Leserartikel

ErdbebenDie Zeltstädte in Haiti stehen noch immer

Zwei Jahre nach dem Erdbeben in Haiti kommt der Aufbau nur langsam voran. Leser Martin Franke hat das Land besucht und war von den Zuständen schockiert. von 

Ruinen und Trümmer in Port-au-Prince. Der Aufbau Haitis geht nur langsam voran.

Als ich dieses Frühjahr in der Dominikanischen Republik ein Praktikum an der deutschen Botschaft absolvierte, wollte ich auch den anderen Teil der Insel Hispaniola kennenlernen: Haiti. Gespräche mit Haitianern in Santo Domingo, die dort auf Baustellen arbeiteten, hatten meine Neugierde für das Nachbarland geweckt.

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Ich lernte den deutschen Weißbierlieferanten Sven kennen, der seit sechs Jahren auf der Hispaniola lebt und ein Vertriebsrecht für beide Inselteile hat. Deshalb fragte ich ihn, ob er mich mit nach Haiti nehmen könnte. Wenige Tage später saßen er, seine haitianische Freundin und ich im Auto und fuhren Richtung Grenze, beladen mit einigen Kisten Bier und geschützt durch verspiegelte Scheiben. Die Kriminalitätsrate ist sehr hoch und besonders häufig werden Weiße Opfer von Kidnapping und bewaffneten Überfällen.

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Auf dem Weg zur Landesgrenze passierten wir Armeekontrollstellen, die die illegale Einwanderung von Haitianern verhindern sollen. Um die Kontrollstellen zu umgehen, wandern viele Haitianer über die Gebirge in die Dominikanische Republik, steigen in die Dörfer hinab und fahren dann mit Kleinbussen in die Hauptstadt. Die Emigration auf die Osthälfte der Insel hat nach dem Erdbeben in Haiti stark zugenommen.

Nachdem wir die Grenze überquert hatten, fielen mir gleich die Unterschiede zwischen den beiden Inselhälften auf. Auf der haitianischen Seite stehen nicht nur bunte Holzhütten, wie auf der dominikanischen Seite, sondern unglaublich viele Zeltstädte. Sie entstanden vor zweieinhalb Jahren nach dem schweren Erdbeben, doch noch immer leben Menschen dort. Ich beobachtete, wie Frauen zwischen den Zelten umher wanderten und Körbe, Krüge und andere Waren auf ihren Köpfen trugen.

Am Abend unserer Ankunft in Port-au-Prince empfing uns die Familie von Svens Freundin. Sie waren sehr herzlich und bestanden trotz ihrer Armut darauf, uns ein Abendessen mit Reis und Hühnchen zu servieren. Seit dem Erdbeben leben Sie zwar nicht in der Zeltstadt, sondern noch auf demselben Grundstück, jedoch auf viel beengterem Raum.

Bei Tageslicht zeigte sich das ganze Ausmaß der Armut, in der die Familie lebt: Bettgestelle ragen aus den Mauern der Ruine, die früher ihr Haus war. Alte Bücher für ein Elektrotechnik-Studium liegen herum, dazwischen hausen Hühner, die dort ihre Eier legen. Das Erdgeschoss ist während des Erdbebens eingestürzt, das gesamte Gebäude liegt nun eine Etage tiefer. Glücklicherweise blieb die Familie komplett verschont, als damals am 12. Januar 2010 kurz vor 17 Uhr die Erde bebte.

Mir schien es, als hätte seit dem Erdbeben niemand einen Stein am Haus der Familie wieder aufgebaut. In den Straßen von Port-au-Prince sah ich viele zerfallene Häuser. Ihre Bewohner saßen davor und handelten an kleinen Verkaufsständen mit Früchten. Obwohl es in Haiti mehr Hilfsorganisationen gibt als an irgendeinem anderen Ort der Welt, kommt der Aufbau des Landes nur sehr langsam voran.

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Leserkommentare
    • elvis99
    • 07. September 2012 10:51 Uhr

    verderben den Brei. An sich ist es mega peinlich, dass eine mini Insel, unweit eine der am höchsten entwickelten Industrieländer, immernoch in Trümmern liegt. Offensichtlich fehlt die Weitsicht, dass ein funktionierender Staat auch Flüchtlingsströme verebben lassen kann. Natürlich ist die Frage, was für Bodenschätze in/vor Haiti liegen, und wer die Förderrechte hat - intakte Staaten könnten diese schützen, desolate hingegen nicht ..

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    • Medley
    • 08. September 2012 3:23 Uhr

    "Natürlich ist die Frage, was für Bodenschätze in/vor Haiti liegen, und wer die Förderrechte hat - intakte Staaten könnten diese schützen, desolate hingegen nicht .."

    Na,das ist ja wohl einer der dreistesten, unverschämtesten und zynischten Unterstellungen, die ich hier auf Zeit-Online jemals gelesen habe. Wollen damit behaupten, dass die Industrieländer, und unter denen maßgeblich die USA, Hahiti in Chaos und Not belassen wollen, um an die von ihnen phantasierten Rohstoffe zu kommen? Dann hat ihrer Meinung nach wohl auch das "globale Öl-Kartell", bzw. die "Finanzlobby/-maifa von der Wallstreet" oder eine ähnliche einschlägige Hassprojektion aus ihren Kreisen, die für alles Üble in der Welt verantwortlich ist,[...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/ls

  1. was tun die Einwohner für sich und ihre Zukunft?
    "zerfallene Häuser. Ihre Bewohner saßen davor und handelten an kleinen Verkaufsständen mit Früchten."

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf herablassende Äußerungen. Danke. Die Redaktion/sh

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    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mk

    • Azenion
    • 07. September 2012 12:14 Uhr

    Interessant wäre die Frage, warum die Haitianer augenscheinlich nichts wiederaufbauen -- nicht einmal soweit, wie sie es ohne fremde Hilfe vermöchten.

    Lohnt es sich nicht, z.B. weil die, die die Arbeit leisten müßten, vom Gewinn nicht profitieren würden?
    Oder stört die Bewohner das, was aus europäischer Perspektive nach Elend aussieht, nicht wirklich, z.B. weil ihre Lebenseinstellung so fatalistisch ist?

    Eine sachliche Analyse durch Landeskenner würde mich wirklich interessieren -- wenn möglich, ohne politisch-korrekte Brille.

  3. Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mk

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    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/sh

  4. Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/mk

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    kommt vom Ackern. Das wissen auch die dummen Bauern mit den dicken Kartoffeln.

    • Azenion
    • 07. September 2012 12:14 Uhr

    Interessant wäre die Frage, warum die Haitianer augenscheinlich nichts wiederaufbauen -- nicht einmal soweit, wie sie es ohne fremde Hilfe vermöchten.

    Lohnt es sich nicht, z.B. weil die, die die Arbeit leisten müßten, vom Gewinn nicht profitieren würden?
    Oder stört die Bewohner das, was aus europäischer Perspektive nach Elend aussieht, nicht wirklich, z.B. weil ihre Lebenseinstellung so fatalistisch ist?

    Eine sachliche Analyse durch Landeskenner würde mich wirklich interessieren -- wenn möglich, ohne politisch-korrekte Brille.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@ 2 Nicht wahr?"
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    • uwilein
    • 22. September 2012 20:31 Uhr

    Entfernt. Bitte begründen Sie Ihre Aussagen sachlich. Danke, die Redaktion/lv

  5. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/sh

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    Entfernt. Fragen zur Moderation richten Sie bitte an community@zeit.de. Die Redaktion/sh

  6. kommt vom Ackern. Das wissen auch die dummen Bauern mit den dicken Kartoffeln.

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Erdbeben | Haiti | Armut | Bier | Einwanderung | Emigration
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