Das Paradies stinkt wie Hölle, ein bisschen jedenfalls. Ein Geruch fauler Eier zieht vom Pool her, er wabert auch aus den vier Badewannen, die im Garten stehen. Das Wasser wirkt schmutzig gelb, schlammig ist es auch. Trotzdem hat sich Akiel George in diese Brühe gelegt, er sieht zufrieden aus. "He, Mann", sagt Akiel, "das ist einfach ein tolles Gefühl!"

Akiel liegt in seiner Badewanne, die er "mein Sofa" nennt. Auf ihm, besser, in ihm verbringt er nach eigenen Angaben mehrere Stunden am Tag. Nicht, weil er ein lazy guy sei, ein fauler Junge: "Nein, Mann", sagt der 24-Jährige, "es ist einfach schön."

Und es gehört ja auch zu seinem Job, das Wasser ausgiebig zu testen: Akiel George ist der Betreiber der Ti Kwen Glo Cho, eines kleinen Spa am Rande des dominicanischen Regenwaldes. Mehrere Badewannen stehen im Freien, einen Pool gibt es ebenfalls. Alles ist – trotz des Namens – eher mit lauwarmem als mit heißem Wasser gefüllt. Das Wasser kommt in hölzernen Leitungen aus den Bergen. Dort sprudeln eine Vielzahl vulkanischer Quellen, die Schwefel enthalten. Das trübe Wasser soll heilende Wirkung haben, auch wegen der vielen Mineralien darin – Eisen, Zink oder Magnesium, sogar Mangan sind darin aufgelöst. Die Quellen versorgen Ti Kwen Glo Cho und ähnliche Bäder mitten in Dominicas Regenwäldern.

Regenwald, Wasserfälle, Vulkankrater

Dominica ist zwar nur eine kleine Insel der Kleinen Antillen, gelegen zwischen Guadeloupe und Martinique. Doch gesegnet ist sie mit allem Schönen, ein Gärtchen Eden mitten in der Karibik. Rund 73.000 Menschen leben auf dem Eiland von der Größe Hamburgs. Es hat ein mildes, sonnensicheres Klima, nur in den Bergen fallen erhebliche Niederschlagsmengen. Dort sind gleich drei Naturparks angelegt, man wandert auf gut befestigten Wegen durch den Regenwald zu grandiosen Wasserfällen. Sie führen zu von der Natur angelegten Pools, in den das Wasser grünlich schimmert und zu Süßwasserseen, die einst die Krater von Vulkanen waren. Alles ist leicht zu Fuß zu erreichen, auf dem Rücken von Pferden oder per Kanu.

Schwarze Strände säumen die Ufer, von dort sind gelegentlich die riesigen Flossen der Pottwale zu sehen. Wer näher an sie heran will, kann dies auf geführten Bootstouren machen. Sogar im Hafen von Roseau, der Hauptstadt, sind Wale zu entdecken. Dabei handelt es sich aber zumeist um die kleineren Pilotwale.

"Alles ist da, Mann"

Will man das Lebensgefühl auf Dominica beschreiben, fällt einem vor allem ein Wort ein: entspannt. So entspannt wie Akiel in seiner Wanne. Noch bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es hier keine Straßen für Autos und andere Motor-Vehikel. Noch immer sind viele Menschen zu Fuß unterwegs. Nur eine kleine Fastfoodbude existiert, der erste Supermarkt eröffnete in den Siebzigern.

Vieles, was die Dominicaner essen, bauen sie noch immer selbst an, oder sie holen es sich aus dem Wald. "Alles ist da, Früchte, Gemüse, Wurzeln, alles, Mann", sagt Akiel "Warum sollten wir hetzen?" In der nordwestlichen Ecke Dominicas leben die letzten echten Kariben. Aus ihrer Sprache hat Akiel den Namen für seine "Heißwasserecke". "Man kann Ti Kwen Glo Cho aber auch als 'Nimm's leicht' übersetzen", sagt Akiel.