Hoch oben auf dem Enchanted Rock, dem verzauberten Stein, oder eigentlich Berg, leben Geister. Geister, die heulen und knistern, wenn der Wind pfeift und die Nacht hereinbricht. Eine Prinzessin der Comanchen spukt, die sich herabstürzte, weil sie nicht ertrug, was ihrem Volk geschah. Die Fußstapfen eines Häuptlings, der seine Tochter opferte, hinterließen Spuren im Stein. Möglicherweise ist hier das Gold aus El Dorado verborgen; und Tunnel sollen zu einer verlorenen Stadt der Maya führen, im nahen Mexico. Und wer auf dem Gipfel aus rosa Granit übernachtet, wird unsichtbar.

Der Fels, der wie ein gewaltiger steinerner Korken in einem noch viel größeren, unterirdischen Vulkan steckt der einen Durchmesser von vielen Meilen haben soll sieht tatsächlich aus, als sei er verzaubert; übersät mit rosafarbenen Findlingen so groß wie Häuser, Kakteen an den Hängen, und pfützenartige Teiche auf dem Gipfel, wo Fairy Shrimp leben, winzig kleine, glitzernde Krebstierchen. Oben auf dem Gipfel verschwindet der Wanderer hinter den Wellen aus rosa Granit und ist von unten unsichtbar. Daher der Glaube der Comanchen.

In Texas bauten deutsche Einwanderer große Farmen auf

Der Enchanted Rock, in einer Stunde zu besteigen, liegt bei Fredericksburg, Texas . Die Kleinstadt liegt rund hundert Kilometer nordwestlich von San Antonio, was in Texas ein Katzensprung ist. Fredericksburg, oder "Fritzburg", wie die Alten es nennen, wurde 1846 gegründet, benannt ist es nach dem Prinzen Friedrich Wilhelm Ludwig von Preußen. Es ist, wie so viele Orte in Texas, eine deutsche Siedlung , wo es einen Lindengarten gibt, eine deutsche Bäckerei und einen Alte Welt Gasthof .

"Die Deutschen kamen, weil sie hier riesige Farmen bewirtschaften konnten", sagt Stephen Vollmer, Direktor des örtlichen Pioneer-Museums , dessen Großeltern aus Koblenz stammten. "Das gab es in Deutschland nicht." Er steht vor der "Vereins Kirche", ein achteckiger Fachwerkbau, die 1866 als Gotteshaus für alle Religionen erbaut wurde. Die ersten Fredericksburger, erzählt er, rekrutierten sich aus 600 bis 700 Familien, die 1844 in Bremen drei Schiffe bestiegen.

Die Emigration wurde vom deutschen Adelsverein organisiert, der Unruhestifter der Märzrevolution loswerden wollten, und von der texanischen Society for the Protection of German Immigrants . Henry Fisher, der Konsul der damals unabhängigen Republic of Texas , hatte dem Adelsverein eine riesige Fläche "Farmland" bei San Antonio verkauft. "Die Immigranten wiederum erwarben ein Komplettpaket mit einer Schiffsreise, Verpflegung, Transfer, ein Stück Land in Texas, und dem Versprechen, dass es dort Schulen und Kirchen geben würde", sagt Vollmer.

Frieden mit den Comanchen

Aber als die Neuankömmlinge im sumpfigen Tal des Guadalupe River ankamen, blieben sie dort erst einmal sitzen, mangels Transport. Dann brach der mexikanisch-amerikanische Krieg aus, Cholera und Gelbfieber forderten Hunderte von Opfern. Als die Überlebenden endlich aufbrechen konnten in Ochsenkarren , fanden sie heraus, dass um Fredericksburg herum die Penatake-Comanchen lebten. Und mit denen gab es bald Streit: Hungernde Siedler fingen an, die Büffelherden zu töten, von denen die Comanchen lebten, woraufhin die Comanchen auf die Siedler schossen.

1845 wurde der hessische Freiherr Otfried Hans von Meusebach, der sich bald John Meusebach nannte, Commissioner-General von Fredericksburg. Da sich die Deutschen verpflichtet hatten, das Land zu erschließen sonst wäre es an Texas zurückgefallen , suchte Meusebach Frieden mit den Comanchen. "Meusebach hatte rote Haare und einen langen roten Bart, das war für die Indianer außergewöhnlich", erzählt Vollmer. "Sie nannten ihn 'Rote Sonne'."

Mit einer kleinen Schar Bewaffneter ritt Meusebach in ihr Territorium. Die Truppe schoss ihre Gewehre leer, um ihren guten Willen zu beweisen, und setzte sich im Fort San Saba mit drei Häuptlingen zusammen, Old Owl, Santa Anna, und Buffalo Hump, der nur in Perlen und Büffelfell gekleidet war. Sie schlossen das Meusebach-Comanche-Treaty , das festlegte, dass die Deutschen im Indianerland siedeln durften, und dass die Indianer ungehindert die deutschen Dörfer besuchen durften.

Früher Bier, heute Wein

Auf Wunsch der Indianer wurde auch ein Weißer namens Emil Kriewitz abkommandiert, als Liaison unter den Comanchen zu leben. Die Deutschen wurden zudem gehalten, auf ihren Feldern Pfeifen zu rauchen, damit die Comanchen sie von den verhassten Yankees unterscheiden konnten. Es ist der einzige Vertrag zwischen Indianern und Weißen, sagt Vollmer, der nie gebrochen wurde.

Die Deutschen gründeten nun Brauereien, die Kneipe The White Elefant eröffnete (aus der in der Prohibition ein Speakeasy wurde, eine illegale Bar). Heute ist Fredericksburg eher für seine Weingüter bekannt, die unter anderem texanischen Riesling anbauen. Aber mit dem Bürgerkrieg wurde das Leben wieder schwerer. Die meisten Deutschen waren gegen die Sklaverei, wurden aber gezwungen, in der Armee der Südstaaten zu kämpfen, erzählt Vollmer.

Mehrere junge Männer, die sich versteckt hatten, wurden gar gehängt. Und im Ersten Weltkrieg wurde die deutsche Sprache verboten. "Der Liederkranz", sagt Vollmer, "der seine Vereinsprotokolle auf deutsch führte, hat dann einfach aufgehört, Niederschriften zu verfassen."

Heute gibt es ein Ensemble von Bronzestatuen im Park von Fredericksburg, die Meusebach und die Häuptlinge darstellen, an der renovierten "Vereins Kirche", wo auch der Maibaum steht. "Der wurde 1991 von dem Verein aufgestellt, der auch das alljährliche Oktoberfest organisiert", sagt Vollmer. In der Kirche ist heute eine Ausstellung, zu der ein hölzernes Dorfmodell gehört, über das Leben der Siedler.