In Montfaucon im Schweizer Jura © Jura Tourisme

Regen, nasse Straßen, Nebel, während der Anreise von Basel nach Montfaucon kommen leise Zweifel auf: Eine Woche Urlaub mit Kleinkind bei schlechtem Wetter kann bedeuten, dass Eltern eine Woche nonstop ihr Kind in geschlossenen Räumen bespaßen müssen. Angekommen im Feriendorf Montfaucon der Schweizer Reisekasse, auf rund 1.000 Metern Höhe, verfliegen die Bedenken schnell. Nicht nur strahlende Sonne erwartet die Urlauber, sondern auch eine gute Infrastruktur für Familien.

Für Kinder gibt es ein Hallenbad mit Planschbecken, Berge von Wasserspielzeug – Gießkanne, Boote, Schwimmbretter –, ein gut ausgestattetes großes Spielzimmer, Schlitten samt kleinkindaffinem Schlittenhang, Spielplätze. Die Wohnungen sind standardmäßig mit Töpfchen, Kindergeschirr, Kinderbett, Wickelauflage und Spielesammlung ausgestattet. Für Eltern warten ein moderner Wellnessbereich mit Sauna und Dampfbad, eine Kinderbetreuung zu vorgegebenen Zeiten und kurze Wege.

Genau das richtige für uns, denn wir wollten keine lange Anreise und unser Gepäck klein halten. Und vor allem wollten wir einen familienfreundlichen Ort, an dem unser Kind Spaß hat und der uns mitreisenden Eltern die Chance gibt, uns zu erholen. Die in der Schweiz berühmte und in Deutschland nahezu unbekannte Institution Schweizer Reisekasse (Reka) schreibt sich genau das auf die Fahnen. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund gründete (mehr zu Historie hier ) zusammen mit dem Schweizerischen Fremdenverkehrsverband bereits 1939 die Reka als nicht-gewinnorientierte Genossenschaft. Bis heute lautet ihr Ziel Schweizer Familien mit normalem bis kleinem Einkommen günstige Ferien zu ermöglichen, die Angebote sind aber für alle Gäste aus dem In- und Ausland offen.

Zwölf Feriendörfer gibt es in der Schweiz in attraktiven Regionen wie dem Berner Oberland mit den Reka-Feriendörfern Hasliberg und Lenk, in Morschach am Vierwaldstätter See oder in Albonago ob Lugano in Lugano. Sie bieten fast ganzjährig das Kinder- und Familienprogramm mit dem Namen "Rekalino" an. Das Angebot reicht von stundenweiser Kinderbetreuung ab zwei Jahren, für größere stehen je nach Feriendorf Zirkuswelten, Streichelzoos, Verkehrsgärten oder Spieleparadiese bereit. Zudem gibt es "Baby-Betreuungswochen", bei denen Profis bis zu drei Stunden die Kleinsten betreuen. Betreuung und die bereits erwähnte Kinderausrüstung sind stets im Haus- beziehungsweise Wohnungspreis inbegriffen. Bei bestimmten Kindersachen wie Buggys, Badewannen und Rückentragen müssen die Eltern nach der Buchung ihren Bedarf zwei Wochen vor dem Urlaub anmelden.

Wir lernen schnell: Reka-Ferien decken die Familienbedürfnisse effizient ab – Prozeduren wie etwa das Einchecken verlaufen schnörkellos oder freundlich-rustikal: Die Anreisenden bekommen Schlüssel und einen Wäschekorb mit knallorangen Bettbezügen in die Hand gedrückt. Eine Minute später betreten wir ein sauberes Häuschen mit zwei Schlafzimmern, einem kleinen Bad und einem etwa 25 Quadratmeter großen Wohn-Ess-Küchenbereich. Die soliden Holzmöbel samt blauer Häkeldecke auf der Schlafcouch wirken wie aus den 1970er Jahren, doch die Küche hat alles vom Dampfkochtopf  bis zur Espressomaschine mit Kapseln. Die weißen Ferienhäuschen sind schlicht, doch ihre Namen sind blumig: Unseres heißt "Roche d’Or", Goldener Stein. Jedes hat einen Kamin im Wohnzimmer, das Holz lagert auf dem Parkplatz. Im Winter kann man zum Schlittenfahren direkt vor der Haustür starten, auf einem der 20 hauseigenen Plastikschlitten.

Die insgesamt 31 Chalets aus den Jahren 1968 bis 1970 sowie 1988 und 1989 liegen an einem Südosthang mit Fernblick auf die jurassischen Freiberge, einer sehr dünn besiedelten Region, die ihren Namen im 14. Jahrhundert bekam: Einwanderer erhielten Steuerprivilegien auf ihren gerodeten Grund und Boden, sie wurden vom Zehnten befreit – daher der Name Freiberge.