Wussten Sie, dass...: Das Leben und Sterben der Juden in Fürth
Lange waren Juden in Fürth privilegiert: Sie prägten die Stadt als Autoren, Politiker und Stifter. Wussten Sie, dass heute viele Gebäude an das jüdische Leben erinnern?
An zahlreichen Hauseingängen in Fürth kann man im oberen Drittel des rechten Türstocks noch die Stelle erkennen, an der sich einst eine Mesusa befand. Diese kleine Kartusche, die traditionell ein Pergamentröllchen mit einem Bibelzitat enthält und beim Betreten des Hauses geküsst oder berührt wird, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass in dem Haus eine jüdische Familie gelebt hat. Eher verborgen sind die jüdischen Ritualbäder, die im Keller mehrerer Privathäuser erhalten sind. Auch das Haus in der Königstraße, in dem sich das Jüdische Museum befindet, besitzt eine solche Mikwe. Jüdische Frauen mussten dem Talmud zufolge nach ihrer Periode in fließendem Wasser beziehungsweise im Grundwasser der Mikwe untertauchen, um sich ihre rituelle Reinheit zu bewahren.
Schon im 15. Jahrhundert gab es in Fürth ein "Judengässlein", aber erst als die Nürnberger 1499 die Juden endgültig vertrieben hatten, sind sie in Fürth in größerer Zahl ansässig geworden. Der mit der Reichsstadt in ständiger Rivalität lebende Markgraf von Ansbach ergriff die Gelegenheit, aus der Vertreibung der Juden aus Nürnberg Profit zu schlagen und siedelte sie in Fürth an. Neben einem hohen Schutzgeld versprach er sich auch eine Belebung des Fürther Wirtschaftslebens auf Kosten der Nürnberger. Es dauerte nicht lange, bis der Bamberger Bischof der Idee des Markgrafen nacheiferte.
Im Gegensatz zu anderen Städten hat in Fürth niemals ein jüdisches Ghetto existiert; jüdische Bauten sind über die gesamte Innenstadt verteilt. Bald schon hatten die Juden einen entscheidenden Anteil am Gewerbeleben, so dass der Fürther Aufschwung vom Dorf zur Industriestadt fraglos zu einem bedeutenden Teil ihnen zu verdanken ist.
Die Fürther Juden erhielten durch das 1719 erlassene "Reglement für die gemeine Judenschaft" zahlreiche Privilegien, die ihnen eine in Deutschland einzigartige Stellung sicherte. Sie besaßen das aktive und passive Wahlrecht zum Bürgermeisteramt, sie konnten zudem auch zwei Deputierte in die christliche Gemeinde entsenden. Im 18. Jahrhundert war fast jeder vierte Fürther jüdischen Glaubens.

Ralf Nestmeyer, geboren 1964, ist Historiker und lebt seit 1995 als freier Autor in Nürnberg. Er veröffentlichte Reiseführer und Texte zu Bildbänden und Sachbüchern. Zudem gab er literarische Anthologien über die Provence und Sizilien heraus. Seine Essays, Reportagen und Rezensionen erscheinen unter anderem in der Nürnberger Zeitung und den Nürnberger Nachrichten.
Eine Vielzahl sozialer und kultureller Einrichtungen wie das Nathansstift, die Krautheimerkrippe und das Berolzheimerianum wurden durch jüdische Stiftungen begründet. Die kunstsinnige jüdische Bürgerschaft brachte auch mehr als die Hälfte der Spenden auf, die für das 1902 eröffnete Theater gesammelt wurden. Der monumentale Centaurenbrunnen am Bahnhofsplatz ist eine Schenkung von Wilhelm Königswarter und David Morgenstern.
Morgenstern war 1849 der erste jüdische Landtagsabgeordnete in Bayern: Fürth spielte in der Judenemanzipation in Bayern seit jeher eine Vorreiterrolle. Hier wurde 1843 Dr. Grünsfeld als erster jüdischer Rechtsanwalt zugelassen, und auch der erste jüdische Schulrektor sowie der erste jüdische Richter des bayerischen Königreichs lebten in Fürth.
Im 19. und 20. Jahrhundert haben die Fürther Juden zahlreiche bekannte Personen hervorgebracht, zum Beispiel den Verleger Leopold Ullstein, den Schriftsteller Jakob Wassermann und Henry Kissinger: Der 1923 in Fürth geborene, ehemalige US-Außenminister verfolgt bis heute die Ergebnisse seines Fürther Fußballvereins.
Jakob Wassermann – einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit – erinnert sich in Mein Weg als Jude und Deutscher: "Genau betrachtet, war man Jude nur dem Namen nach und durch die Feindseligkeit, Fremdheit und Ablehnung der christlichen Umwelt, die sich hierzu auch nur auf ein Wort, eine Phrase, auf falschen Tatbestand stützte." Mehrere Jahre lang lebte Wassermann mit seinen Eltern im ersten Stock über einer Gaststätte, dem noch heute existierenden "Gaulstall" in der Blumenstraße.






Für die Stadt ist ihre jüdische Geschichte fast nur noch ein Marketing Instrument.
Das Berolzheimerianum wurde inzwischen kommerzialisiert und dient der seichten Unterhaltung auf dem Niveau von " Essen und Laschen in einem " .
Dass die erste Eisenbahnstrecke Deutschlands zwischen Nuernberg und Fuerth gebaut wurde, war kein Zufall. Juedische Buerger aus Fuerth finanzierten den Bau zum grossen Teil. Da sie in Nuernberg nicht wohnen durften, aber viele dort beruflich taetig waren, waren sie besonders an diesem Projekt interessiert.
findet man "Heldengedenksteine", Andenken an die "braven Soldaten, die für Deutschland gefallen sind"
eher seltner findet man Tafeln mit den Namen der ermordeten Juden und und auch keine Mahnmale mit den Namen von den vielen, vielen Tätern in jedem Dorf.
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