Mission Beach – Ingham: "Am großen Mangobaum müsst ihr abbiegen", hatte Jacob am Telefon gesagt. Doch wie sieht ein Mangobaum aus, besonders wenn er keine Früchte trägt? Diese Frage kann auch das Navi nicht beantworten, das seit Ingham beharrlich zur Umkehr auffordert. Die Wohnmobile biegen in eine Piste, Staub wirbelt auf. Rechts und links liegen weite Weideflächen.

Ziel ist die Mungalla-Station , eine von Aborigines betriebene Rinderfarm in der Nähe von Ingham. Auf der Veranda des großen Holzhauses wartet Jacob Cassady, über den kurzen Rasen davor robbt ein Waran. Jacob ist ein kräftiger Mann mit langem Bart und dunklen Augen. Er trägt Jeanshemd und Cowboyhut, am Arm hat er eine große Narbe, an einem Fuß fehlt der große Zeh. "Die Nywaigi, unser Volk, wohnen auf diesem Land seit vielen Tausend Jahren", sagt er. Die Begegnung mit Jacob und seiner Familie können Touristen als "Aborigines-Erlebnis" buchen.

Der irische Name der Aborigines

Jacob wirft mit seinen Gästen Boomerangs und zerreibt die Blätter des Seifenbaums zu Waschschaum. Die alten Traditionen sind ihm wichtig. Doch noch mehr zählen der sensible Umgang mit der Natur, der Schutz des Landes vor der Bewirtschaftung durch Monokulturen und die gleichberechtigte Integration seines Volkes in die australische Gesellschaft.

Erst seit dem Jahr 2000 gehört ein Gebiet von 890 Hektar Land rund um die Mungalla Station wieder den Nywaigi. In einer Art Kooperative züchten sie Rinder der Droughtmaster-Rasse – und führen damit eine Tradition weiter, die der irische Einwanderer James Cassady hier 1882 begann. "Cassady war seiner Zeit voraus", sagt Jacob. "Anstatt uns zu verjagen, gab er uns Arbeit – und seinen Namen."

Besuch bei Ray Charles

Ingham – Townsville – Airlie Beach: Wer exotische Tiere beobachten will, muss in Queensland nicht in einen Tierpark gehen. Kängurus sitzen am Kreisverkehr, Opossums spazieren abends über den Campingplatz. Doch ein Tierpark, wie der Billabong Santuary bei Townsville, bietet Knuddelgarantie. Ein großer Teich liegt in der Mitte der Anlage, auf dem Holzsteg daneben lassen sich Kängurus von Kindern füttern. In einem kleinen Eukalyptusbaum versteckt Ray Charles sein Gesicht hinter Blättern. Er ist ein blinder Koala-Bär , der in freier Wildbahn nicht überleben könnte.

"Wach auf, Kumpel", sagt Tierpfleger Rick und knufft ihn in die Seite. Ray Charles reckt sich und wehrt sich nicht gegen die Hände, die unbedingt einen Koala streicheln wollen. Ohne Widerstand lässt er sich auf den Arm nehmen. "Koalas bringen alle Frauen zum Dahinschmelzen", sagt Rick. Dabei seien Wombats doch viel interessanter. Rick hebt Tonka auf seinen Schoß, ein bärenartiges Strubbeltier mit dickem, braunen Fell. Die Beutelsäuger könnten bis 40 km/h schnell laufen, sagt Rick.

"Wollt ihr ein Foto?", fragt er.

Na klar, fast jeder will ein Foto. Und zwar mit Ray Charles, dem Koala.

Mücken sind die Begleiter auf dem Highway 

Zwischen Airlie Beach und Rockhampton legt die Gruppe einen Tankstopp am Karlaka Roadhouse am Bruce Highway ein. Das Wohnmobil verbraucht 18 Liter, das Roadhouse ist die letzte Rettung. Der Highway ist zwar die Hauptfernverkehrsstraße, doch er führt durch wenig besiedeltes Land. Kilometerweit kommt kein Dorf, keine Siedlung, keine Tankstelle. Es ist fünf vor sechs Uhr abends. Das Roadhouse schließt um sechs. Ein schneller Kaffee aus Instant-Pulver, die Bedienung sperrt extra noch einmal das Toilettenhäuschen auf.

"Es gibt keinen Verkehr, ich bin allein auf der Welt", schreibt Cees Noteboom in Leere umkreist von Land , einer Reiseerzählung über Australien. Das Büchlein liegt auf der Rücksitzbank der Fahrerkabine. Auch auf dem Bruce Highway ist man nachts so gut wie allein. Ab und an die Scheinwerfer eines Lasters im Gegenverkehr, dazwischen nur Tausende von Mücken, die auf die Windschutzscheibe regnen. "Folgen Sie dem Highway für 200 Kilometer", hatte das Navi vor einer Stunde gesagt, dann schwieg es.

Ein Schild am Straßenrand warnt vor einer Müdigkeitszone für Fahrer. Die nächste Tafel kündigt ein Wissensquiz an. Auf schnurgerader Straße rollt das Wohnmobil durch die Dunkelheit, dann endlich kommt die Frage: "Wie heißt der höchste Berg Queenslands?"

Die Antwort, viele Kilometer später: Mount Bartle Frere.

Und: Survive the drive . Überlebe die Fahrt.