MallorcaBetonpolitik an Mallorcas schönstem Strand

Ein Hotelprojekt am Rand des Naturschutzgebiets von Es Trenc bedroht einen der schönsten Strände Mallorcas. Die Gegner hoffen auf die Solidarität der Stammgäste. von 

An manchen Tagen ist Es Trenc fast menschenleer.

An manchen Tagen ist Es Trenc fast menschenleer.  |  © CC BY 2.0 CoreForce/flickr

Weißer Sand, sanfte Brandung, begrünte Dünen, typisch mediterrane Aleppokiefern, dichtes Macchia-Gebüsch, und weit und breit kein großes Hotel, keine Touristenburg. Mallorca ohne Ballermann, Discorummel, Komasaufen. Das andere, das natürliche Mallorca. Die Idylle von Sa Ràpita, Ses Covetes, Es Trenc ist ein insgesamt gut vier Kilometer langer Sandstrand, wie er im Mittelmeerraum selten geworden ist.

So sei die ganze Küste früher gewesen, erzählen die Alten. Damals, als am Meer nur die Fischer wohnten. Als die Grundstücke am Wasser, da man sie landwirtschaftlich nicht nutzen konnte, wenig bis nichts wert waren. Als die Natur noch sich selbst überlassen und der Tourismus noch kein blühendes Gewerbe war.

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Das könnte sich bald ändern. Dem Kleinod Es Trenc droht ernsthafte Gefahr. Die große ökonomische Krise , zusammen mit dem politischen Machtwechsel in Palma im Mai 2011 sowie in Madrid im November 2011, wo nun die konservative Volkspartei Partido Popular mit absoluter Mehrheit regiert, und der Ungeduld der lokalen Investoren und Geschäftsleute machen möglich, was die Freunde des Naturschutzes in jahrzehntelanger Wachsamkeit und mit hinhaltendem Widerstand verhindert haben: Direkt an den Rand der geschützten Zone, nahe der Hafenanlage von Sa Ràpita, soll auf einem Areal von 20 Hektar ein Fünf-Sterne-Luxushotel-Komplex entstehen, zwei Stockwerke hoch (und deshalb vom Strand her angeblich nicht zu sehen), aber geplant für 1.200 bis 1.300 Betten (was als untere Grenze gilt), plus Sportanlagen und einem Golfplatz.

"Sturm über Es Trenc"

Endlich, jubeln die Geschäftsleute in Campos und die Restaurantbesitzer in Sa Ràpita, den Nachbarorten. Die Luxusgäste, die sie sich erhoffen, würden nicht nur am Strand abhängen, sondern abends auch Geld ausgeben. Furchtbar, protestieren die lokalen Naturschützer und die internationalen Freunde des Refugiums von Es Trenc. "Sturm über Es Trenc" titelte das deutschsprachige Wochenblatt Mallorca Zeitung . Vor einem "Zement-Tsunami" warnt die mallorquinische Tageszeitung Diario de Mallorca .

Bedroht war die Idylle natürlich schon früher, immer wieder seit der Entdeckung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor, noch zu Zeiten der Franco-Diktatur, als die Erschließung dieser neuen Geldquelle auch zur allmählichen kulturellen Lockerung des politischen Regimes beitrug. Später, in der jungen Demokratie, entwickelte diese Branche ihren hässlichsten Aspekt, die Korruption. Am liebsten wurde in den 1970er Jahren in Naturschutzgebieten gebaut. Der Abwehrkampf der Naturschützer intensivierte sich. Es gab Niederlagen und ein paar Siege, beides auch im Raum Es Trenc.

"Salvem Es Trenc", rettet Es Trenc, war der verbindende Slogan einer Bewegung lokaler Bürger und überregionaler Umweltschützer. "Salvem Es Trenc" ist auch heute, zusammen mit "Salvem Sa Ràpita", die Parole der Naturschützer und Ökologen, der politischen Opposition und der internationalen Freunde der bedrohten Landschaft. Mehr als 25.000 Unterschriften haben die Aktivisten gegen das Hotelprojekt inzwischen gesammelt, die Aktion läuft weiter .

Projekt wird in Hauruck-Methode durchgesetzt

Die Zeit, da der rund vier Kilometer lange, ein bisschen exotisch anmutende Sandstreifen zwischen Sa Ràpita und Colònia de San Jordi den Einheimischen vorbehalten war und allenfalls ein Geheimtipp für eine kleine Schar von aficionados vom Kontinent war, ist allerdings schon länger vorbei. Viele kennen inzwischen den besonderen Charme dieses Küstenstreifens, der am schönsten im Frühjahr und im Frühherbst ist und im Winter zu herrlichen langen Strandspaziergängen lockt.

Im Hochsommer ist es schon voll am Strand. Und die Gemeinde Campos, die hier zuständig ist, hat dann über die Parkgebühren und die Vermietung von Strandliegen und Sonnenschirmen ihre besten Jahreseinnahmen. Sie verdient sonst nichts an der unberührten Natur. Hotels, die Steuern zahlen und anderswo die Gemeindekasse füllen, gibt es eben nicht. Zum Glück, sagen die Stammgäste von Es Trenc.

Am 29. April soll eine Menschenkette der Insel- und der Weltöffentlichkeit zeigen, dass man diesen Streifen Sand und Wald den an Profit mehr als an Naturerhaltung interessierten Investoren aus Tourismusbranche, Immobiliengewerbe und Großgrundbesitz nicht kampflos überlassen wird. Ausführliche Artikel der führenden spanischen Zeitung El País , haben nationale Aufmerksamkeit für das Thema geschaffen. Andreu Manresa , der Balearen-Korrespondent von El País und ein unbestechlicher Kenner der ökonomisch-politischen Grauzonen des insularen Establishments, weist unermüdlich auf die undurchsichtigen bis anrüchigen Hintergründe der Planung und der Genehmigungspolitik der neuen Regionalregierung hin sowie auf die immer noch ungeklärte Finanzierung des Projekts.

Auffällig ist ja nicht zuletzt die Hauruck-Methode, mit der die konservative Regierung in Palma sich dank ihrer absoluten Mehrheit hinter das Projekt klemmt. Dass freilich die heutige links-regionalistische Opposition während ihrer Regierungszeit – zuletzt von 2007 bis 2011 – auch keine heldenhafte Rolle bei der Sicherung der Naturschätze Mallorcas gespielt hat, ließ Andreu Manresa nicht unerwähnt. Aber immerhin: Einiges, was jetzt auf der ganzen Insel wieder möglich wird, hatte sie immerhin verhindert, darunter ehrgeizige Bauprojekte wie Hafenausbauten und Appartement-Feriensiedlungen. Natur und Umwelt hatten zur Zeit der rot-grün-autonomistischen Koalition einen höheren Stellenwert.

Leserkommentare
  1. "Eine besondere Hilfe wäre es natürlich, darauf hat ein Kommentator in der Mallorca Zeitung bereits hingewiesen, wenn der "deutsche Boulevard" sich dafür interessieren würde."

    Der deutsche Tourist, der Boulevard-Blättchen liest, der urlaubt nun eher weniger an Es Trenc.

  2. naja , Bausünden gab es am Es Trenc Strand schon früher. Beim Blick auf´s Meer gesehen wurde am rechten Standende der Bau einer Ferienanlage versucht,die dann zwar nicht klappte aber abgerissen und re-naturiert hat diese Bausünde dann leider auch keiner.Der Umgang mit der Natur auf Malle ist leider nicht sehr weit entwickelt,es fehlt da oft ein ökologisches Grundverständniss,auch und gerade bei den Einheimischen,daher ist es nicht falsch zu fordern,daß Bild sich einschaltet.Erst wenn die ,die auf die Insel das Geld bringen ,etwas sagen,wird man sich eventuell damit anders auseinander setzen.
    An @1 Die Typ Beschreibung welcher Tourist sich am Es Trenc Stand befindet und was der dann ließt, finde ich arrogant und unzutreffend.

  3. das die christlich-konservativen immer gegen die Schöpfung überall gleich wüten ist schon bezeichnend: ob eine Welterbelandschaft in Dresden mit der dümmsten Brücke verschandelt wird, ein Schloßpark in Stuttgart durch ein Immobilienprojekt zerstört wird und nun Es Trenc!

  4. Was ist schon eine wunderschöne Naturlandschaft gegen einen fetten Kontostand eines Investoren? Der braucht den schönen Strand von Es Trench nicht. denn er hat seine Villa irgendwo anders stehen, wo es sicher auch schön ist, aber natürlich keine bagger anrollen um hässliche Betonblöcke zu bauen. Nur damit dicke Touristen mal schnell ins Wasser plumsen können um danach wieder nach Hause zu fliegen. Schön kurzsichtig! Was ist denn, wenn die nächste Krise kommt? Wenn sich immer weniger einen Urlaub leisten können? Wenn die Investition mitten im Bau stoppt? Dann gibt es wunderschöne Bauruinen auch dort. Warum klemmt sich denn die neue Regierung so dahinter? Damit erstmal Tatsachen geschaffen werden. Wenn erstmal was steht, wird es nicht beim Luxusflachbau bleiben. Dann sieht es dort aus, wie überall. Dann ist auch dort Ballermann! Warum investieren alle, die viel Geld haben, immer in so einen Mist?! Macht euch endlich mal Gedanken, was wir in Zukunft brauchen und unseren Kindern hinterlassen wollen!!

  5. Ratschläge zum Erhalt von Naturlandschaften aus Deutschland sind fehl am Platz. Das Land, das gerade dabei ist, fast flächendeckend jede Wiese, Aue und Mittelgebirgskuppe mit gigantischen Windindustrienanlagen zuzustellen...

  6. Was soll das ganze Umweltgezicke? Mit unberührten und naturbelassenen Urlaubsgebieten hat noch niemand Geld gescheffelt. Mit werben kann man ja. Die ganze Gegend Betonieren, Asphaltieren bis ins Wasser; mit Tennisplätzen, Strandpromenade und Segelhafen. Es gibt doch noch genug Freiraum für die Natur auf der Insel. Aber an der Küste hat die nun wirklich nichts zu suchen. Dort wollen sich die Menschen erholen und das ist mit Beton viel besser und in jeder Hinsicht billiger zu organisieren. Dafür bekommt Spanien ne Menge Geld, was es dringendst braucht, von den Investoren.

  7. Der schönste Strand auf Mallorca liegt zwischen Can Picafort und Son Real im Norden. Naturbelassen (im Sinne des Wortes), mit dem der Natur überlassenen Wohlstandsmülls. Schade, dass es in Spanien kein deutliches Pfand auf Plastikflaschen gibt.

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