Hätte Erik Patel vor elf Jahren die Geduld verloren, er stünde heute nicht hier und würde nicht Vater und Tochter beim Spielen in den Bäumen zuschauen. "Als wir 2001 zum ersten Mal in den Park gingen, haben wir das alles so sehr gehasst, dass wir beinahe aufgegeben hätten", erinnert sich Patel. "Wir konnten die Tiere nicht finden. Wir wussten nicht, wo wir suchen sollten. Und sie flohen wohl auch vor uns. Die ersten zehn Wochen liefen wir einfach durch den Wald, von morgens bis abends, und nie bekamen wir die Silkies zu Gesicht. Wir waren genervt. Außerdem regnete es so viel. Wir hatten keinen Platz zum Essen außer auf dem Waldboden. Wir hatten nicht genügend Lebensmittel dabei. Und ich hatte kaum noch genügend Forschungsgelder."

Doch dann, in der elften Woche, eilten die Tiere an ihm vorbei: "Ich sah sie für gerade einmal gut zehn Sekunden. Dann sprangen sie auch schon wieder fort." Daraufhin konnte Patels Team die Tiere schon ein-, zweimal pro Woche finden und bald schon so gut wie täglich.

Bungalows im Regenwald

Mittlerweile gibt es drei Camps im Marojejy-Nationalpark: Hier können Touristen unterkommen und Wissenschaftler ein Basislager aufschlagen. Mitten im Regenwald stehen Bungalows mit zwei Doppelstockbetten. Die Toilette hat einen ganz normalen Spülkasten, weil ein Fluss in der Nähe fließend Wasser liefert. Und in der großen Freiluftküche sorgt ein Koch für Berge von madagassischem Reis, flambierten Bananen und einen Topf mit heißem Wasser zum Duschen.

Nestor und Janvier suchen die Silkies nicht nur für Patels Forschung, sondern auch für Touristen. Wenn die nur kommen würden, sagt Rabary Désiré, der Forschungsassistent und Parkführer. Im Durchschnitt besuchen 1.100 Menschen den Nationalpark Marojejy – pro Jahr. Damit ist Marojejy einer der am seltensten besuchten Nationalparks Madagaskars. Zum Vergleich: Den Nationalpark Ranomafana im Südosten des Landes besuchen im Jahresdurchschnitt 25.000 Touristen und Einheimische.

Ranomafana gilt als Madagaskars Vorreiter in Sachen Ökotourismus und ist schneller und preiswerter zu erreichen. Der Tourismus gilt als eine der wichtigsten Devisenquellen für Madagaskar. Doch als es Anfang 2009 einen Putsch gab, brach der Tourismus um mehr als die Hälfte ein. Auch wenn die politische Krise bis heute andauert, so dürften dieses Jahr die Besucherzahlen aus der Vor-Krise-Zeit erreicht werden, sagen Nationalpark-Leiter.

Als Erik Patel mit seinem Team wieder aus dem Wald kommt, sitzen im Garten des Besucherzentrums gut zehn madagassische Männer: Sie sind Naturführer und Gepäckträger. Und warten.