Vereinigte Arabische EmirateVielfalt und Innovation im konservativen Sharjah

Das kleine Emirat Sharjah fördert die Kunst aus der gesamten arabischen Welt. Die Barjeel Art Foundation erreicht zunehmend das internationale Publikum. Von K. Pfannkuch von 

Ausschnitt aus dem Kunstwerk "To be continued…" von Sharif Waked

Ausschnitt aus dem Kunstwerk "To be continued…" von Sharif Waked  |  © Katharina Pfannkuch

Der bärtige Mann blickt ernst in die Kamera, während er mit eindringlicher Stimme einen arabischen Text vorliest. Die grüne Flagge im Hintergrund, auf der arabische Schriftzüge zwischen zwei Kalaschnikows zu sehen sind, die Tarnweste des Sprechers, das vor ihm liegende Maschinengewehr – der Betrachter ist sicher, ein so genanntes Märtyrer-Video zu sehen, in dem ein Selbstmordattentäter seine bevorstehende Tat ankündigt.

Dann wandert der Blick auf die englischsprachigen Untertitel. Der vermeintliche Märtyrer liest aus den Geschichten aus Tausendundeine Nacht , Worte über eine junge Schönheit, die einen König mit Geschichten davon abhält, sie umzubringen. To be continued… hat der aus Nazareth stammende Künstler Sharif Waked seine Video-Installation aus dem Jahr 2009 genannt. Das Werk spielt mit Stereotypen und Gegensätzen: Kaum ein literarisches Werk hat die westliche Wahrnehmung des Orients wohl so geprägt wie die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht , die erstmals im 18. Jahrhundert ins Französische übersetzt wurden. Dieses Klischee verbindet Sharif Waked mit der aus den Medien bekannten Figur des arabischen Selbstmordattentäters. Er thematisiert auch die Ängste des Märtyrers, der – wie Scheherazade – mit dem unaufhörlichen Erzählen seinen eigenen Tod hinauszögert.

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"Welchen Sinn hat Kunst, wenn man sie nicht teilt?"

Werke wie dieses machen die Barjeel Art Foundation im Emirat Sharjah zu einer wahren Perle der arabischen Kunstszene. Als mutig und innovativ gelten die Kuratorin der Galerie, Mandy Merzaban , und der Initiator der im März 2010 gegründeten Stiftung, Sultan Sooud al-Qassemi . Mit etwas Glück begegnet man Al-Qassemi beim Besuch der Barjeel Galerie, die sich im zweiten Stock des Kulturzentrums Maraya Art Centre befindet. Der 35-Jährige, der neben seinen Aktivitäten als Förderer arabischer Kunst auch als politischer Kommentator und Journalist arbeitet, sprüht vor Energie.

In seiner blendend weißen Dischdascha, dem traditionellen Gewand emiratischer Männer, geht er von einem Kunstwerk zum nächsten und erzählt die Geschichten hinter den Werken. Al-Qassemi spricht schnell und viel, in fließendem Englisch. Seine Leidenschaft für die Kunst stammt aus seiner Studienzeit an der American University in Paris in den neunziger Jahren. Seit nunmehr bald zwei Jahren zeigt er in den lichtdurchfluteten, großzügigen Räumen der Barjeel Art Foundation in wechselnden Ausstellungen Stücke aus seiner privaten Kunst-Sammlung, die mehr als 500 Werke enthält. "Welchen Sinn hat Kunst, wenn man sie nicht teilt?", fragt Sultan Sooud al-Qassemis.

Vor allem zeitgenössische Werke arabischer Künstler teilt er mit dem Publikum: Gemälde und Collagen, Video- und Lichtinstallationen, Photographien. Werke international bekannter Künstler wie des Ägypters Adam Henein und der Libanesin Zena el-Khalil werden auf 450 Quadratmetern neben Stücken von Nachwuchstalenten ausgestellt und einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

Leserkommentare
  1. 1. Danke!

    Danke für diesen Bericht. Schön, etwas Positives über Kulturelles eines arabischen Landes zu lesen. Vor allem nach all den üblichen Meldungen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wir sollten mehr Nchrichten aus der arabischen Zivilgeselschaft hören.

  2. Wir sollten mehr Nchrichten aus der arabischen Zivilgeselschaft hören.

    Antwort auf "Danke!"
  3. ...meine eigenen Erfahrungen in der Emiratischen Kunstszene nun auch in der Zeit zu lesen! Bitte mehr davon, es gibt hier in den VAE so viel zu entdecken, so viel mehr als nur Luxushotels und Shopping Malls. Ich freue mich auf den naechsten VAE-Artikel von Frau Pfannkuch!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Innovation | Alkoholverbot | Ausstellung | Biennale | Galerie | Ifa
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