Leserartikel

Insel GozoDer wilde Tanz um den Schutzpatron

Auf der maltesischen Insel Gozo erlebt Leser G. Boehme die Festa zu Ehren des Heiligen St. Joseph. Mit der ausgelassenen Feier kann er als Protestant wenig anfangen. von 

Anfang August feiert die katholische Gemeinschaft meines Dorfes auf der maltesischen Insel Gozo ihre jährliche Festa zu Ehren des Schutzpatrons St. Joseph. Die Vorbereitungen laufen bereits: In ihren Garagen arbeiten die Bewohner an der Dekoration und am Feuerwerk. Die Band, die einer Feuerwehrkapelle ähnelt, probt in jeder freien Minute.

Für die meisten Dorfbewohner und Touristen ist eine maltesische Festa ein wundervolles Ereignis, das viele wie im Rausch erleben. Die Grenze zwischen Volksvergnügen und religiöser Zeremonie verschwimmt. "Prosit, St. Joseph!", rufen die Feiernden ihrem Heiligen zu, dessen Statue aus der Kirche hinaus getragen und im Freien aufgestellt wird. Eine Woche lang spielt sich das öffentliche Leben auf den Straßen rund um die Kirche ab. Da ich direkt neben der Kirche wohne, stehen mir wieder unruhige Tage bevor.

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Als Lutheraner irritiert mich die ungezwungene Fröhlichkeit, mit der die Katholiken den Heiligen feiern. Es widerspricht zutiefst meiner lust- und sinnesfeindlichen protestantischen Erziehung, dass die Menschen ekstatisch um seine Statue herumtanzen und ihrer Lebenslust freien Lauf lassen.

Andererseits bin ich ein wenig neidisch auf die öffentlich zur Schau gestellte Lebensfreude. Wer eine Festa miterlebt hat, der weiß, dass es keinen Ort der Welt geben kann, an dem das Jenseits ferner liegt. Alle Aufmerksamkeit gehört dem Hier und Heute. In diesem Moment stellen sich die Menschen Gott als einen Freund im Leben vor, und nicht als drohende Gestalt an der Schwelle des Todes.

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Nach einer Woche ist der fröhliche Spuk vorüber. Diese kurze Zeit genügt, um die Gemeinschaft der Dorfbewohner für ein Jahr zusammenzuhalten. Im Dorf werden die Spuren der Festwoche beseitigt, der Heilige Joseph kehrt an seinen Platz in der Kirche zurück. Vielleicht lächelt er noch ein bisschen über den Übermut seiner Anhänger und freut sich, nun für ein Jahr in seiner angestammten Nische seine Ruhe zu haben.

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Leserkommentare
    • xpeten
    • 06. Juli 2012 13:04 Uhr

    wenig anfangen",

    andere können weder mit katholischem, noch mit evangelischem Mummenschanz etwas anfangen.

  1. mit welcher ausgelassenen Feier können Protestanten schon was anfangen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Deshalb empfehle ich einen Besuch auf Gozo zur Festazeit! Die anfängliche Irritation legt sich rasch, wird einfach nicht gelten gelassen, sondern dient bestenfalls als Ansporn, den Fremden noch intensiver einzubeziehen. Und plötzlich findet man sich "mittendrin statt nur dabei". Und wenn die geballte Lebensfreude, die in diesen Tagen in den Straßen zum Greifen präsent ist, einen nicht ansteckt, dann steckt mit Sicherheit ein ernsterer Grund dahinter als nur das "falsche" Glaubensbekenntnis. Meine persönliche Erfahrung jedenfalls war, dass der puritanische Panzer durchaus brüchig werden und dass man auch als Protestant an dieser positiven Welle kollektiver Freude teilhaben kann.

  2. Deshalb empfehle ich einen Besuch auf Gozo zur Festazeit! Die anfängliche Irritation legt sich rasch, wird einfach nicht gelten gelassen, sondern dient bestenfalls als Ansporn, den Fremden noch intensiver einzubeziehen. Und plötzlich findet man sich "mittendrin statt nur dabei". Und wenn die geballte Lebensfreude, die in diesen Tagen in den Straßen zum Greifen präsent ist, einen nicht ansteckt, dann steckt mit Sicherheit ein ernsterer Grund dahinter als nur das "falsche" Glaubensbekenntnis. Meine persönliche Erfahrung jedenfalls war, dass der puritanische Panzer durchaus brüchig werden und dass man auch als Protestant an dieser positiven Welle kollektiver Freude teilhaben kann.

    Antwort auf "Protestanten..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Hagmar
    • 07. Juli 2012 17:42 Uhr

    ...war im Artikel selbst aber gar nichts zu spüren, da blieb nur die Irritation hängen und die Freude, das der Spuk nach einer Woche vorüber ist. Vielleicht hätte Ihr Kommentar zu Ihrem Artikel noch in denselben reingehört?

    • keibe
    • 06. Juli 2012 20:40 Uhr

    "Mit der ausgelassenen Feier kann er als Protestant wenig anfangen."

    Warum protestieren Sie nicht gegen dieses Fest

    "Nach einer Woche ist der fröhliche Spuk vorüber."

    mittels einer eine Woche währenden stillen Einkehr in Gebete?

    • Hagmar
    • 07. Juli 2012 17:42 Uhr

    ...war im Artikel selbst aber gar nichts zu spüren, da blieb nur die Irritation hängen und die Freude, das der Spuk nach einer Woche vorüber ist. Vielleicht hätte Ihr Kommentar zu Ihrem Artikel noch in denselben reingehört?

    Antwort auf "Lernfähig..."

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Band | Dorf | Erziehung | Kirche | Tod
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