Wussten Sie, dass...Der Chardonnay-König von Dalmatien

Ein Kroate verhalf dem amerikanischen Weinmarkt zum internationalen Durchbruch: Miljenko Grgić sagt, dass man guten Wein wie Kinder behandeln muss – und ihn erziehen. von Lore Marr-Bieger

Weinbauer auf der Insel Brač in Dalmatien

Weinbauer auf der Insel Brač in Dalmatien  |  © Matko Biljak/ Reuters

Miljenko Grgić wurde 1923 als elftes Kind in eine traditionsreiche Winzerfamilie geboren und wuchs sozusagen mit dem Rebensaft auf. Seine Heimat war das Örtchen Desne, am hügeligen Nordrand des Neretvadeltas in Dalmatien .

Als kleiner Junge, sagt man, wurde er von der Muttermilch entwöhnt mit gemišt – halb Wasser, halb Wein, und schon als Kind zerstampfte er Weintrauben mit den Füßen. Der Sprössling entwuchs den Bottichen und wollte Winzer werden: 1949 ging er deshalb nach Zagreb und studierte Chemie, Makrobiologie und Weinbau.

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Aus dem kommunistischen Jugoslawien floh er 1954 nach Deutschland, emigrierte nach Kanada und gelangte 1958 in die USA . Hier fand Mike Grgich alias Miljenko Grgić einen idealen Nährboden für seine Pläne: Im kalifornischen Napa Valley arbeitete er bei verschiedenen namhaften Winzern und experimentierte mit seiner uralten Heimattraube Crljenak, heute besser bekannt als Zinfandel.

Lore Marr-Bieger
Lore Marr-Bieger

Lore Marr-Bieger ist freie Reisejournalistin und lebt in der Nähe von Erlangen. Seit 1983 besucht sie die Kroatischen Inseln und Küstenstädte. Sie kennt fast jede Bucht und jeden Stein. In Slowenien durchwanderte sie zahlreiche Städte und die Julischen Alpen. Und wenn es in Europa zu kalt wird, bereist sie ein weiteres Lieblingsland: die Dominikanische Republik, die sie längst wie ihre Heimat kennt.

Die Edelreben der USA kommen aus Österreich

Diese Rebsorte wurde bereits 1850 in Kalifornien kultiviert, ab 1920 als Tafeltraube genutzt. Erst um 1990 schaffte sie es zur Edelrebe – und war vorübergehend die meistangebaute und beliebteste Rotweinsorte in den USA.

Wie und wann die vielseitig einsetzbaren Edelreiser in die USA gelangten, ist ungewiss. Eine Verschiffung diverser Rebsorten aus Niederösterreich (die während der kaiserlichen und könglichen Monarchie über eine große Sortenauswahl verfügten) ist um 1825 für die Rebschule George Gibbs auf Long Island belegt. In den Kisten waren auch Edelreiser von Zierfandler, aus dem vielleicht, da schwer zu sprechen, Zinfandel wurde.

Mike Grgich machte sich im Napa Valley durch seine Entwicklungsmethoden und Weinverfeinerungen als Chefönologe einen Namen. Er arbeitete bei den besten Winzern im kalifornischen Wein-Eldorado, unter anderem bei dem kalifornischen Weinpionier Lee Ste­wart. Bereits 1969 kreierte der Eingewanderte den besten kalifornischen Cabernet.

Grgichs Lebenstraum war das eigene Weingut

1972 wechselte er zur Winzerei Chateau Montelena und machte Kaliforniens Weinbranche stolz und populär: Während der Pariser Weinausstellung 1976 wurde Grgichs kalifornische Chardonnay-Kreation sogar prämiert. Der Nimbus, nur ein französischer Wein könne hervorragend sein, war dahin.

Ein Jahr später erfüllte sich Grgich einen Lebenstraum: einen eigenen Weinhügel mit Kelterei im Herzen des Napa Valleys – das Weingut Grgich Hill Estate. Bereits 1978 erzielte der Weinkönner seinen nächsten Clou. Beim großen Chicago Showdown gewann er unter 221 blind verkosteten Chardonnays mit seiner Siegerkreation Grgich Hills 1977 . Weitere Auszeichnungen brachten ihm den Titel "Chardonnay-König" ein.

1996 kehrt der Winzer kurzzeitig in seine kroatische Heimat zurück, um dort in Trstenik eine Vinothek zu eröffnen. Seiner Wahlheimat, dem von grünen Weinhügeln durchzogenen Rutherford im Napa Valley, blieb er treu – zumindest den Sommer über, um auch ein Auge auf das familiär geführte Weingut zu werfen. "Weine sind für mich wie meine Kinder!", sagt er, "du sollst sie lieben und ihnen den Reichtum deines Geistes vermitteln."

Guter Wein muss erzogen werden

Die kühlere Jahreszeit verbringt der immer noch fidele Miljenko Grgić nun im trockenen, palmenbestückten Südkalifornien bei La Quinta, wo er für die kommende Saison Weinverkostungen mit Dinners organisiert. Seit 2003 produziert Grgich auch organisch, biodynamisch und mit eigenem Solarstrom, was ihm den Titel "Der grüne Winzer" einbrachte.

Zu seinen Kunden gehört unter anderem auch Demeter. Fast jährlich erhielt er Auszeichnungen, im Jahr 2008 zum Beispiel den Achievement Award für seine besonderen Verdienste in der kalifornischen Weinindustrie. Damals war er 85 Jahre alt.

"Es gibt keine wissenschaftliche Formel, um guten Wein zu erzeugen", sagt Miljenko Grgić, "du musst mit ihm kommunizieren und ihn erziehen."

Erschienen im Michael Müller Verlag

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    • Serie Sehenswert - Wissenswert
    • Schlagworte USA | Wein | Jugoslawien | Kanada | Österreich | Chicago
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