstatus wie die legendäre Ente oder der Citroën DS mit seinem Haifischmaul.

Durch Zufall entdeckten Klaus und Jean 1965 in einem Seitental des Jaur einen verlassenen Weiler namens Bardou . Sie verliebten sich sofort in diesen Ort: Hier wollten sie leben und arbeiten. Noch zwei Jahre vergingen, bis die Erhardts das am Ende eines engen Tals liegende Bergdorf samt mehreren hundert Hektar Land – mit Felsen, Bergweiden und Äcker, Eichen- und Kastanienwald – erwerben konnten. Erst mussten sie sich mit zwölf verschiedenen Besitzern oder Erbengemeinschaften arrangieren. Die Einheimischen schüttelten den Kopf, da sie nicht nachvollziehen konnten, warum jemand freiwillig auf Strom und andere Annehmlichkeiten des modernen Lebens verzichtete, um in dieser Einöde zu leben.

Ruinen werden renoviert

Skepsis schien durchaus angebracht: Das im 16. Jahrhundert gegründete Bardou war in den sechziger Jahren kaum mehr als ein Ruinenfeld; die aus groben, schlecht zugeschnittenen Steinen errichteten Häuser waren von Dornen und Hecken überwuchert und unbewohnbar. Dächer waren eingestürzt, kaputte Fenster und Türen gähnten wie dunkle Mäuler in den sonnigen Himmel des Midi.

Der Verfall des Dorfes hat, wie Klaus Erhardt erzählte, Ende des 19. Jahrhunderts eingesetzt: "Die einst knapp 100 Seelen zählende Bevölkerung nahm stark ab, da die Menschen in die Ebene abwanderten. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges lebten nur noch etwa 50, größtenteils alte Menschen in Bardou. Zwar wurde 1923 ein Wirtschaftsweg vom Tal nach Bardou angelegt, um die alten Maultierpfade zu ersetzen, doch der Niedergang ließ sich nicht aufhalten: Bis auf einen einzigen Mann war das Dorf zu Beginn der sechziger Jahre ausgestorben."