Sri LankaAyurveda für gestresste Männer

So wird der ruhige Pulsschlag wiederhergestellt: Mit ayurvedischen Ölmassagen und individueller Ernährung entspannen auf Sri Lanka auch Männer. Von Paul Stänner

Die erste Massage nach zwölf Stunden Flug und zwei Stunden im Auto ist eine Wohltat. Der Kurgast schwimmt im Öl, darin gelöst sind spezielle Kräuter und Hölzer, die individuell zusammengestellt werden. Ein herber, fast mooriger, öliger Duft steigt in die Nase. So fühlt es sich an, perfekt mariniert zu sein – ein Zustand, der während der Ayurveda-Kur in Sri Lanka noch öfter vorkommt.

Das Ayurveda-Resort Sri Budhasa liegt in Bentota, etwa zwei Autostunden südlich vom Flughafen Colombo. Es liegt auf einer Halbinsel, auf der einen Seite der Bentota-Fluss und auf der anderen der palmengesäumte Strand des Indischen Ozeans. Die zumeist eingeschossigen Gebäude sind aus dunkelrotem Klinker, ebenso die Dachziegel. Im Zentrum liegt der offene Speiseraum, umgeben von Blumen und Büschen. Das Ayurveda-Resort steht unter der Aufsicht der Schweizer Ärztin Rita Albietz und verbindet ayurvedische Medizin mit westlichen Komponenten.

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Gleich nach Ankunft wird der Kurgast einer Anamnese unterzogen. Zwei junge Ärzte untersuchen zum Beispiel den Puls – mit drei Fingern, denn jeder Finger registriert wie ein Sensor einen anderen Wert. Die Geschwindigkeit des Pulsschlags, die Wärme des Blutes, sein Druck und sein Bewegungscharakter: Der Arzt will wissen, ob der Puls unruhig schlägt und hüpfend wie ein Affe, oder schwerfällig und gleichmäßig wie ein Büffel im Trott. Die Zunge wird inspiziert, ebenso die Augen und dann spielt noch der Gesamteindruck der Körperhaltung eine Rolle.

Bittere Medizin auch für zarte Westler

Abends gibt es die erste Medizin, ein Schnapsglas voll von einem dunkeln Saft oder Kräutersud, herb, aber im Abgang leicht nach Weihrauch schmeckend. Dazu zwei kleine Pillen, offenbar handgedreht, mit der optischen Anmutung von Hasenkötteln. Diese Medizin wird im Resort sehr authentisch zubereitet – wenn bitter, dann bitter! Keine Zugeständnisse an verzärtelte Westler. Der Kurgast schluckt all das mit derselben Hingabe wie daheim die gelben, blauen und roten Pillen mit dem unheilverkündenden Beipackzettel. Ayurvedische Arzneimittel stammen aus der Natur und haben deshalb keine Nebenwirkungen, heißt es.

Falsch, widerspricht am nächsten Morgen Professor Cooray. Wie jede andere Medizin kann auch die ayurvedische bei falscher Dosierung gefährlich wirken. Cooray hat früher die größte Klinik in Sri Lanka geleitet, auf seiner Visitenkarte steht eine kaum überschaubare Liste von Titeln und Wirkungsstätten. Der Professor ist eigentlich in Rente, kann es aber nicht lassen. Seine Aura wandelt jeden Raum, die Luft wird schwer von dem Wissen, der Erfahrung und der Bedeutung dieses Mannes. Der schmächtige Professor Cooray strahlt mühelos jenen halbgottgleichen Status aus, den deutsche Chefärzte für sich einfordern.

Ayurveda-Spezialist Cooray

Ayurveda-Spezialist Cooray

Balance für Körper und Geist

Ayurveda, lehrt Cooray, ist die Wissenschaft vom Leben. Vor 5.000 Jahren trafen sich Gelehrte aus der Mongolei, Sri Lanka, sogar Griechenland, zu einem ersten Treffen, eine Art WHO. So sagen es die alten Bücher, so sagt es Cooray. Die Weisen meinen, das Leiden der Menschen entstehe aus vielen Ursachen: mangelnde spirituelle Kräfte, schlechtes Verhalten, schlechtes Denken und Infektionen. Sie fanden heraus, dass es psychische und physische Krankheiten gibt. Das alles ließe sich zurückführen auf drei Biosubstanzen: Vata – die Bewegung, die working power; Pitta – der Stoffwechsel im Körpergewebe, die Körperchemie; Kapha – die Körpergestalt, Muskeln, Haltung, Figur.

Stehen diese in einem ausgeglichenen Verhältnis, ist der Mensch gesund, körperlich und geistig. Sind sie schlecht ausbalanciert, liegt eine Krankheit vor oder der Mensch ist auf dem Weg in eine Krankheit. Um das Verhältnis der drei Biosubstanzen zu beurteilen, hilft ein Blick auf die Zunge, ins Auge oder das Gefühl, das die Berührung mit der trockenen oder feuchten Haut des Patienten dem Arzt vermittelt. Aus dem Ergebnis werden die Speiseempfehlungen und Anwendungen zusammengestellt.

Leserkommentare
  1. Was nützt all das, wenn man nach dem Ayurveda-Urlaub wieder in alte Muster verfällt? Klar, dem Veranstalter, der prächtig an diesen Ayurveda-Kuren verdient.

    In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich, wo wir uns fast fünfzig Wochen bs zur Bewusstlosigkeit stressen lassen, um dann Urlaube zu buchen, die uns eine andere Lebensweise beibringen, die wir nach wenigen Tagen wieder zurück im Alltag komplett über den Haufen werfen?

    Wer es hier etwas gemächlicher angeht und auch mal das Ssmartphone am Wochenende und nach Feierabend ausschlatet, kann sich das Geld sparen. Ständige Erreichbarkeit ist einer der Gründe, warum immer mehr Menschen auf dem Zahnfleisch gehen. Nur Mut, Ausknöpfe sind dazu da, dass man sie ab und zu auch mal benutzt.

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  2. Die Erholung sei dem Autor gegönnt. Dennoch möchte ich keine Fernreise antreten, um in einer Luxusoase mit anderen wohlhabenden Europäern den Fokus ausschließlich auf mein physisches Wohlergehen zu richten - in einem Land, das mit massiven Armutsproblemen zu kämpfen hat, und in dem viele Menschen nicht einmal Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Dass auf der Homepage der Resorts eine Schweizer Adresse angegeben ist, lässt zudem vermuten, dass das erwirtschaftete Geld wohl nicht im Inland bleibt.

    5 Leserempfehlungen
  3. Es wird einige geben, die Kommentar 2 wieder vorhalten, dass man ja mal auch unkritisch sein könnte oder jemandem sein Spaß haben lassen soll. Kann man aber nicht. Der Mensch hat die Fähigkeit sein Handeln zu reflektieren und es zu beeinflussen. Daher hat er Verantwortung gegenüber anderen. Eine Reise zur Entspannung nach Sri Lanka ist daher exakt wie Kommentar 2 darlegt abzulehnen. Die Reise ist ferner abzulehnen, da Sri Lanka ja nicht eben um die Ecke ist und für ihre Entspannung wiedermal einige Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen werden müssen, wo ich doch behaupte, dass man sich hätte auch hier entspannen können. Würde aber wie Kommentar 2 die soziale Komponente stärker hervorheben...

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  4. .... in der zweiten Subüberschrift:

    "Nach 20 Minuten ist das Glück vorüber"

    gehen Sie mal 3 Stunden spazieren --- ein naherholungsbereich in dem das machbar ist sollte in jedem deutschen Ballungsraum zu finden sein - auf dem Land eh.

    3 Stunden spazieren ist 3 Stunden Glück pur mit starker nachwirkung auf geist und gemüht wie auf herz und kreislauf!

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  5. Der Autor macht exakt das was den Zeit-Lesern im Kommentar-Bereich untersagt ist - Werbung für ein Wirtschaftunternehmen durch Verlinken von dessen Homepage.

    Ansonsten sind derart Ressort ethisch gesehen fragwürdig, denn die eigentlichen wirklichen Spezialisten sind einheimische Therapeuten, Ärzte, Masseure, Köche. Diese verdienen idR. ortsübliche Gehälter - auf 3. Welt Niveau - also 60 bis 120 Euro pM. Und wenn der in CFH/Euro angegebene Kur-Preis dann auch noch in CFH/Euro auf ein deutsches/schweizer Konto einzuzahlen ist, ist der "Wertschöpfungsprozess" ziemlich offensichtlich...

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  6. ... und auch nicht die Aggression, die - auch in österreichischen Postings so stark vertreten - sobald es um alternative Heilverfahren geht?!?
    Das Argument, dass es unethisch ist in ein armes Land zu fahren, um Urlaub oder Kuren zu machen - würde ja dann immer gelten, Tibet, Nepal, Indien - selbst in den U.S.A. - und wenn ich an die Kreuzfahrten denken sowieso. Das Personal wird unter jeder Kritik bezahlt und steht in keiner Relation zum Luxus an Bord!?
    Ich bin froh über jeden Menschen, der/die sich kontemplativen, heilenden Verfahren zuwendet.

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