ItalienUrlaub im wahrsten aller Italien

Reisen mit einem pubertierenden Kind nach Umbrien bedeutet Kultur in Überdosis, Kellner als Schmachtobjekte und Mütter als potenzielle Kirchenräuber. Von A. Jeska

Landschaft in Umbrien

Landschaft in Umbrien

Eine plötzliche umbrische Sehnsucht verleitete mich und mein Kind, ein Ferienhäuschen auf einem Hügel zu buchen. Das Häuschen war Teil eines ehemaligen Landguts mit Namen Borgo Ella, dessen Besitzer im nahegelegenen Dorf Paciano inzwischen eine Kneipe hatten. Weil sie, wie sie uns erzählten, keine Lust mehr auf das mühsame Beackern des Boden hatten. Umbrien galt lange als arm und rückständig, inzwischen nennt man es romantisch. In neusten Reiseführern kann man lesen, von allen Italiens solle dies das wahrste Italien sein. Weil bodenständiger und weniger schickimicki als die Toskana, spannender als die Emilia Romagna, sauberer als die Adria und weniger mafiös als der ganze südliche Rest.

Dass der schönste Grund, nach Umbrien zu fahren, ein eigentümliches Licht ist, wie es in Museen auf Bildern alter Meister abgebildet ist, sieht man erst vor Ort. Wenn man aus dem Norden kommt, dann ist die italienische Grenze weit weg. Umbrien umso mehr. Als wir Italien erreichten, war es schon lange Abend und es wurde Mitternacht, bis wir in Paciano einfuhren. Wie fast alle umbrischen Dörfer liegt Paciano auf einem Hügel, wie alle umbrischen Dörfer schlief es um die Zeit lange. Das GPS schickte uns aus dem Schatten der Mauer, um windige Kurven und schließlich auf einen dunklen Weg mit flankierenden Olivenbäumen. "Hier kommt nix mehr", sagte ich. "Wir schlafen im Auto."

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Da aber heulte das Kind fast – es ist emotionale 14 Jahre alt – und also hoppelte ich weiter durch die Finsternis. Plötzlich standen wir im Licht einer schwachen Funzel vor einem schmiedeeisernen Tor und sahen das Schild: Borgo Ella. Im Nachtwind lag der Geruch von Oliven und Lavendel, die Sterne leuchteten wie bezahlt. Es war der Beginn einer grandiosen Sommerliebe.

Kompromisse zwischen Kind und Mutter

Dabei war das Kind anfangs gar nicht begeistert gewesen. "Umbrien", sagte es skeptisch und googelte gleich eifrig. "Etrusker? Babylonier? Kirchen? Kunst? Alte Häuser? Nee, also, ich weiß nicht." Wir einigten uns auf die Kirchen in Assisi. Danach ein Tag am Pool. Auf Shoppen in Perugia und den Dom als Beigabe. Danach Pool. Auf eine Stippvisite in die Toskana und auf einen Kurzbesuch in Montefalco, wo eine Rebe namens Sagrantino angebaut wird, die als hoffnungsvollste Grundlage des umbrischen Weines gilt. "Und dann mindestens drei Tage Pool", sagte das Kind.

Der Morgen nach unserer Nachtankunft hätte nicht wunderbarer sein können. Der sandige Weg, dem ich in der Dunkelheit so misstraute, hatte uns hoch auf einen Hügel geführt und von der Veranda hatten wir geradeaus einen Blick auf den nahegelegenen See Trasimeno, linkerhand bis zur Toskana und rechts auf Hügel, auf denen mittelalterliche Trutzdörfer lagen. Das pubertierende Kind quietschte vor Vergnügen über den Blick, die Hecke aus Lavendelbüschen und die Weinreben, die vom Dach unseres Hauses über die Veranda sich schlängelten. "Wie cool ist das denn", sagte es und ließ sich kopfüber in den Pool plumpsen. Gleich am ersten Abend verliebte es sich in den jungen Kellner in der Pizzeria von Paciano.

Ich hatte damit gerechnet, schließlich war es in einem Alter, in dem man sich in italienische Kellner verliebt. Lieber wäre mir der Kellner eines weniger kalorienreichen Restaurants gewesen.

Was das Kulturprogramm anging, hielt sich das Kind anstandslos an die Abmachung. Wir fuhren nach Assisi und gingen den Pilgerweg aller Anhänger des Heiligen Franz. Und ja, wir waren in Montefalco und wanderten über die Weinhügel. Weil das Kind gerade Eat Pray Love gesehen hatte und davon überzeugt war, dass man in Italien rund um die Uhr essen muss, aßen wir Nudeln in Specksoße und kauften Sagrantino zum Mitnehmen. Danach fuhren wir nach Torgiano, wo die wohl bekanntesten umbrischen Weinbauern, die Lungarotti-Dynastie, ihren Sitz hat und besichtigten das Museo des Vino, das 1974 von den Lungarottis begründet und seither kontinuierlich ausgebaut wurde. Dort gab es einen echten Picasso und viele Gefäße und Geräte, archäologische Artefakte und alte Bücher über Wein. "Interessant", sagte das Kind und gähnte herzhaft.

Leserkommentare
  1. geschreiben, pointiert beendet - das macht Lust auf mehr davon lesen und auch erleben

    6 Leserempfehlungen
  2. Es ist sehr lange her, dass ich in der Zeit/Zeit.online einen Artikel gelesen habe, der so interessant und gut geschrieben war. Vielen Dank.

    5 Leserempfehlungen
  3. Leider kann ich meinen Vorschreibern nicht zustimmen. Mich hat der Artikel nicht überzeugt, er liest sich wie der Schulaufsatz "des Kindes", eine Aufzählung der Tagesereignisse. "Dann gingen wir spazieren. Dann aßen wir Nudeln. Dann kauften wir Olivenöl. Dann besichtigten wir eine Kirche. Dann kauften wir Wein."

    Das größte Manko ist allerdings "Das Kind". Ist das Kind ein Gegenstand? Ein Tier? Den Eindruck habe ich jedenfalls, wenn ich den Text lese. Wie wäre es -wenigestens zur Abwechslung- mal mit "mein Kind", "meine Tochter", "der Nachwuchs" ... ?

    Insgesamt ein öder Text.

    Eine Leserempfehlung
  4. Der Satz 'Fünf Kirchen ..., durch die Einwohnerzahl geteilt, ist ... eine Kirche pro 200 Bewohner.' ist logisch (leider) falsch; weil man teilt die Einwohnerzahl durch die Anzahl der Kirchen. - Wenn der Satz/die Satzstruktur so stehen bleiben soll, so wäre 'Fünf Kirchen ..., aufgeteilt auf alle Einwohner, ergibt eine Kirche pro 200 Einwohner.' ein Vorschlag. - Ansonsten ein netter Artikel passend zum Bild.

  5. 5. [...]

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Danke, die Redaktion/mo.

  6. und der Anfang der Story, hatte mich fasziniert,zumal Italien schon immer das Land meiner Sehnsucht war. Umbrien kenne ich da noch nicht. Ja, da würde ich auch sehr gern nochmal hinfahren! Ich habe Italiens Düfte immer noch im Gedächtnis und ich hatte immer das Gefühl, daß eigentlich dort meine Heimat irgendwo sei..

  7. Jep, gut geschrieben, macht Lust auf Umbrien.
    Nur gut dass auch gleich der link zum Anbieter des beschriebenen Objekts mitgeliefert wurde. Ich fürchte aber, dass dort für nächstes Jahr wohl nichts mehr frei sein wird ... Nach so einer Werbung... ;)

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