UmweltArabiens wahre Schätze liegen im Meer

Üppige Korallengärten mit einer Vielfalt von Arten – das ist der Reichtum des Arabischen Meeres. Doch Überfischung und das Geschäft mit dem Öl bedrohen das Ökosystem. von Kennedy Warne

Die märchenhafte Scheherazade würde noch weitere 1.001 Nächte lang Geschichten erzählt haben, wenn sie von den Reichtümern des Arabischen Meeres gewusst hätte. Sie hätte die Neugier des persischen Königs zum Beispiel mit dem Rätsel der Riffe von Dhofar im Süden Omans geweckt: Im Winter sieht man hier üppige Korallengärten, im Sommer Wälder aus Tang. Ausgelöst wird dieser weltweit einmalige Wechsel durch den Beginn des khareef. Dieser Südwest-Monsun drückt kaltes und nährstoffreiches Wasser an die Küste. Der Tang ruht in den warmen Monaten; erst wenn die Temperaturen fallen, reagiert er mit einem plötzlichen, üppigen Wachstum und überzieht die Riffe mit grünen, roten und goldenen Wedeln.

"Ich bin das Meer. In meinen Tiefen ruhen alle Schätze", schrieb der ägyptische Dichter Mohammed Hafiz Ibrahim vor einem Jahrhundert. Besonders die Austern. Heute findet man hier allerdings nur noch wenige Perlentaucher, die wie in früheren Zeiten den größten aller Schätze bergen. Das Perlentauchen war eine Frage des Stolzes. Es gehörte zur Tradition wie die Seefahrt.

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Das Ölgeschäft verdrängte die uralte Lebensweise der Seefahrer. Arabien erlebte einen sprunghaften Wandel: vom Kamel zum Cadillac, vom Lehmhaus zur Mega-Mall. Die Folgen des neuen Wohlstands machen vor dem Arabischen Meer und seinen Nebenmeeren nicht Halt. Überfischung und Umweltverschmutzung, die Schädigung des Meeresbodens durch Schwimmbagger und die Umgestaltung der Küstengebiete mit künstlichen Inseln belasten das Ökosystem.

Vor allem die Haie sind gefährdet. Es gibt kaum einen schändlicheren Ausdruck für den Angriff auf das Leben hier, kaum einen groteskeren Anblick als die Berge von getöteten Haien, die Abend für Abend aus dem Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten zum Deira-Fischmarkt in Dubai gebracht werden: eine stinkende Flut von Flossen und Fleisch. Die Biologin Rima Jabado reist die Küste der Vereinigten Arabischen Emirate auf und ab, von Abu Dhabi bis Ras al-Khaimah, registriert die Haifänge, spricht mit den Fischern. Überall hört sie die gleiche Geschichte: Die Fänge werden kleiner, und immer mehr Boote machen Jagd auf die Meerestiere. Die Sorgen der Biologin gehen aber über die Fischerei hinaus. Die Folgen einer Umweltkatastrophe in einem so flachen und abgeschlossenen Meer möchte man sich lieber nicht ausmalen. Im Persischen Golf gibt es Hunderte von Öl- und Gasplattformen. Jedes Jahr fahren Zehntausende Male Tanker durch die enge Passage der Straße von Hormus zwischen der Halbinsel Musandam und dem Iran. "Bei einem Unglück wie der Explosion der „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko könnten ganze Ökosysteme vernichtet werden", befürchtet Jabado.

Doch es scheint, als würden sich die Dinge allmählich zum Besseren wenden. Mehrere Staaten erwägen, dem Beispiel der Vereinigten Arabischen Emirate zu folgen und den Walhai unter Schutz zu stellen. In Arabien scheint sich ein neues Verantwortungsgefühl für das Leben im Meer zu entwickeln. In Kuwait haben Hunderte Amateurtaucher eine schnelle Einsatztruppe für Umweltprobleme gebildet. Sie reparieren durch Krieg und Müll entstandene Schäden an der Natur, heben untergegangene Schiffe, entfernen Fischernetze von den Korallenriffen.

In Dubai sammeln Umweltschützer gestrandete Schildkröten und bringen sie zu einer Auffangstation im luxuriösen Hotel Burj al Arab. 2011 wurden 350 Jungschildkröten dort abgeliefert. Die wieder aufgepäppelten Schildkröten werden später in großer Zahl freigelassen. Jeder wird ein Mikrochip implantiert. In den sieben Jahren seit dem Start des Projekts ist keines der Tiere erneut an die Küste gespült worden. Die berühmteste Patientin des Hotels war die Meeresschildkröte "Dibba", eingeliefert mit einem Schädelbruch. 18 Monate dauerte ihre Heilung. Danach belohnte "Dibba" ihre Betreuer mit einer 259 Tage und 8.000 Kilometer langen Wanderung durch das Arabische Meer, an den Malediven vorbei, um Sri Lanka herum und bis zu den Andamanen-Inseln westlich von Thailand. Dort machten die Batterien ihres Senders schlapp. "Dibba" folgte einer alten Route, die nicht nur Schildkröten instinktiv vertraut zu sein scheint. Sie ist auch im kulturellen Gedächtnis der Völker Arabiens verwurzelt. Diesem Kurs folgten die großen kuwaitischen Dhaus mit Datteln aus Basra, und auf diesem Weg kehrten sie zurück, beladen mit Kampfer und Seidenstoffen, Sandelholz und Nelken.

Jede Familie hat Seefahrer hervorgebracht, aber die Erinnerung an ihre Zeit ist verblasst. "Wir haben die Lust am Meer verloren", sagt ein omanischer Geschäftsmann mit traurigem Blick. Doch viele Araber zieht es wieder hinaus: diesmal, um den Reichtum der See zu erleben. Wie sagte der Dichter Mohammed Hafiz Ibrahim? "Ich bin das Meer. In meinen Tiefen ruhen alle Schätze."

Weitere Informationen über die Wunderwelt der Meere, zu Überfischung und Schutz-Bemühungen finden Sie in einem Special unter nationalgeographic.de

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Leserkommentare
  1. Aber ich hätte es gern im Winter muckelig warm und das Motorrad aufgetankt.

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    Keine Macht den Trollen.

  2. Lieber Herr Warne das Gedicht von Moh.h.Ibrahim hat mit dem arabischen Meer nicht zu tun .der Dichter beschrieb die arabische Sprache und ließ die arbische Spache mit Ihren Söhnen( die Araber) schimpfen weil er der Meinung war, daß die Araber ihre Sprache nicht genug pflegten.
    Also ((ich bin das Meer...,hier redet nicht das Meer sondern die arab. Sprache))

  3. Keine Macht den Trollen.

    Antwort auf "Schön schön..."

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  • Schlagworte Riff | Überfischung | Dubai | Iran | Malediven | Mexiko
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